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Internetabzocke - Inkassoforderung inzwischen bei 421 Euro


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Uwe Peters
Stand: 29.10.2012

Frage:

Lebe resident auf den Philippinen, bin Deutscher 72 Jahre alt, bin in Deutschland restlos abgemeldet, war aber einige Monate in Deutschland, bin dort in meiner Unerfahrenheit am Computer anscheinend einer Abzockerfirma aufgelaufen, habe das sofort gemerkt nachdem der Betrag bei Klicken sekundenschnell genau 10,-- Euro höher - also nicht 29,-- sondern 39,--
übergesprungen ist und sofort abgebucht wurde. Ich habe das bemängelt und sofort rückbuchen lassen und habe gleichzeitig gekündigt. Dann war mein Computer wegen meiner Reisen als Missionar längere Zeit nicht betätigt und nicht am Internet angeschlossen. Jetzt sehe ich plötzlich aufgelaufene Kosten und drohende Schriftsätze einer Inkasso-Firma die bis zum 8.11.2012 meine Adresse wissen wollen.
Meine Rente beträgt monatlich genau 421,-- Euro

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Antwort:

Soweit ersichtlich und Ihrer Schilderung zu entnehmen, dient die Website lediglich dazu potentiellen Interessenten persönliche Daten wie E-Mail Adresse und vor allem Bankverbindung und Kontonummer abzufragen und diese zu verwerten. Ob eine Gegenleistung erbracht wird oder sinnvoll genutzt werden kann, tritt dabei in den Hintergrund. Die Methoden dieser sog. Abzockfirmen sind vielschichtig und werden stets raffinierter. Eines haben diese Firmen jedoch gemein. Die Methode basiert stets auf der nachfolgenden Systematik: Es handelt sich um Firmen mit wenig Personal und keiner größeren Organisationsstruktur, dafür aber mit großer EDV-Anlage. Der beträchtliche Gewinn wird dadurch erzielt, dass auf Drohbriefe ca. 10 bis 15% der Opfer die Rechnungen zahlen, um ihre Ruhe zu haben oder weiteren Ärger zu vermeiden. Einfacher wird es natürlich, wenn Bankdaten bekannt gegeben werden, da das Ziel dann durch unberechtigte Abbuchungen im Wege der Selbstbedienung erreicht werden kann. Da es sich zumeist um relativ geringe Summen von 100,00 bis 200,00 EURO handelt, betrachten viele es als Lehrgeld. Diese 10 bis 15% der zahlenden Opfer genügen, um ein Vermögen zu verdienen.

Die Struktur ist keinesfalls darauf angelegt, sämtliche Nichtzahler mit einem Klageverfahren zu überziehen. Dies würde sich im Ergebnis keineswegs rechnen und wäre mit der personalarmen Vertriebsstruktur überhaupt nicht zu bewältigen. Diejenigen Opfer, die nach der ersten Mahnung nicht zahlen, erhalten sodann bereits Post vom Inkassounternehmen, welches weitere Gebühren aufschlägt und die Drohungen verschärft. Auch hier lassen sich viele Opfer einschüchtern und glauben, dass das Inkassounternehmen Konten pfänden oder anderweitige Zwangsvollstreckungsmaßnahmen durchführen kann. Dies ist natürlich unzutreffend, da derartiges nur mit einem rechtskräftigen Titel möglich wäre. Genau hier ist der Ansatzpunkt: Der Geschädigte sollte sich von Inkassoschreiben und Drohbriefen nicht einschüchtern und es durchaus auf ein Klageverfahren ankommen lassen. Dazu kommt es nämlich nicht, weil dann die Kalkulation zusammenbricht. Es wird von Beginn an nur auf diejenigen gebaut, die sich einschüchtern lassen und freiwillig zahlen.

Sie sollten auf weitere Schreiben der Firma oder von Inkassounternehmen überhaupt nicht (mehr) reagieren. Wichtig für Sie ist in der nächsten Zeit vor allem die regelmäßige Kontrolle Ihrer Kontoauszüge, damit Ihnen für den Fall eines ungenehmigten Einzugs nicht die Rückbuchung durch die Lappen geht. Sie sollten sich eine neue Kreditkarte mit geänderten Nummern geben lassen und die gesperrte Karte aus dem Verkehr ziehen. Auch wenn diese fraglichen Anbieter rein rechtlich durchaus im Vorteil sind (formaljuristisch!), sollten Sie eine gerichtliche Konfrontation im Zweifel nicht scheuen. Nach weit mehr als hundert Beratungen in vergleichbaren Fällen ist mir bislang kein einziger Fall zugetragen worden, in welchem es tatsächlich zum Prozess kam. Dies gehört ersichtlich nicht in das Konzept dieser Firmen. Die Rechnung geht eben mit den (un-) freiwilligen Zahlern auf.



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