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Abfindung - Steueranteil zu hoch?


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Gerd Finger
Stand: 24.12.2011

Frage:

Ich habe von meiner Firma eine Abfindung in Höhe von 20000,- Euro erhalten. Als Steueranteil wurden mir 7237,30 Euro (6860,-Steuer+377,30Soli) abgezogen. Ist dieser Abzug o.k oder kann der Steueranteil auch anders berechnet werden, damit eventuell durch den Lohnsteuerjahresausgleich Geld zurück gezahlt wird.

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Antwort:

Grundsätzlich sind Abfindungen als sonstige Bezüge einkommensteuerpflichtig nach dem Einkommensteuergesetz und erhöhen im Jahr des Zuflusses in voller Höhe das zu versteuernde Einkommen mit aufgrund der Steuerprogression u.U. erheblicher Steuerbelastung.
Handelt es sich bei den Abfindungen um außerordentliche Einkünfte nach § 34 ESTG
( Einkommensteuergesetz ), wird diese Steuerbelastung durch die sogenannte
Fünftelregelung erheblich gemildert.Solche Einkünfte sind beispielsweise:

- Gewinn aus Verkauf eines Gewerbebetriebes
- Gewinn aus Praxisverkauf
- Vergütungen für mehrjährige Tätigkeiten

oder

wie wahrscheinlich vorliegend,

- Entlassungsentschädigungen, also Abfindungen für den Verlust des Arbeitsplatzes.

Die hierfür früher geltenden Freibeträge sind vollumfänglich gestrichen, so dass
die an Sie gezahlten 20.000,00 € im Jahr des Zuflusses zu versteuern sind, und zwar nach der Fünftelregelung des § 34 ESTG.
Dies bedeutet, dass zunächst die Einkommensteuer für Ihr Einkommen des betreffenden Jahres ohne Abfindung ermittelt wird.Dann wird dieses Einkommen um 1/5 der Abfindungssumme - hier also um 4.000,00 € - erhöht und aus diesem erhöhten Einkommen wird sodann die dafür sich ergebnde Einkommensteuer ermittelt.
Im nächsten Schritt wird dann die Differenz aus der ersten und zweiten Einkommensteuer berechnet, diese Differenz wird mit 5 multipliziert und der ersten
Einkommensteuerschuld zuaddiert.Dies ergibt die Jahressteuer unter Berücksichtigung der Abfindung.
Sollte der ehemalige Arbeitgeber diese Füntelregelung entgegen § 39b ESTG nicht angewendet haben, können Sie dies noch bei der Einkommensteuererklärung des betreffenden Jahres nachholen und beantragen, soweit der Steuerbescheid noch nicht rechtskräftig ist.
Die Fünftelregelung bietet aber nur steuerliche Vorteile ,soweit mit dem zu versteuernden Einkommen ohne Abfindung der Spitzensteuersatz noch nicht erreicht ist, das ist bei Ledigen ein Betrag von etwa 53.000,00 €, bei Verheirateten ein Betrag von etwa 106.000,00 € als Summe beider zu versteuernder Einkommen.

Da mir weitere Informationen nicht vorliegen, ist eine genaue Berechnung nicht möglich,aber zur Erläuterung folgendes Rechenbeispiel nach der Grundtabelle ( Junggeselle ) des Jahres 2009 :

Zu versteuerndes Einkommen 15.000,00 € EST = 1.461 €
Abfindung 5.000,00 €,1/5 = 1.000,00 16.000,00 € EST = 1.711 €

Differenz = 250,00 X 5 = 1.250,00 €
Abfindung netto = 5.000,00 € ./. 1.250,00 € = 3.750,00 €

Steuer gesamt aus 20.000,00 € = 1.461,00 € + 1.250,00 € = 2.711,00 €.
Ersparnis 2.759,00 € ./. 2.711,00 € = 48,00 €.

Bei höheren Beträgen ist bis zu bestimmtem zu versteuernden Einkommen der Steuervorteil der Fünftelregelung deutlich höher.

Grundsätzlich besteht bei Abfindungen auch die Möglichkeit anderer Steuervorteile, z.B. durch Umwandlung in Altersvorsorge oder ähnlich, dies ist aber bei Ihnen nicht mehr möglich, da die Abfindung bereits versteuert und an Sie ausgezahlt wurde.



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