Navigationspunkt Hauptthema Unterthema Artikeltitel
Soforthilfe vom Anwalt
Arbeit und Beruf
Frage an den Anwalt
16.05.2017

Was bedeuten die Floskeln in meinem Arbeitszeugnis wirklich?

Die folgenden sieben Sätze aus einem Arbeitszeugnis möchte ich gern wie Schulnoten entschlüsselt wissen.

  1. Herr S. erfüllte die an ihn gestellten Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.

  2. Er erledigte seine Aufgaben selbständig und bewies dabei Sorgfalt und Fleiß.

  3. Herr S. zeichnete sich durch eine schnelle Auffassungsgabe aus.

  4. Er erkannte schnell Zusammenhänge und übertrug die erlernten Kenntnisse und Fertigkeiten auf seine praktische Arbeit.

  5. Wir haben Herrn S. als zuverlässigen, verantwortungsbewussten und umsichtigen Mitarbeiter kennengelernt.

  6. Sein persönliches Verhalten war einwandfrei.

  7. Wir danken Herrn S für seine Mitarbeit und das bisher Geleistete und wünschen ihm für seine weitere Zukunft persönlich und beruflich alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Digitaler Assistent
Digitalen Assistenten starten
Author Antwort Rechtsanwalt Dietmar Breer
Welche Frage haben Sie? E-mail senden

Die Qualität eines Zeugnisses anhand weniger ausgewählter Sätze zu beurteilen ist nahezu unmöglich. Von entscheidender Wichtigkeit sind z.B. Ausführungen zu der konkreten Stellung im Unternehmen und zum konkreten Aufgabengebiet sowie Angaben zum Unternehmen selbst, da dieses die Qualifikation und Erfahrung des Mitarbeiters beschreibt.

Wichtig sind oft auch nicht getätigte Aussagen wie z.B. zu Kündigungsgründen.

Änderungswünsche an einem Zeugnis gerichtlich durchzusetzen ist im Regelfall schwierig. Der arbeitsrechtlichen Vorgabe ein wohlwollendes Arbeitszeugnis auszustellen, wird der Arbeitgeber durch positive Formulierungen und eine mindestens befriedigende Abschlussnote gerecht. Ist der Arbeitnehmer damit nicht zufrieden, muss er im Streitfall darlegen und beweisen, dass er „gut“ oder gar „sehr gut“ war. Das ist schwierig bis unmöglich. Es sollte daher eher im Gespräch mit dem Arbeitgeber versucht werden ein verunglücktes Zeugnis zu optimieren.

Dieses vorausgeschickt, können die von Ihnen zitierten Passagen wie folgt eingeordnet werden:

1. Hierbei handelt es sich um die Gesamtnote des Zeugnisses. „Stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ heißt „gut“.

  1. Die Arbeitsweise wird mit „befriedigend“ bewertet.

  2. – 5. „befriedigend“

Hinweis: Typisch für die Note befriedigend ist die positive Darstellung von Eigenschaften ohne Hinzufügung eines Temporaladverbs (immer, stets, jederzeit) sowie der Verzicht auf Superlative.

6. „befriedigend“

Anmerkung: Auffallend ist, dass hier nur pauschal von einem persönlichen Verhalten die Rede ist, während üblicherweise von einem Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen die Rede ist. Gab es hier Probleme mit Kollegen oder Vorgesetzten?

7. Die Aussage zu Ziff. 7 ist widersprüchlich. Danksagung und „weiterhin viel Erfolg“ als Zukunftswunsch stellen die Bestnote dar. Auffallend ist aber, dass kein Wort des Bedauerns über Ihr Ausscheiden fällt – was eine deutliche Abwertung darstellt.

E-Mail Beratung
Fragen zum Thema
Arbeit und Beruf?
Anwalt kostenlos anfragen
Anwalt für Arbeit und Beruf anrufen:
0900-1 875 000 908*
Rechtsberatung per Telefon
schnell
rechtssicher
günstig