„Du arbeitest am Plärrer? Mein Beileid.“

„Ich arbeite bei der Deutschen Anwaltshotline. Das ist das große Haus am Plärrer.“ So oder so ähnlich habe ich schon öfter auf die Frage „Und, was machst du so?“ geantwortet. Während mir das Gesicht meines Gegenübers beim ersten Teil der Antwort meistens noch Interesse widerspiegelt, ruft das Ende meiner Kurzvorstellung häufig ganz andere Reaktionen hervor. Von nervösem Zucken bis hin zu offenkundigem Beileid war eigentlich schon alles dabei. (Und weil Emojis manchmal mehr sagen als Tausend Worte. So ungefähr kann man sich die Reaktionen vorstellen: 😐 😯 😱)

 

Für Nicht-Nürnberger bedarf es an dieser Stelle vermutlich einer kurzen Erklärung: Die Stadt Nürnberg wird häufig mit mittelalterlichen Gebäuden, idyllischen Fachwerkhäusern, imposanten Bauten wie der Lorenzkirche und der romantischen Lichterkulisse des Christkindlesmarkts in Verbindung gebracht. Der Plärrer, ein zentraler Verkehrsknotenpunkt direkt hinter der Stadtmauer, taucht in Tripadvisor-Top-10s hingegen eher selten auf und auch in klassischen Touristen-Guides wird er häufig zur Fußnote degradiert. Um sich einer Analogie zu bedienen: Der Plärrer ist die nützliche, aber unansehnliche Mehrfachsteckdose, die man noch schnell hinter dem Regal verschwinden lässt, bevor Besuch kommt.

Verkanntes Stück Geschichte

Zwar ist es für uns als Plärrer-Ansässige ganz gut, dass der Platz nicht mit Touristen überlaufen ist, aber eigentlich ist das auch schade. Denn der Plärrer gehört ebenso zur Geschichte der Stadt Nürnberg wie die Kaiserburg oder das ehemalige Reichsparteitagsgelände. Wo im Mittelalter noch ein Galgen stand, wurde 1835 die erste deutsche Eisenbahnstrecke eingeweiht, was Nürnbergs Rolle als wichtige Industriestadt zementierte. Nachdem Nürnberg infolge des zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche lag, war es der Plärrer, der mit dem 1953 eröffneten Plärrerhochhaus zum Symbol des Wiederaufbaus auserkoren wurde und so für Hoffnung und Zuversicht sorgte. Das schlichte Hochhaus mag aus heutiger Sicht banal erscheinen, weshalb sowohl Nürnberger als auch Besucher es nur selten eines Blickes würdigen. In den 1950er Jahren war es jedoch ein wichtiger Repräsentationsbau, der auch zum Empfang internationaler Königshäuser diente.

 

Und heute?

Zugegeben: Selbst wenn man die Geschichte des Plärrers kennt, macht es den Platz nicht objektiv schöner. Das Volksbad, ein Juwel der Jugendstil-Badekultur, ist verlassen und die Plärrer-Fontäne ist des Namens heute kaum mehr würdig. Spielhallen, Dönerläden und ein hohes Verkehrsaufkommen prägen den Platz.

Dennoch hat ein Arbeitsplatz am Plärrer auch seine Vorzüge: Als zentraler Verkehrsknotenpunkt ist der Plärrer von überall in Nürnberg gut und einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Auch wer nach der Arbeit noch Lust auf ein Feierabendbier hat, muss nicht lange suchen: Sowohl die Altstadt als auch die vielen Kneipen des Szeneviertels Gostenhof – kurz Goho – sind nur einen Katzensprung entfernt. Die Lage ist also ideal, nur das „Flair“ fehlt.

Ein Blick in die Zukunft

Nicht nur die DAHAG-Mitarbeiter*innen, sondern auch die Vertreter*innen der Stadt Nürnberg wissen: Der Plärrer hat Potenzial. Deswegen soll der Platz auf Kurz oder Lang ein Make-Over erhalten, bei dem auch die Wünsche der Bürger*innen berücksichtigt werden sollen. Im Rahmen eine Bürgerbefragung wurden daher Ideen für die Umgestaltung des Plärrers gesammelt. Grund genug, uns auch innerhalb der DAHAG ein wenig umzuhören, was man sich hier so vom und für den Plärrer wünscht.

 

Viele der DAHAG-Mitarbeiter*innen würden sich übrigens darüber freuen, die Geschichte des Plärrers bei der Umgestaltung in den Vordergrund zu rücken. So wurde mehrfach der Wunsch nach der Inbetriebnahme der Plärrer-Fontäne oder einer Rekonstruktion des alten Plärrer-Automaten laut. Dabei handelt es sich um eine ovale Straßenbahn-Wartehalle, die in den 1930ern mit einem Selbstbedienungsautomaten für Furore sorgte.

Vier der Befragten stehen hingegen ganz selbstbewusst zur eingangs erwähnten Mehrfachsteckdose und lassen diese nicht aus Eitelkeit hinter dem Regal verschwinden. Sie gaben an, den Plärrer so wie er ist gut zu finden und würden sich wünschen, den „Plärrer-Charme“ schlicht und einfach zu erhalten.

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