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Formnichtigkeit von zweitem Testament?

Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Hanno Hoffmann
Stand: 16.01.2013

Frage:

Am 1.1.13 ist eine mir sehr nahestehende PErson (90 Jahre) gestorben. Wir sind nicht verwandt od. ähnliches. Sie hat ein Testament gemacht, in dem ich, meine Schwester und ein Nichte zu ihren Alleinerben bestimmt werden. Das Testament wurde im Januar 2011 von ihr und den drei Erbinnen unterschrieben. Allerdings hat die Verstorbene das Testament nicht selber geschrieben, so dass wir jetzt davon ausgehen, dass ich und meine Schwester aus der Erbfolge ausgeschlossen werden.
Das Testament konnte die Verstorbene nicht selbst schreiben, da sie vor 4,5 Jahren einen Herzinfarkt hatte und sehr zittrige Hände. Geistig war sie nicht beeinträchtigt und hat sich bis zum Schluss um alles selbst gekümmert.


Es liegt noch ein älteres handgeschriebenes aber durchgerissenes Testament vor (ca. vor 20 Jahren geschrieben), in dem meine Schwester und ich und drei weitere Erbinnen (Nichten) benannt werden.

Gibt es eine Möglichkeit, das ihr letzter Wille eingehalten wird? Ansonsten würden Personen erben, die die Verstorbene ausdrücklich nicht bedenken wollte.

Die Erbmasse beträgt ca. 15000 Euro. Uns geht es vor allem darum, dass der letzte Wille respektiert wird.

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Antwort:

Die Chancen, dass der letzte Wille der Verstorbenen respektiert wird sind nicht ganz aussichtslos. Im Einzelnen:

Das zweite Testament ist zweifelsohne formnichtig. Es ist auch kein Nottestament, denn die Verstorbene wäre in der Lage gewesen, einen Notar herbeizurufen, der ordnungsgemäß ihren letzten Willen testiert hätte.

Hinsichtlich des zerrissenen Testaments gilt § 2255 BGB. Dieser lautet:
§ 2255
Widerruf durch Vernichtung oder Veränderungen
Ein Testament kann auch dadurch widerrufen werden, dass der Erblasser in der Absicht, es aufzuheben, die Testamentsurkunde vernichtet oder an ihr Veränderungen vornimmt, durch die der Wille, eine schriftliche Willenserklärung aufzuheben, ausgedrückt zu werden pflegt. Hat der Erblasser die Testamentsurkunde vernichtet oder in der bezeichneten Weise verändert, so wird vermutet, dass er die Aufhebung des Testaments beabsichtigt habe.
Da das Testament zerissen ist, gilt also zunächst die Vermutung, dass es ungültig ist. Da dies aber nur eine Vermutung ist, ist diese widerlegbar. So ist in der Rechtssprechung anerkannt, dass es am Widerruf dann fehlt, wenn das Zerreißen im Hinblick auf die Errichtung eines neuen Testaments erfolgte, dessen Formwidrigkeit der Erblasser nicht kannte. Hier besteht im Erbscheinsverfahren die Möglichkeit anzusetzen.
Sie sollten daher mit dieser Argumentation, die durch das zweite Testament gestützt wird einen Erbschein beantragen. Sollte es im Laufe des Verfahrens Schwierigkeiten ergeben, sollten Sie einen Anwalt einschalten, da die Problematik für einen Laien zu schwer ist.



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