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Erbverteilung bei leiblichen Kindern und neuer Ehefrau

Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Karl Heinz Lehmann
Stand: 15.09.2015

Frage:

Die Stiefmutter möchte das wir, die leiblichen Kinder, einen Erbschein beantragen und von der Erbschaft zurücktreten. Rahmen ist, das wir die Lebensversicherung des verstorbenen Vaters ausgezahlt bekommen haben und die neue Frau unseres Vaters nun Witwe ist und Witwenrente bezieht. Zudem haben Sie noch gemeinsame Konten und ein Gemeinsames Auto.

Sie hat schon den gemeinsamen Campingplatz ohne uns zu fragen verkauft und damit ein Darlehen abgelöst. Nun ist auf den Konten rund 2000 Euro und das Auto hatte neu einen Wert von 16000 Euro nun soll es von einer Versicherung komplett abgelöst werden, da mein Vater gestorben ist. Und das Auto müsste eigentlich geschätzt und dann 50% and seine Ehefrau uind 50% an uns bzw 25% da wir 2 leibliche Kinder sind.

Nun möchte Sie aber die Konten sowie das Auto für sich beanspruchen und meinte, dann müssen wir uns an den Bestattungskosten usw. nicht beteiligen. Nun ist meine Frage ob es richtig ist, dass wir uns beteiligen müssten obwohl sie das ganze Geld aus den Beileidsschreiben schon verwendet hat um die Kosten zu tilgen. Und was ist jetzt genau mein Grundrecht als leibliches Kind wenn der Vater kein Testament gemacht hat. 

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Antwort:

Was Ihre Stiefmutter von Ihnen verlangt, ist geradezu widersinnig; Sie sollen einerseits die Erteilung
eines Erbscheins beantragen, andererseits von der Erbschaft zurücktreten. Ich verstehe letzteres als
eine Aufforderung zum Verzicht auf den Nachlaß Ihres Vaters. Damit Sie die Rechtslage richtig be-
urteilen, möchte ich Ihnen vorab zum Erbrecht einige Angaben machen.


Hat Ihr Vater kein Testament hinterlassen, ist die gesetzliche Erbfolge eingetreten. Die gesetzliche
Erbfolge bestimmt die Abkömmlinge des Erblassers zu Erben erster Ordnung, § 1924 BGB. Der überlebende Ehegatte des Erblassers – vorliegend also Ihre Stiefmutter – ist neben Verwandten der ersten Ordnung zu einem Viertel als gesetzlicher Erbe berufen, § 1931 Abs. 1 BGB. Weiter bestimmt
§ 1371 Abs. 1 BGB, daß sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten um ein Viertel der Erbschaft erhöht, wenn der Güterstand durch den Tod eines Ehegatten beendet wird. Damit wird der Zugewinnausgleich erfüllt. Verstehe ich Ihre Darstellung in Ihrer Anfrage richtig, haben Sie noch ein Geschwister.


Hiervon ausgehend haben Sie und Ihr Geschwister Ihren Vater zur Hälfte beerbt, die Stiefmutter bekommt die andere Hälfte.


Was auch immer an Erbschaft vorhanden war, gehört der Erbengemeinschaft in ihrer Gesamtheit. Die Stiefmutter durfte niemals allein und eigenmächtig über den Anteil des Vaters am Campingplatz verfügen.

Sie durfte auch kein Darlehen – ohne die Zustimmung aller Miterben – ablösen. Sie war verpflichtet, ein Nachlaßverzeichnis zu erstellen und mußte hiernach mit Ihnen und Ihren Geschwistern beratschlagen und entscheiden, wie weiter verfahren werden soll. Um rechtswirksam über den Nachlass, insbesondere auch über Grundbesitz verfügen zu können, brauchen Sie einen Erbschein, der gleichsam der Ausweis für die Erben und ihre Erbberechtigung ist. Weshalb sollten Sie auf den Nachlass verzichten? Richtig ist, daß die Erben die Kosten der Beerdigung tragen, wie § 1968 BGB bestimmt. Diese Kosten sind jedoch überschaubar und sollten für Sie kein Anlaß sein, auf das Erbe zu verzichten.


Ob die Lebensversicherung überhaupt zum Nachlass gehört, müssen Sie noch prüfen lassen. Hat der Vater einen Bezugsberechtigten gegenüber der Versicherungsgesellschaft benannt, gehört dieser Persone oder diesen Personen die Versicherungssumme. Die Versicherungssumme fällt nur dann in den Nachlass, wenn der Vater seine Erben zu Bezugsberechtigten in der Versicherungspolice berufen hätte. Notfalls wollen Sie mir eine Copie des Versicherungsscheines per Mail zukommen lassen, damit ich Ihnen ergänzend mitteilen kann, was gilt.


Über die Einnahmen aus den Beileidsbriefen muß die Stiefmutter Auskunft erteilen; sie hätte darüber ohne Sie überhaupt nicht verfügen dürfen.



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