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Fehlberatung durch Steuerberater: Bekomme ich mein Geld zurück?

Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Hanno Hoffmann
Stand: 07.10.2017

Frage:

Es geht um den Verkauf einer Eigentumswohnung im Jahr 2008, die bei einer Betriebsprüfung im Jahr 2002 wegen eines sich darin befindlichen Beratungsunternehmens anteilig als Betriebsvermögen klassifiziert wurde. Der Verkauf der Wohnung mit Gewinn erfolgte nach Ablauf der Spekulationsfrist, was vom Steuerberater geprüft wurde. Aufgrund einer zweiten Steuerprüfung im Jahr 2014 verlangt das Finanzamt nunmehr eine Nachzahlung für den anteiligen Betriebsgewinn.

In der Steuererklärung für das Jahr 2008 hatte der Steuerberater vergessen, den anteiligen Gewinn auszuweisen, obwohl ihm der Verkauf bekannt war. Ich selbst hatte unterstellt, dass außerhalb der Spekulationsfrist für die mit privaten Mitteln und noch als ehemaliger Angestellter erworbene Wohnung keine zusätzliche Steuerpflicht besteht. Auch in den Folgejahren bis zur Prüfung im Jahr 2014 hat der Steuerberater keinerlei Hinweis auf eine etwaige Nachversteuerung gegeben. Zwischenzeitlich hat er die Nachzahlungszinsen akzeptiert. Gilt seine Haftung auch für den Nachzahlungsbetrag?

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Antwort:

Der Begriff „Schaden“ wird im rechtlichen Sinne definiert als eine Verschlechterung eines Rechtsgutes, die durch ein schädigendes Ereignis entsteht.  Diese Schädigung kann sowohl materieller als auch ideeller Natur sein. Um den Schaden genau beziffern zu können, wird der Zustand des Rechtsguts vor dem schädigenden Ereignis mit jenem hinterher verglichen. Der sich daraus ergebende Unterschied ist dann der Schaden.

Aus dieser recht trockenen Definition ergibt sich in Ihrem Fall folgendes: Sie sind so zu stellen, als hätte Ihr Steuerberater richtig gehandelt. Hätte er den Verkauf seinerzeit richtig erklärt, so hätten Sie Steuer für den Betriebsgewinn zahlen müssen, aber keine Zinsen und Verspätungszuschläge etc. Dies bedeutet, dass die rechtlich geschuldete Gleichstellung mit der Übernahme der Nachzahlungszinsen erreicht ist, denn die Steuer wäre so oder so angefallen.

Anders ist die Rechtslage aber dann, wenn Sie bei Kenntnis des Steueranfalls die Wohnung nicht verkauft hätten. Ihr Auftrag an den Steuerberater hätte also lauten müssen zu prüfen, ob überhaupt Steuer beim Verkauf der Wohnung anfällt, damit Sie entscheiden können, ob die Wohnung verkauft wird oder im Portfolio bleibt. In diesem Fall haben Sie einen Gewinnverlust erlitten und Ihr Steuerberater ist schadensersatzpflichtig. In einem Prozess hätten Sie genau die Umstände darzulegen und zu beweisen, da Sie als Geschädigter hier vollumfänglich darlegungs- und beweispflichtig sind.

Anders auch unter Umständen, wenn er von der Verkaufsabsicht wusste. Hier gibt es eine Entscheidung des OLG Koblenz. Nach dieser Entscheidung richtet sich die Aufgabe des Steuerberaters zwar grundsätzlich zunächst nach dem Inhalt und dem Umfang des erteilten Mandats. Der Steuerberater muss sich dabei mit den steuerrechtlichen Punkten befassen, die zur pflichtgemäßen Erledigung des ihm erteilten Auftrags zu beachten sind. Daneben trifft ihn im Rahmen eines Dauermandats aber eine Reihe von weiteren Pflichten, auch ungefragt Hinweise zu bei der Bearbeitung auftretenden steuerrechtlichen Fragen zu geben (OLG Koblenz, 15.4.14, 3 U 633/13, Abruf-Nr. 142236). Im Rahmen eines umfassenden Dauermandats, das alle Steuerarten umfasst, die für den Auftraggeber in Betracht kommen, muss ein Steuerberater auch auf Möglichkeiten und Folgen von zivilrechtlichen Steuergestaltungen und deren Voraussetzungen jenseits der konkret zu bearbeitenden Angelegenheiten hinweisen.

Wenn Ihr Steuerberater also vorab über den Verkauf informiert war, dann hätte er ungefragt Sie über die anfallende Steuer unterrichten müssen, damit Sie sich Ihre Entscheidung nochmals überlegen können.

Auch in diesem Fall wären die näheren Umstände im Falle eines Prozesses von Ihnen zu beweisen und darzulegen.



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