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Zugewinnansprüche bei der Scheidung


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Roland Hoheisel-Gruler
Stand: 27.03.2015

Frage:

Ich habe Frage betreffend Zugewinn:

Geschieden bin ich in 2013. Während der Ehe habe ich 2 Wohnungen in CZ (ich bin Tschechin) erworben.
Für die erste, in Prag, hatte ich schon vor der Ehe, sg. "Nutzungsrechte", diese berechtigten mich die Wohnung günstiger in Privateigentum zu kaufen für ca 500 EUR (=Restdarlehen der Wohngenossenschaft, deren Mitglied ich noch vor der Ehe war).

Die Wohnung kaufte ich in Privatbesitz während der Ehe. Den Betrag schenkten mir meine Eltern, Schenkungsurkunde habe ich. Diese Wohnung habe ich in 2014 verkauft, für ca 60.000 EUR, damit ich meinen Exmann aus unserem Haus in Deutschland auszahlen kann (wir sind beide 50/50 Eigentümer) und damit ich mit unserem kleinen Sohn dort wohnen bleiben kann.


Die zweite Wohnung in CZ war vor Anfang an für meine Eltern gedacht, meine Eltern beteiligten sich auch hier finanziell - ca 50% des Kaufpreises haben sie bezahlt, ich ca 32%. Kaufpreis ca 70.000 EUR. Für die Wohnung musste ein Bankdarlehen genommen werden. Meine Eltern waren schon damals Rentner, hätten kein Darlehen bekommen können, so habe ich Darlehen genommen und um das einfach zu halten, bin ich auch Eigentümerin geworden.

Die Wohnung ist seit 2007 vermietet, aus Vermietung wurde ua das Bankdarlehen auch abbezahlt - in 2010. In 2011 habe ich die Wohnung an meine Eltern geschenkt, im Grundbuch eingetragen war es am 05.01.12. Am 16.01.12 äusserte mein Exmann bei der Eheberatung seine Meinung, daß er sich scheiden lassen will.


Durch die Vermietung ist die Wohnung ziemlich "abbenutzt" - befindet sich in renovierungsbedürftigem Zustand.

 

Hat mein Exmann Anspruch auf Zugewinn und kann man abschätzen, wieviel?

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Antwort:

Hierzu kann ich Ihnen folgendes sagen:
Bei Scheidung wird der Zugewinn gem. § 1372 BGB nach den §§ 1373–1390 BGB ausgeglichen.
Zugewinn ist der Betrag, um den das Endvermögen eines Ehegatten das Anfangsvermögen übersteigt (§ 1373 BGB). Nach altem Recht konnte der Zugewinn keine negative Größe annehmen, betrug also mindestens Null (§ 1373 BGB »übersteigt«). Auch nach neuem Güterrecht geht die überwiegende Literatur davon aus, dass es keinen negativen Zugewinn gibt und damit Verluste eines Ehegatten nicht auszugleichen sind. So völlig unproblematisch ist dies allerdings nicht – Übersteigt der Zugewinn des einen Ehegatten den Zugewinn des anderen, so steht die Hälfte des Überschusses dem anderen Ehegatten als Ausgleichsforderung zu (§ 1378 Abs. 1 BGB). Die Ermittlung des Zugewinns eines jeden Ehegatten setzt also zunächst einmal voraus, dass für jeden Ehegatten Anfangs- und Endvermögen ermittelt werden.


Sodann ist festzustellen, wer von beiden den höheren Zugewinn erzielt hat; denn dieser Ehegatte ist dem anderen mit der Hälfte seines Überschusses ausgleichspflichtig. Allerdings ist die Höhe der Ausgleichsforderung durch den Wert des Vermögens des ausgleichspflichtigen Ehegatten begrenzt, das nach Abzug der Verbindlichkeiten bei Beendigung des Güterstandes (= Rechtskraft des eheauflösenden Beschlusses) vorhanden ist, § 1378 Abs. 2 Satz 1 BGB; allerdings erhöht sich die Ausgleichsforderung im Falle illoyaler Vermögensminderung nach § 1375 Abs. 2 BGB um den dem Endvermögen hinzurechnenden Betrag, § 1378 Abs. 2 Satz 2 BGB.

Anfangsvermögen ist nach der Legaldefinition des § 1374 Abs. 1 BGB das Vermögen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten, die nach Abs. 3 über die Höhe des Vermögens hinaus abzuziehen sind, beim Eintritt des Güterstands (d.h. im Regelfall bei Eheschließung) gehört, wenn die Ehegatten nicht durch Ehevertrag etwas anderes vereinbart haben (s. § 1363 Abs. 1 BGB). Das Anfangsvermögen umfasst alle dem Ehegatten am Stichtag zustehenden rechtlich geschützten Positionen von wirtschaftlichen Wert, d.h. also neben den einem Ehegatten gehörenden Sachen alle ihm zustehenden objektiv bewertbaren Rechte, die beim Eintritt des Güterstands bereits entstanden sind.


Zu denken ist insbesondere an Bargeld, Wertpapiere, Bausparguthaben, Darlehensforderungen, bebaute und unbebaute Grundstücke, Schmuck, Kraftfahrzeuge. Zum Anfangsvermögen zählt auch der nach § 1374 Abs. 2 BGB privilegierte Erwerb.


Demgegenüber gehören nicht zum Anfangsvermögen noch in der Entwicklung begriffene Rechte, die noch nicht zur Anwartschaft erstarkt sind und bloße Erwerbsaussichten.

Endvermögen ist das Vermögen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten bei der Beendigung des Güterstands (= durch Tod eines der Ehegatten oder durch rechtskräftigen Eheauflösungsbeschluss) gehört, § 1375 Abs. 1 Satz 1 BGB. Dem Zugewinnausgleich unterliegen damit auch Wertsteigerungen, wenn sich eine Position sowohl im Anfangs- als auch im Endvermögen findet.
64

Die Vorverlegung des Berechnungsstichtags nach § 1384 BGB a.F. für das Endvermögen auf die Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags ließ den Zeitpunkt für die Beendigung des Güterstands unberührt. Nunmehr bestimmt § 1384 BGB n.F., dass im Fall der Scheidung für die Berechnung des Zugewinns und für die Höhe der Ausgleichsforderung an die Stelle der Beendigung des Güterstandes der Zeitpunkt der Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags tritt.
Mit der Neuregelung soll erreicht werden, dass sich die Ausgleichsforderung des berechtigten Ehegatten nicht nach dem bei Rechtskraft des Scheidungsbeschlusses, sondern nach dem bei Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags vorhandenen Vermögensbestand richtet. Vermögensänderungen nach Zustellung des Scheidungsantrags können daher die Höhe des Anspruchs nicht mehr beeinflussen. Dadurch wird die Rechtsposition des von einer illoyalen Vermögensminderung betroffenen Ehegatten gestärkt.

Die Berechnung eines möglichen Zugewinnausgleichsanspruchs setzt demnach drei Schritte voraus:

(1)

Berechnung des Zugewinns eines jeden Ehegatten durch Abzug des indexierten Anfangsvermögens vom Endvermögen.
(2)

Berechnung des Zugewinnüberschusses des Ausgleichsverpflichteten, indem der geringere Zugewinn vom größeren Zugewinn abgezogen wird.
(3)

Die Hälfte des Zugewinnüberschusses steht dem Ausgleichsberechtigten als Ausgleichsforderung zu.

Ausgehend von Ihren Angaben in der Sachverhaltsschilderung kommt es nun zunächst darauf an, wie Ihr Anfangsvermögen aussieht.
Sie haben mitgeteilt, dass Sie die beiden Wohnungen, die in Ihrem Vermögen stehen, während der Ehezeit erworben haben.
Wie gezeigt, fallen reine Anwartschaftsrechte nicht unter den Begriff des Anfangsvermögens. Allein die Aussicht auf eine verbilligte Wohnung reicht nicht aus.
Hingegen können Ihre Genossenschaftsanteile durchaus von Wert sein. Dieser wäre dann entsprechend den obigen Ausführungen in die Berechnung einzustellen.
Im zweiten Schritt wäre dann der so genannte privillegierte Erwerb zu prüfen. Wie gezeigt, wird dieser dem Anfangsvermögen hinzugerechnet.

Die ausschließliche Anwendung der bewusst schematisierenden Zugewinnausgleichsregelung mit der Gegenüberstellung des jeweiligen Anfangs- und Endvermögens und der sich daraus ergebenden Ausgleichsforderung würde in Einzelfällen zu Ungerechtigkeiten führen, wenn nicht das Gesetz in §§ 1374 Abs. 2, 1375 Abs. 2 Satz 1 und § 1380 BGB »Anrechnungslösungen« vorsehen würde.

Vermögen, das ein Ehegatte nach Eintritt des Güterstands von Todes wegen oder mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht, durch Schenkung oder als Ausstattung erwirbt, wird nach § 1374 Abs. 2 BGB nach Abzug der Verbindlichkeiten dem Anfangsvermögen hinzugerechnet, soweit es nicht den Umständen nach zu den Einkünften zählt.


All diese Fälle sind dadurch gekennzeichnet, dass der Vermögenserwerb typischerweise auf persönlichen Beziehungen des erwerbenden Ehegatten zum Zuwendenden oder auf ähnlichen besonderen Umständen beruht.


Zweck der Vorschrift ist es, einen Vermögenserwerb aus dem Zugewinn auszuklammern, der mit dem Grundgedanken des Zugewinnausgleichs nicht mehr übereinstimmt: Durch den Zugewinnausgleich soll sichergestellt werden, dass beide Ehegatten an dem, was sie während der Ehe erworben haben, je zur Hälfte beteiligt werden.


Durch die Anordnung der Zurechnung zum Anfangsvermögen nach Abzug der Verbindlichkeiten bezogen auf den Zeitpunkt des Erwerbs ist sichergestellt, dass nur die Substanz des Erwerbs dem Zugewinn entzogen wird. Nachträgliche Wertänderungen der privilegiert erworbenen Gegenstände bleiben jedoch ausgleichsrelevant.


Die für den zugewinnneutralen Erwerb getroffene Regelung ist abschließend. Eine analoge Anwendung auf Sachverhalte, bei denen es an einer gemeinsamen Lebensleistung der Ehegatten fehlt, scheidet somit aus.


Bei Erwerbsvorgängen, die in keiner Weise auf einer gemeinsamen Lebensleistung die Ehegatten beruhen und zumal nach der Trennung eintreten, sondern die nur mit dem persönlichen Lebensschicksal eines Ehegatten verbunden sind, schlägt die Literatur gleichwohl eine Analogie vor.
Die Vorschrift findet also keine Anwendung auf ehebedingte Zuwendungen, Schenkungen unter Ehegatten, Restitutionsansprüche, Zahlung eines Schmerzensgelds, Lottogewinne, Unfallabfindung, Abfindungen für Schadenersatzrente, Renten und Abfindungen nach dem BEG.
Eine ausdehnende Anwendung liegt allerdings nicht in der Einbeziehung solcher Erwerbstatbestände, deren Zuordnung zu einem der in § 1374 Abs. 2 BGB aufgeführten Fälle sich aus einer am Sinn der gesetzlichen Regelung orientierten Auslegung ihrer Tatbestandsmerkmale besteht.
Keine dem Anfangsvermögen nach § 1374 Abs. 2 BGB zuzurechnende Zuwendung eines Dritten liegt vor – weil nach der Zielsetzung des Zugewinnausgleichs grundsätzlich nur ein Vermögenszuwachs ausgeglichen werden soll –, wenn die Zuwendung zu den »Einkünften« zählt.
Einkünfte sind einmalige oder regelmäßige Zuwendungen, die nicht zur Vermögensbildung, sondern zum laufenden Verbrauch bestimmt sind. Da regelmäßig die Beteiligten der Zuwendung keine ausdrückliche Erklärung dabei abgeben, sind sämtliche Umstände darzulegen. Die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass es sich bei der Zuwendung um privilegierten Erwerb handelt, trägt derjenige, der die Zuwendung als Anfangsvermögen einstellen will. Das gilt auch für die Nichzurechnung zu den Einkünften. Geht es um eine Schenkung, sollte man es rein vorsorglich nicht bei der bloßen Rechtsbehauptung belassen, sondern mit Blick auf die Rechtsprechung des OLG Celle tatsächliche Ausführungen zur Unentgeltlichkeit machen. Nach ständiger Rechtsprechung des BGH ist ein Sachvortrag bereits dann schlüssig und damit erheblich, wenn er Tatsachen beinhaltet, die in Verbindung mit einem Rechtssatz geeignet sind, das geltend gemachte Recht oder die geltend gemachte Verbindlichkeit als entstanden erscheinen zu lassen. Die Angabe näherer Einzelheiten, die den Zeitpunkt und Ablauf bestimmter Ereignisse betreffen, ist nicht erforderlich, soweit diese Einzelheiten für die Rechtslage nicht von Bedeutung sind.

Einkünfte sind:

  • Zuwendungen für den Haushalt und andere laufende Lebensbedürfnisse, z.B. für einen Umzug oder für die Miete,
  • Zuwendungen für den Kauf eines Pkw, um damit den Arbeitsplatz zu erreichen,
  • kostenlose Überlassung einer Wohnung,
  • Zuwendungen, die für den laufenden Lebensbedarf gedacht waren, aber nicht verbraucht sondern angespart worden sind (die Summe ist ggf. in das Endvermögen einzustellen).

Nicht zu den Einkünften zählen:

  • Zuschuss zur Finanzierung eines Eigenheims
  • Zahlungen aus dem Sparvermögen eines Elternteils, welche die Eheleute für den Ankauf von Baumaterial für ein Haus verwenden
  • Überlassen eines Bausparvertrags zum Erwerb oder Ausbau einer Wohnung.

Privilegierter Erwerb liegt vor, wenn die Zuwendung unabhängig von einem konkreten Bedarf erfolgt. Bescheidene finanzielle Verhältnisse des Empfängers sprechen bei laufenden Zahlungen dafür, dass eine Unterstützung der allgemeinen Lebensführung und nicht eine Vermögensbildung gegeben ist.

Der Erwerb mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht liegt vor, wenn Eltern ihrem Kind im Wege der vorweggenommenen Erbfolge Bargeld zur Verfügung stellen. Er wird nicht dadurch in Frage gestellt, dass der Ehegatte Gegenleistungen übernimmt, wie z.B. Erbverzicht oder Ausgleichszahlungen an erbberechtigte Geschwister. Selbst der Abschluss eines Kaufvertrags kann einem Erwerb mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht nicht entgegenstehen, wenn dem Käufer im Hinblick auf seine persönliche Stellung als künftiger Erbe besondere Vorteile eingeräumt worden sind. Hat sich der erwerbende Ehegatte im Zusammenhang mit der Zuwendung zur Zahlung einer Leibrente verpflichtet, ist das Leibrentenversprechen bei der Ermittlung des Anfangs- und, wenn die Leibrentenpflicht fortbesteht, auch beim Endvermögen mit seinen jeweiligen Wert mindernd zu berücksichtigen. Auf die Frage, ob das Leibrentenversprechen dinglich gesichert ist, kommt es nicht an.


Unentgeltliche Zuwendungen unter Ehegatten unterfallen auch dann nicht dem § 1374 Abs. 2 BGB, wenn sie mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht erfolgen.

Schenkung i.S.d. § 1374 Abs. 2 BGB ist die des § 516 Abs. 1 BGB. Im Fall gemischter Schenkung kann auch nur der unentgeltliche Teil des Rechtsgeschäfts als privilegierter Erwerb behandelt werden. Eine Grundschuld, die im Zeitpunkt der schenkweisen Übertragung des Hausgrundstücks zwar eingetragen, jedoch noch nicht valutiert war, ist nicht beim Anfangsvermögen zu berücksichtigen. Arbeits- und Dienstleistungen, z.B. beim Bau eines Hauses, können daher regelmäßig ebenso wenig wie Gebrauchsüberlassungen als Zuwendungen in diesem Sinne angesehen werden, weil sie keine Vermögenseinbuße bewirken.
Allerdings kann Gegenstand der Schenkung die ersparte Vergütung sein, die für derartige Leistungen üblicherweise gezahlt wird.

Eine Zuwendung der Eltern an das Kind wie an das Schwiegerkind sind Schenkungen, die unter § 1374 Abs. 2 BGB fallen. Insbesondere bei der Einzahlung auf ein Gemeinschaftskonto ist genau anzugeben, wer Empfänger sein soll; denn es besteht keine Vermutung dafür, dass nur dem eigenen Kind die Zuwendung gelten soll.

Für Schenkungen eines Ehegatten an den anderen ist § 1374 Abs. 2 BGB trotz des insoweit nicht eingeschränkten Wortlauts nicht anwendbar, d.h. § 1374 Abs. 2 BGB gilt nur für Schenkungen Dritter. Schenkungen eines Ehegatten an den anderen sind daher nicht dem Anfangsvermögen des Beschenkten hinzuzurechnen. Andernfalls würde der gegenteilige Effekt einer Benachteiligung des Schenkenden im Scheidungsfall entstehen, wie ein Vergleich der Fälle, in denen der Beschenkte Ausgleichsberechtigter ist, mit den Fällen, in denen er Ausgleichspflichtiger ist, zeigt.

Einkünfte i.S.d. § 1374 Abs. 2 BGB vergrößern nicht das Anfangsvermögen, sondern werden, soweit nicht verbraucht, Zugewinn. Bei der Beurteilung, ob eine Zuwendung den Einkünften i.S.d. § 1374 Abs. 2 BGB zuzurechnen ist, muss im Einzelfall geprüft werden, ob die Zuwendung der Deckung des laufenden Lebensbedarfs dienen oder die Vermögensbildung fördern soll, wobei Anlass der Zuwendung, Willenssicherung des Schenkers und die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschenkten zu prüfen sind. Es kann sich sowohl um einmalige, wie z.B. die Finanzierung eines Erholungsurlaubs oder einer Studienreise, als auch um regelmäßige Leistungen handeln.

Der Wegfall des früheren zweiten Halbsatzes in § 1374 Abs. 1 BGB n.F. führt nach neuer Rechtslage dazu, dass die Berücksichtigung eines negativen Anfangsvermögens auch für den privilegierten Erwerb nach § 1374 Abs. 2 BGB gilt. Durch diese Privilegierung werden solche Vermögensbestandteile einer Ausgleichspflicht entzogen, die in keinem Zusammenhang mit der ehelichen Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft stehen. Dieses Vermögen wird in der Regel positiv sein, der betroffene Ehegatte darf es also vollständig behalten und muss es nicht bei Ende des Güterstands ausgleichen. Die Neuregelung des § 1374 Abs. 3 BGB will auch erreichen, dass der Erwerb negativen privilegierten Vermögens ebenfalls der Ausgleichspflicht entzogen bleibt.

Das bedeutet für Sie, dass das Geld Ihrer Eltern, für das Sie eine Schenkungsurkunde besitzen, unzweifelhaft dem Anfangsvermögen hinzuzurechnen ist.
Problematischer ist dies bei der Immobilie, die für Ihre Eltern gedacht war und wo diese sich an der Finanzierung beteiligt hatten.
Hier kann durchaus argumentiert werden, dass es ein Zuschuss in Ihr Anfangsvermögen war.
Damit hätten wir auch hier eine Zurechnung.

Weiter wäre dann das Endvermögen zu behandeln.
Hier gilt:
Die Neuregelung belässt es zunächst beim schon bisher geltenden Abs. 1 Satz 1: Endvermögen ist das Vermögen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten bei der Beendigung des Güterstands gehört. So fallen als Aktivposten z.B. vor dem Endstichtag entstandene Steuererstattungsansprüche in das Endvermögen, während Unterhaltsrückstände als Passivposten im Endvermögen des Unterhaltsschuldners anzusetzen sind.1 Satz 2 ist als Folgeregelung zur Einführung des negativen Anfangsvermögens abweichend wie folgt gefasst: »Verbindlichkeiten sind über die Höhe des Vermögens hinaus abzuziehen«. Damit werden die Fälle erfasst, in denen ein bei Eheschließung verschuldete Ehegatte wirtschaftlich einen Zugewinn erzielt, obwohl er nach wie vor Schulden hat. Die Berechnung des Zugewinns aber auch in diesen Fällen Bedeutung, weil dadurch ggf. ein Ausgleichsanspruch gegen den anderen Ehegatten entfallen kann.
Damit fällt nur eine Wohnung in CZ in das Endvermögen, die andere Wohnung war schon 2012 – und damit vermutlich auch vor Zustellung des Scheidungsantrages an die Eltern verschenkt worden.
Die Kreditverbindlichkeiten, die während der Ehe aufgenommen worden sind, spielen nur insofern eine Rolle, als wie sie am Ende der Ehezeit noch vorhanden waren.

Allerdings wäre dann zu prüfen, ob hier nicht eine Zurechnung wegen der Schenkung erfolgen müsste.
Dem Endvermögen eines Ehegatten wird nach § 1375 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1–3 BGB zum Schutz vor illoyalen Vermögensminderungen der Betrag hinzugerechnet, um den dieses Vermögen dadurch vermindert ist, dass ein Ehegatte nach Eintritt des Güterstands

(1)

unentgeltliche Zuwendungen gemacht hat, durch die er nicht einer sittlichen Pflicht oder einer auf den Anstand zu nehmenden Rücksicht entsprochen hat,
(2)

Vermögen verschwendet hat oder
(3)

Handlungen in der Absicht vorgenommen hat, den anderen Ehegatten zu benachteiligen.

Bei Ihnen käme die Nummer 1 in Betracht, da eine Schenkung einer Wohnung an die Eltern weder einer sittlichen Pflicht noch einer auf den Anstand zu berücksichtigen Tatsache entspricht.

Der Betrag der Vermögensminderung wird dem Endvermögen allerdings nicht hinzugerechnet, wenn die Vermögensminderung mindestens zehn Jahre vor Beendigung des Güterstands eingetreten ist oder wenn der andere Ehegatte mit der unentgeltlichen Zuwendung oder der Verschwendung einverstanden gewesen ist (§ 1375 Abs. 3 BGB). Darlegungs- und beweisbelastet ist der Ehegatte, der sein Vermögen gemindert hat.
Wer sich auf illoyale Vermögensminderung des anderen Ehegatten beruft ist darlegungs- und beweisbelastet. An die erforderliche Darlegung der Benachteiligungsabsicht sind keine allzu hohen Anforderungen zu stellen. Nach dem neu in das Gesetz aufgenommenen Abs. 2 Satz 2 hat der Ehegatte, dessen Endvermögen geringer ist als das Vermögen, das er in der Auskunft zum Trennungszeitpunkt angegeben hat, darzulegen und zu beweisen, dass die Vermögensminderung nicht auf Handlungen i.S.d. Abs. 2 Satz 1 Nr. 1–3 zurückzuführen ist. Diese Beweislastregel, die an die tatsächlichen Angaben die Ehegatten angeknüpft, ergänzt den Schutz vor illoyalen Vermögensverschiebungen. Kann der in Anspruch genommene Ehegatte den Verbleib nicht erklären und beweisen, gilt der Vortrag des Gegners als zugestanden, § 138 Abs. 3 ZPO. Sie erfasst nicht Fallgestaltungen, bei denen die Auskunft vom anderen Ehegatten lediglich als unvollständig oder unwahr beanstandet wird.

Nur wenn Auskunft zum Trennungszeit verlangt wurde, greift die Beweislastumkehr. Kann der Trennungszeitpunkt nicht genau festgestellt werden, ist der Auskunftsanspruch abzuweisen; die Beweislastumkehr greift nicht.
Dies ist aber auch interessengerecht, wenn die Zuwendungen der Eltern beim Kauf der Wohnung beim Anfangsvermögen berücksichtigt werden, muss auch der Wert der Schenkung Berücksichtigung finden.
Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der Zugewinnausgleichsanspruch nach obigem Schema berechnet werden muss. Hier müssen alle Vermögensmassen beider Ehegatten sowohl zum Anfang wie zum Ehezeitende einander gegenüber gestellt werden.
Aus Ihren bisherigen Angaben kann daher noch nicht gesagt werden, ob und wieviel Zugewinn im Ergebnis dann herauskommen wird.
Idealerweise hätten Sie den Zugewinn bei der Übernahme des Familienheimes mit berechnen können oder sollen, dann wäre die Finanzierung nur einmal zu stemmen gewesen.



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