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Kann die Hoteldirektion beschließen die Trinkgeldverteilung nach eigenem Ermessen vorzunehmen?


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Tobias Kraft
Stand: 26.10.2009

Frage:

Wir arbeiten in der Hotellerie im Bereich Restaurant. Problem ist das Trinkgeld. Bisher wurde es so gehandhabt, dass alle Kellner über einen einzigen Geldbeutel gearbeitet haben und abends zum Feierabend das Trinkgeld in eine Tüte gepackt und in einem Safe-Fach des Hotels verschlossen wurde. Am Monatsende wurde das Trinkgeld dann durch den zuständigen Restaurantleiter an alle Mitarbeiter des Restaurants verteilt. Nie gab es Probleme bis dahin. Nun ist es so, dass die Direktion sich das Geld aus dem Safe genommen hat und der Meinung ist, es selbst nach eigenem Ermessen zu verwalten. Ist das rechtens?

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Antwort:

Sehr geehrte Mandantin,

Bei der Handhabung von Trinkgeldern gibt es zwei verschiedene Verteilungssysteme. Beim so genannten Serviersystem steht jedem Arbeitnehmer das ihm vom Kunden zugewendete Trinkgeld direkt zu. Beim so genannten Troncsystem dagegen wird das gesamte eingenommene Trinkgeld in eine gemeinsame Kasse gegeben und dann nach einem im Voraus festgelegten Schlüssel auf die einzelnen Arbeitnehmer verteilt.

Bisher hat Ihr Arbeitgeber demnach offenbar mit Erfolg das letztgenannte System benutzt, um die Trinkgelder auszukehren. Die Frage ist, was die Direktion mit der "Verwaltung nach eigenem Ermessen" meint. Diese Gelder müssen zwingend der Belegschaft zugute kommen, d.h. der Arbeitgeber kann z.B. nicht einen Teil davon für die Anschaffung von Betriebsmitteln verwenden, sondern muss dieses Geld in Gänze den Mitarbeitern zukommen lassen. Es ist zwar grundsätzlich zulässig, einen Verteilungsschlüssel für die Auskehrung an die Arbeitnehmer zu benutzen, allerdings muss dieser sachlichen Kriterien genügen, d.h. die Verteilung darf nicht willkürlich erfolgen. So ist es z.B. sogar geboten, eine Teilzeitkraft entsprechend ihres geringeren Beschäftigungsumfangs eben nur anteilig an dem Trinkgeld partizipieren zu lassen. Allerdings ist es dem Arbeitgeber nicht erlaubt, anhand von eigener Einschätzung der Arbeitsleistungen seiner Mitarbeiter die Trinkgelder quasi willkürlich zu verteilen. Sollte Letzteres der Fall sein oder sollte der Arbeitgeber gar Trinkgelder für sich verwenden, wäre dies nicht zulässig.



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