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Strafrecht - Betrug mit angeblichem Erblasser in England

Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Roland Hoheisel-Gruler
Stand: 18.12.2015

Frage:

Eine in London ansässige RA-Kanzlei hat für einen im Januar 2008 verstorbenen ledigen Mandaten nach Erben gesucht, um den Nachlass ihres Mandaten in Höhe von € 16.755.000 verwerten zu können. Es wurden keine Erben gefunden. Die Kanzlei hat sich an mich wegen Namensgleichheit gewandt und mich gebeten als Begünstigter mitzuwirken. Die Kanzlei möchte das Erbe im Verhältnis 50% für mich, 35% für die Kanzlei und 15% für gemeinnützige Organisationen aufteilen. Das Kapital liegt auf einer spanischen Bank. Alle notwendigen Nachweise, dass ich als Begünstigter das Erbe antreten kann liegen der Bank in Spanien vor. Mein Anspruch auf das Erbe ist unstrittig. Die spanische Bank fordert nun einen Betrag von € 36.446,42 für die Reaktivierung des Kontos des verstorbenen. Für behördliche Genehmigungen zum Kapitaltransfer wurden von mir bereits € 5.675 gezahlt. Die spanische Bank hat mir außerdem mitgeteilt, dass sich der aktuelle Kontostand auf € 16,887,446.42 beläuft.

Meine Fragen:
1.) Muss ich den Vorschlag der Londoner Kanzlei zur Aufteilung des Erbes akzeptieren?
2.) Ist die Forderung des spanischen Bank zur Reaktivierung des Kontos in der genannten Höhe rechtmäßig?
3.) Kann die Forderung der spanischen Bank mit dem geerbten Kapital verrechnet werden?
4.) Der Kontostand bei der spanischen Bank weicht vom benannten Erbe ab. Steht mir der aktuell höhere Kontostand als Erbe zu?.
5.) Welche Erbschaftssteuer ist günstiger, die spanische oder die deutsche?
6.) ist die Wahlmöglichkeit bei der Erbschaftsteuer möglich?

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Antwort:

Ausgehend von ihrer Sachverhaltsschilderung ist leider anzunehmen, dass sie hier Betrügern aufgesessen sind. Ähnliche oder gleich lautende Erbschaftsversprechen gehen schon seit Jahren durch das Internet. Erbenermittlung und Erbschaftsfeststellung gehen in der Regel andere Wege, wie der von Ihnen geschilderte.

Soweit Sie aber glauben, tatsächlich Erbe des benannten Vermögens geworden zu sein, sind Sie, unabhängig von der Lage des Kontos – Spanien oder England - Rechtsnachfolger mit allen Rechten und Pflichten geworden.
Das bedeutet, so es das Konto tatsächlich gibt und Sie tatsächlich Erbe sind, Sie von der Bank auch die Auszahlung des vollen Betrages verlangen könnten. Wenn also der Umstand, dass Sie Erbe sein sollten, tatsächlich unstreitig wäre, können Sie sofort das Konto auflösen und über das Guthaben verfügen. Bankspesen in der benannten Höhe dürften keine anfallen. Die Bank dürfte diese auch nicht verlangen.
Keinesfalls müssten Sie sich mit der dem Aufteilungsplan der angeblichen Kanzlei in London zufrieden stellen. Wenn es so wäre, dass die Erbschaft unstreitig bestünde, könnten Sie mit dem Geld tun und lassen, was Sie wollten.
Hinzukommt, dass sie auch kein weiteres Geld für Bank oder Kanzlei ausgeben müssten.
Daher ist aber, nicht zuletzt, da diese Masche immer wieder versucht wird und ich selbst schon eine Vielzahl angeblicher Erbschaften gemacht haben soll, wenn ich den E-Mails Glauben geschenkt hätte, deren Summe so hoch ist, dass ich mit Sicherheit bis an mein Lebensende nicht mehr arbeiten müsste, leider davon auszugehen, dass wieder die benannte Anwaltskanzlei noch die benannte Bank etwas mit dem angeblich verstorbenen Verwandten etwas zu tun haben oder jemals zu tun hatten.

Selbst wenn es diese Bank tatsächlich geben würde, sind die benannten Zusammenhänge in sich nicht logisch und schlüssig, da professionelle Erbschaftsabwicklung einen völlig anderen Weg geht.
Ich empfehle Ihnen daher, den kompletten Vorgang und unverzüglich der Staatsanwaltschaft zur weiteren Überprüfung vorzulegen. Hierzu gehört insbesondere die gesamte Mail-Verkehr, wobei allerdings davon auszugehen ist, dass dieser über verschlüsselte Server gelaufen sein könnte. Ich hoffe für sie, dass der Geldtransfer nicht über Western Union oder einen vergleichbaren Diensteanbieter abgewickelt wurde, sondern fein säuberlich über ein Konto mit IBAN und BIC in der Europäischen Union. Ansonsten wären die bereits von Ihnen entrichteten Gebühren wohl auch verloren.

Ich bedaure, dass ich Ihnen keine allzu große Hoffnung auf das große Vermögen machen kann, hoffe aber, Sie vor weiteren erheblichen Vermögensschäden bewahrt zu haben.



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