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Arbeitgeber stellt nach zehnjähriger Tätigkeit ein unzutreffendes Zwischenzeugnis aus

Online-Rechtsberatung von Rechtsanwältin Petra Nieweg
Stand: 15.10.2009

Frage:

Ich (m) arbeite seit 10 Jahren in einem System-Gastronomie-Betrieb. Habe dort laut meinem Arbeitsvertrag als Hilfskraft angefangen. Ich bin im Laufe dieser 10 Jahre alle Abteilungen durchschritten und bin seit ca. 5 Jahren in der Küche erst als Zuarbeiter der beiden Köche tätig und seit 2.5 Jahren kann ich selbstständig die Zubereitung der Speisen erledigen und vertrete beide Köche an deren freien Tagen sowie in Ihrer Urlaubsabwesenheit.

Ich habe vor kurzem ein Zwischenzeugnis verlangt und werde darin immer noch als Hilfskraft tituliert. Des weiteren werden meine Fortschritte wie folgt bezeichnet: Abräumer/Spühlküche,
Salatvorbereitung, Essenausgabe/bedienen, an der Linie zuarbeiten der Köche
arbeiten nach gesetzlichen/gesundheitsamtlichen Vorschriften

Ich vermisse in diesem Zeugnis meine tatsächlichen Arbeiten in der Küche wie oben geschildert. Ich habe gebeten bzw. möchte darauf bestehen, dass dies in mein Zeugnis mit eingebracht wird. Aber die Geschäftsleitung weist mich ab, da ja im Arbeitsvertrag stünde, dass ich als Hilfskraft arbeite.

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Antwort:

Sehr geehrter Mandant,

vorausgesetzt, dass Sie einen Anspruch auf Erteilung eines Zwischenzeugnisses haben, muss dieses im Prinzip genauso erteilt werden wie ein Zeugnis am Ende des Arbeitsverhältnisses.
Einen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis, welcher grundsätzlich auch gerichtlich eingeforderter werden kann, haben Sie dann, wenn ein sogenanntes berechtigtes Interesse daran vorliegt.
Ein berechtigtes Interesse liegt vor:
- bei Änderungen im Arbeitsverhältnis,
- bei betrieblichen Veränderungen (Versetzung in einen anderen Bereich, Übernahme einer anderen Tätigkeit, Wechsel des Vorgesetzten, drohende Insolvenz des Arbeitgebers, Betriebsnachfolge oder Betriebsübergang, Personalabbaupläne, angekündigte Kündigung des Arbeitsverhältnisses),
- bei persönlichen Veränderungen (Unterbrechung der Beschäftigung wegen längerer außerbetrieblicher Fortbildungsmaßnahme, aufgrund von Elternzeit, Wehrdienst, Freistellung als Betriebsrat, Beginn der Freistellungsphase der Altersteilzeit, sonstige Ruhensfälle, Bewerbung bei einem anderen Arbeitgeber),
- zur Vorlage bei Banken, Behörden oder für Fortbildungsmaßnahmen etc.
Damit stellt sich nun die Frage, was gehört in ein Zeugnis, wie sieht es aus:
Grob gegliedert sollen folgende Themen in dem Zeugnis abgearbeitet werden:

Persönliche Daten
Art und Dauer der Beschäftigung
Aufgaben und Verantwortungsbeschreibung
Beurteilung der Leistung und Ergebnisse
Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern
Schlussformulierung (sog. magischer Vierklang)
Datum und Unterschrift

Dabei gilt nun, dass das Zeugnis ein Spiegelbild aller vom Arbeitnehmer ausgeführten Tätigkeiten sein muss. Daher muss also die Tätigkeit, die im Laufe des Arbeitsverhältnisses ausgeübt wurde, so vollständig und genau beschrieben werden, wie möglich. Die ursprüngliche Stellenbeschreibung aus dem Arbeitsvertrag mag erwähnt werden, die Entwicklung und die dann ausgeübten Tätigkeiten müssen es aber auch.
Sie können jetzt entweder nochmals selbst versuchen, ein entsprechendes Zeugnis zu bekommen und dabei darauf hinweisen, dass Sie sich haben rechtlich beraten lassen. Bitten Sie einfach darum, dass doch nicht gestrichen werden soll, was im Arbeitsvertrag steht, sondern das lediglich ergänzt werden soll, was inzwischen nach vielen Jahren alles gemacht wird. Ergänzen Sie vielleicht, dass der Text eines Arbeitsvertrages nicht rechtsverbindlich für ein Zeugnis ist und dass ein Arbeitsvertrag durch die tatsächliche Ausübung auch angepasst werden kann und hier angepasst worden ist.
Hilft das nicht, können Sie einen Anwalt vor Ort beauftragen, dieses Zeugnis zunächst nochmals außergerichtlich zu verlangen oder dann notfalls auch einzuklagen.
Das alles kann sich allerdings negativ auf das Betriebsklima auswirken, obwohl Sie völlig im Recht sind. Hierauf müssen Sie eingestellt sein. Sie sollen nicht auf Ihr Recht verzichten, Sie sollen aber gleichzeitig vorbereitet sein, dass Arbeitgeber bei Arbeitnehmern, die Ihre Rechte einfordern hin und wieder sehr verärgert sind. Nur wer vorbereitet ist, kann im Ernstfall richtig reagieren.
Übrigens ist das, was in dem Zwischenzeugnis steht auch für das spätere Endzeugnis verbindlich, d. h. hier kann dann nicht etwas völlig anderes stehen.



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