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Finanzielle Konsequenzen für freiberuflichen Lehrer mit Anstellung als Kirchenmusiker

Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Hanno Hoffmann
Stand: 18.06.2014

Frage:

Meine persönliche Situation momentan: Alter 52 Jahre, alleinstehend
berufliche Tätigkeit: angestellter C-Kirchenmusiker zu 35 % (Gesamtbrutto: 1052,62 Euro)
freiberuflicher Klavierlehrer (privat und Honorarkraft)
über meine Festanstellung bin ich sozialversichert.
bei der Künstlersozialkasse bezahle ich Rentenversicherungsbeiträge.

Ich beabsichtige freiberuflich in den DaF-Bereich (Deutsch als Fremdsprache unterrichten) einzusteigen, evtl. die Kirchenmusik etwas zu reduzieren.

Welche Konsequenzen ergeben sich hiermit für mich? Sozialversicherungsmäßig?

Angenommen meine Anstellung würde nur noch 20 % oder weniger betragen, wäre ich wahrscheinlich voll über meine freiberuflichen Tätigkeiten sozialversicherungspflichtig.
Kann ich mich dann in der KSK krankenversichern? Brauche ich eine private oder freiwillig KV.

Wie sieht es mit der Umsatzsteuer aus? Momentan ist mein Status Kleinunternehmer. Da aber KV-Beiträge sehr hoch sind müsste ich schauen mehr zu verdienen. Gäbe es die Möglichkeit sich ganz von der Umsatzsteuer befreien zu lassen?
Meine freiberufl. Nettoeinkünfte lagen 2013 bei 9.116 Eur. Um den Dreh würde es auch in Zukunft bleiben. Was könnte ich DaF- Bereich hinzuverdienen, ohne finanzielle Nachteile zu haben?
Momentan habe ich ca. €1500 zur Verfügung. Es sollte in Zukunft aber nicht niedriger sondern eher höher sein.
einige Beispielrechnungen wären sicherlich hilfreich.

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Antwort:

1. Welche Konsequenzen ergeben sich hiermit für mich? Sozialversicherungsmäßig?

Selbstständige "Lehrer und Erzieher" sind grundsätzlich rentenversicherungspflichtig - und zwar völlig unabhängig davon, in welcher Rechtsform sie tätig sind. Sie müssen diese Tätigkeit also Ihrer Rentenversicherung melden.

Eine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entsteht normalerweise nur dann, wenn Sie früher schon einmal Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse waren, zurzeit aber keinen privaten oder gesetzlichen Versicherungsschutz nachweisen können! Erst ab 2009 werden ausnahmslos alle Selbständigen ohne Krankenversicherungsschutz Zwangsmitglieder in der GKV. Die Pflegeversicherung folgt dabei grundsätzlich der Krankenversicherung.

Wie sieht es mit der Umsatzsteuer aus?

Die Frage der Umsatzsteuer kann nicht abschließend geklärt werden. Unter Umständen besteht eine Befreiungsmöglichkeit von der Umsatzsteuer. Selbstständige Lehrer als Honorarkräfte einer Bildungseinrichtung sind von der Umsatzsteuer befreit, wenn sie:

an Hochschulen im Sinne der §§ 1 und 70 Hochschulrahmengesetz oder öffentlichen allgemeinbildenden oder berufsbildenden Einrichtungen Unterrichtsleistungen erbringen (vgl. § 4 Nr.21b, aa UStG) oder
die Bescheinigung der umsatzsteuerbefreiten Schule im Sinne des § 4 Nr.21a, bb UStG, an der die Unterrichtsleistungen erbracht werden, vorlegen.

Wenn also Ihre Schule von der Umsatzsteuer befreit ist, sind auch Sie von der Umsatzsteuer befreit.

Ansonsten gilt: Bei Neugründung muss gegenüber dem Finanzamt der voraussichtliche Gesamtumsatz realistisch geschätzt werden. Im Gründungsjahr ist allein auf den voraussichtlichen Gesamtumsatz des laufenden Kalenderjahres abzustellen, der inklusive Umsatzsteuer 17.500 Euro nicht übersteigen darf. Da Sie Hier Ihr Geschäft teilweise umstellen - Hinzunahme Deutschunterricht – liegt ansonsten eine Neugründung vor, was zur Umsatzsteuerpflicht führt, wenn Sie mehr als 17.500 € einnehmen.

Eine Unterrichtsleistung als Honorarkraft im Sinne der vorbenannten Vorschrift liegt vor, wenn der selbständige Lehrer an einer Bildungseinrichtung Kenntnisse im Rahmen festliegender Lehrprogramme und Lehrpläne vermittelt.

Kann ich mich dann in der KSK krankenversichern?

Eine Versicherungspflicht in der Künstlersozialkasse ist nicht möglich.

Nach § 1 KSVG ist Voraussetzung für die Versicherungspflicht, dass eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausgeübt wird. Im Einzelnen müssen folgende Merkmale vorliegen. Der Betroffene
• muss Künstler oder Publizist sein
• selbständig erwerbstätig sein, und zwar nicht nur vorübergehend
• im Wesentlichen im Inland tätig sein.
Nicht versichert ist in der Regel, wer
• wie ein Unternehmer mehr als einen Arbeitnehmer beschäftigt
• gewisse Mindestverdienstgrenzen nicht erreicht
• zu den versicherungsfreien Personen nach §§ 4 und 5 KSVG gehört.

Die künstlerische oder publizistische Tätigkeit muss selbständig und erwerbsmäßig ausgeübt werden. Erwerbsmäßig ist jede nachhaltige, auf Dauer angelegte Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen. Sie arbeiten jedoch nicht als Künstler selbstständig sondern als Lehrer, somit scheidet eine Versicherung in der KSK aus.
Sie sollten sich in diesem Fall freiwillig in Ihrer bisherigen Krankenversicherung weiterversichern. Wenn Sie zwei Jobs ausüben, ist es nämlich immer wichtig zu definieren, welches Ihre Hauptbeschäftigung und welches Ihre Nebentätigkeit ist. Solange Sie mit Ihrer hauptberuflichen Tätigkeit Ihren Lebensunterhalt bestreiten und sich in Ihrem Nebenjob nur etwas hinzuverdienen, müssen Sie sich keine Gedanken um Ihre Krankenversicherung machen. Bei Ihnen sollen sich aber die Verhältnisse umkehren, so daß eine freiwillige Versicherung in Ihrer Krankenversicherung notwendig wird. Sie können sich aber auch privat versichern lassen. Allerdings wird dies im Alter von 52 Jahren auch teuer. Sollten Sie Vorerkrankungen haben, wird es schwierig. Im Hinblick auf eine spätere Rente und dann der Versicherung in der Krankenversicherung der Rentner sollten Sie in Ihrem Alter nicht mehr wechseln.
Was könnte ich DaF- Bereich hinzuverdienen, ohne finanzielle Nachteile zu haben?
Wenn sie Ihren Status behalten wollen können Sie die Differenz zwischen 17.500 € und 9.116 € hinzuverdienen, dann bleiben Sie Kleinunternehmer. Das Problem bei Ihnen ist, daß Sie so ein geringes Brutto haben, denn auch als Kleinunternehmer müssen Sie sich freiwillig in der KV versichern, wenn Ihr Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit Ihrem jetzigen Jahresbruttoverdienst als Angestellter übersteigt.
Ein Hinzuverdienst im Rahmen als Kleinunternehmer kann Ihnen daher keine wirtschaftlichen Vorteile bringen. Erst wenn Ihr Umsatz als Lehrer ca. 3.000 € netto erreicht, können sie von einer Verbesserung der Situation ausgehen. Davon gehen dann noch ca. 38% Rentenversicherung und Krankenversicherung ab zzgl. Steuern so daß in etwa Ihr jetziges Netto von etwa 1.500 € überschritten wird.



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