Navigationspunkt Hauptthema Unterthema Artikeltitel
Arbeit und Beruf
Frage an den Anwalt
27.11.2011

Zu wenig Urlaubsgeld erhalten?

Mein Arbeitsverhältniss begann am 01.03.2011, im Juni bekam ich Urlaubsgeld gezahlt (555,84€), im Arbeitsvertrag steht das ich vom letzt gezahlten Bruttogehalt die hälfte bekomme (das waren im Mai 3984,48€), ich monierte dies, aber es hieß nur, dass das Urlaubsgeld Anteilig gezahlt wird. Das ich nicht für ein volles Jahr Urlaubsgeld bekomme ist mir schon klar, aber dann doch für 10monate oder nicht?
Nun meine Frage ist das korrekt was mir die Firma ausbezahlt hat oder nicht?

Digitaler Assistent
Digitalen Assistenten starten
Antwort Rechtsanwältin Bärbel Dimopulos
Welche Frage haben Sie? E-mail senden

Um zu prüfen, ob Sie einen (sicheren) Anspruch auf „mehr“ haben, sollten Sie sicherheitshalber noch einen Blick in den Arbeitsvertrag werfen und nachsehen, ob dort etwas zu anteiliger Zahlung oder Ausschlussklausel und Fälligkeiten steht.
In manchen Firmen ist z.B. entsprechend dort geltender (Betriebs-)Vereinbarungen üblich, 2x im Jahr jeweils die Hälfte des den Arbeitnehmern zustehenden Urlaubsgeldes zu zahlen oder erst nach einer bestimmten Betriebszugehörigkeit (den vollen vereinbarten Betrag) zu zahlen. Dort steht vielleicht auch etwas zu der Fälligkeit des Urlaubsgeldanspruchs.

Außerdem steht am Ende mancher Arbeitsverträge (unter dem Punkt „Ausschlussklausel“) etwas davon, dass jegliche Ansprüche spätestens 3 Monate nach Fälligkeit geltend zu machen bzw. 3 Monate nach Ablehnung der Zahlung durch den Arbeitgeber einzuklagen sind; in diesem Fall wäre es jetzt womöglich zu spät, den noch offenen Restbetrag nachzufordern.

Eine solche sogenannte „Ausschlussklausel“ findet sich auch in vielen Tarifverträgen. Sie sollten also noch prüfen, ob in einem evtl. für Sie in Ihrer Branche geltenden Tarifvertrag auch geregelt ist, dass jegliche Ansprüche binnen 3 Monaten geltend zu machen und binnen weiterer 3 Monate einzuklagen sind. Ein solcher Tarifvertrag gilt z. B.,
-wenn Sie in der Gewerkschaft organisiert sind und Ihr Arbeitgeber im Arbeitgeberverband
-oder wenn es sich um einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag handelt (findet man im internet)
-oder wenn in Ihrem Arbeitsvertrag auf einen bestimmten Tarifvertrag Bezug genommen wird, der sich ebenfalls im internet findet.

Einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld gibt es leider nicht. Aber es gilt im Arbeitsrecht immer das sogenannte Günstigkeitsprinzip: Ist der Tarifvertrag günstiger, gilt dieser; ist Ihr Arbeitsvertrag günstiger, findet dieser Anwendung.

Sollte also in Ihrem Arbeitsvertrag (und in dem für Sie evtl. geltenden Tarifvertrag) außer dem Anspruch auf die Hälfte des zuletzt gezahlten Bruttogehalts nichts anderes stehen (keine Rede von Ausschlussfristen oder Ausschlussklauseln oder anteiliger Zahlung oder anderweitigen Fälligkeiten oder zunächst zurückgelegten Betriebszugehörigkeiten sein), haben Sie sogar Anspruch auf den gesamten sich aus der Hälfte von 3984,48 € brutto ergebenden Nettobetrag (also nicht nur auf 10/12, sondern auf die kompletten 1992,24 € brutto).

Anders ausgedrückt: Wenn sich in Ihrem Arbeitsvertrag nichts für Sie Negatives findet (auch keine Verweis auf den Tarif mit Ausschlussfristen), haben Sie Anspruch auf die kompletten 1992,24 € brutto.

Falls es eine Ausschlussklausel gibt, obwohl sich Ihr Arbeitgeber bisher noch nicht darauf berufen hat, können Sie ja trotzdem versuchen, den Restbetrag einzufordern oder sich in der Hälfte zu einigen.
Eine Klage beim für Sie zuständigen Arbeitsgericht kostet Sie ohne Anwalt übrigens nichts

Verjährung tritt erst nach 3 Jahren ein.

Genauere Auskünfte waren ohne Vorlage des Arbeitsvertrages leider nicht möglich.

Anwaltshotline
Der direkte Draht zum Anwalt: 0900-1 875 000 908*
Anwalt für Arbeit und Beruf:
7.00 Uhr - 1.00 Uhr (1,99 €/Min.)
E-Mail-Beratung
Antwort in ca. 20 Minuten Anwalt kostenlos anfragen
Digitaler Assistent
Digitalen Assistenten starten
Abfindungsrechner
Wie hoch könnte Ihre Abfindung ausfallen?
Abfindung berechnen