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Haftet Rechtsanwalt für hohe Kosten durch Gutachter?

Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Hanno Hoffmann
Stand: 25.11.2013

Frage:

Am 11.12.2012 sollte ich in meine Neubau Eigentumswohnung einziehen, es wurde jedoch Februar 2013. Die Baufirma hat mehrere Vertragspunkte nicht eingehalten sodass ich mir aufgrund dessen einen Anwalt genommen habe. Dieser empfahl mir einen Privaten Sachverständigen einzuschalten. Ich fragte nach den Kosten und mein Anwalt teilte mir mit es würden nicht mehr als 350,00 € dabei herauskommen. Daraufhin willigte ich ein das der Sachverständige die Mängel anschaut. Dann kam die Rechnung des Sachverständigen von 1850,00 €. Das teilte ich meinem Anwalt mit und dieser bat den Sachverständigen daraufhin, dass dieser nochmals seine Rechnung überprüfen möge. Der Sachverständige teilte mit, dass seine Rechnung korrekt sei. Mein Anwalt schrieb mir, dass er den Sachverständigen gut kenne und das sich seine Rechnungen bisher immer in dem Rahmen zwischen 350,00 bis 500,00 und 600,00 € beliefen. 500,00 - 600,00 € sind aber auch nicht 1850,00 € sondern das Dreifache! Mein Anwalt sieht seinen Fehler der Fehlinformation nicht ein. Ich bekam einen "Kostenvoranschlag" aus dem lediglich hervorging dass der Sachverständige pro Stunde 95,00 € nimmt und 0,048 € Kilometergeld.(ca 30 km) Und dann stand da noch: Besonderheiten werden vor Ort erfasst. Der Sachverständige war 2,5 Std. vor Ort und ich als Laie konnte diese horrende Summe nicht ersehen außerdem habe ich mich auf die Aussage meines Anwalts verlassen.

Meine Frage, was kann ich tun? Ist mein Anwalt nicht gegen solche Fehler versichert? Muss ich wirklich diese hohe Rechnung zahlen? Wie soll ich mich verhalten? Habe meinem Anwalt mehrmals gesagt dass ich diese hohe Rechnung nicht zahle. Er geht darauf nicht ein. Ich habe einen Zahlungsaufschub bis Ende November vom Sachverständigen erhalten.

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Antwort:

Es gibt hier insgesamt 3 Rechtsverhältnisse die rechtlich relevant sind. Zunächst Ihr Auftrag an den Gutachter:

Bei Ihnen ist ein häufiges Problem der Praxis aufgetreten, nämlich dass der Unternehmer seine Rechnung präsentiert und man vorher keinen genauen Preis abgesprochen hat. Dies kann aus verschiedenen Gründen zu Verstimmungen zwischen den Vertragsparteien führen.
Dies führt dann dazu, dass nach dem Gesetz die übliche Vergütung geschuldet wird. Diese zu bestimmen ist naturgemäß recht schwierig. Da ich den Umfang des Gutachtens nicht kenne, kann ich daher zur Rechnung selbst nicht Stellung nehmen. Ich kenne aber andere Baugutachten zu Mängeln. Der von Ihnen genannte Betrag liegt dabei im unteren bis mittleren Bereich der üblicherweise entstehenden Kosten. Ich empfehle Ihnen daher die Rechnung zu bezahlen. Ein Prozess gegen den Gutachter erscheint in der Honorarfrage aussichtslos.

Das zweite Rechtsverhältnis besteht zu Ihrem Anwalt. Vorab jeder Anwalt muss eine Vermögenshaftpflichtversicherung haben. Ohne eine solche Versicherung wird er gar nicht zur Anwaltschaft zugelassen. Macht ein Anwalt einen Fehler, dann tritt diese Haftpflichtversicherung ein. Ob durch die Nennung eines zu geringen Preises ein Fehler vorliegt, dürfte im Prozess schwierig zu beweisen sein. Insbesondere hier, da ein Dritter für die Gutachterkosten haftet. Dies ist nämlich der Bauträger, was uns zum dritten relevanten Rechtsverhältnis führt.

Bei baurechtlichen Streitigkeiten wird oft bei dem Verdacht von Bau-Mängeln (z.B. Feuchtigkeit im Mauerwerk, Risse im Putz, mangelnder Schallschutz etc.) durch den Bauherren (z.B. den Hauskäufer bzw. den Käufer einer Wohnung bzw. eine Wohnungseigentümergemeinschaft oder durch deren Verwalter) ein Sachverständiger beauftragt, ein Gutachten über die seiner Ansicht nach vorliegenden Baumängel zu erstellen. Erfolgt die Beauftragung ohne ausdrückliches Einverständnis der Gegenseite (z.B. des Bauträgers/Bauunternehmers) hat das Gutachter-Ergebnis in einem späteren Rechtsstreit vor Gericht nicht die selbe Beweiskraft wie das Gutachten eines gerichtlich beauftragten Sachverständigen (bloßes „Privat-Gutachten").

Dennoch kann die Beauftragung eines „Privat-Gutachters" sehr sinnvoll sein, um für einen späteren Rechtsstreit eine verlässliche Grundlage für die behaupteten Baumängel zu haben. Die Kosten des „privat" (also außergerichtlich) beauftragten Sachverständigen sind dabei nicht verloren. Vielmehr können diese als Schadensersatz („Mangelfolgeschaden") verlangt werden. Das hat das OLG Frankfurt vor kurzem - im Einklang mit der früheren Rechtsprechung anderer Gerichte - bestätigt (Az.: 26 U 19/08).

Der Bauträger/Bauunternehmer muss also die Gutachter-Kosten des privat beauftragten Sachverständigen ersetzen. Denn zu den erforderlichen Aufwendungen für die Beseitigung von (Bau-)Mängeln gehören nach der Rechtsprechung auch alle Aufwendungen, die zur Auffindung der Schadensursache notwendig sind. Ferner gehören hierzu neben den Sachverständigenkosten insbesondere auch das Honorar des Architekten, der die Bauleitung bei der Mängelbeseitigung überwacht.

Es spielt übrigens keine Rolle, wenn sich in einem späteren Rechtsstreit heraus stellt, dass die Feststellungen des „privat" beauftragten Sachverständigen (zum Teil) falsch sind. Der Höhe nach sind die Kosten des Sachverständigen bis zu ca. € 120 pro Stunde zu ersetzen. Dabei spielt es kleine Rolle, dass gerichtlich bestellte Sachverständige i.d.R. nur € 90-95 pro Stunde bekommen (da die gesetzlichen Vorgaben für gerichtliche Sachverständige nach dem sog. JVEG nicht zwingend sind). Zulässig ist eine Abweichung gegenüber den Stundensätzen eines gerichtlich bestellten Sachverständigen von bis zu ca. 25%.

Also erst wenn von dem Bauunternehmer kein Ersatz zu erlangen ist, haftet vielleicht der Anwalt.



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