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Arbeit und Beruf
Frage an den Anwalt
06.10.2009

Mobbing am Arbeitsplatz führt zur Krankheit des Opfers und einer Abmahnung durch den Arbeitgeber

Ich habe zu einem Vorfall eine Abmahnung erhalten, der auf einem Missverständnis beruhte, aber da ich die ausführende Hand war, evtl. gerechtfertigt. Problem dabei ist, dass meine Vorgesetzte, die ich seit mehr als drei Jahren wegen Krankheit vertreten habe, seit mehreren Monaten versucht, mich durch kleine Intrigen, durch Drohung (ich möchte ihnen Gift geben), durch Ausgrenzen und Ignorieren (bekomme keine wichtigen Informationen zum Arbeitsablauf und dadurch entstehen Fehler) zu mobben. Durch die ständige Ausgrenzung und Zermürbung war ich die letzten vier Wochen krankgeschrieben. Nun habe ich die Befürchtung, dass dieser Zustand bis zur Kündigung weitergeht. Der Betrieb hat keinen Betriebsrat oder Mitarbeitervertretung an die ich mich wenden könnte.

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Antwort Rechtsanwalt Tobias Kraft
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Sehr geehrte Mandantin,

vielen Dank für Ihre Rechtsfrage bei der E-Mail-Beratung der Deutschen Anwaltshotline, die ich auf der Grundlage des von Ihnen mitgeteilten Sachverhalts gern wie folgt beantworte.

Sofern die Abmahnung nicht gerechtfertigt war, können Sie von Ihrem Arbeitgeber verlangen, dass diese aus Ihrer Personalakte entfernt wird. Dies könnte notfalls auch vor dem Arbeitsgericht im Wege der Klage durchgesetzt werden. Zu den Erfolgschancen hierzu kann ich selbstverständlich mangels Kenntnis von den Einzelheiten keine Einschätzung abgeben. In der Regel ist es für den Arbeitgeber in der Praxis jedoch nicht ganz einfach, eine Abmahnung juristisch "wasserdicht" zu formulieren und nachzuweisen.

Sofern Ihre Vorgesetzte Ihnen gegenüber die Worte "ich möchte ihnen Gift geben" geäußert hat, dürfte dies sogar strafrechtlich relevant sein. Dies könnte als Bedrohung im Sinne des § 241 des Strafgesetzbuches aufgefasst werden. Ggf. empfiehlt sich vorliegend sogar eine Strafanzeige bei der Polizei. Die Frage ist hier allerdings, ob ihr nachgewiesen werden könnte, die Worte gesagt zu haben. Zumindest wenn dies unter vier Augen bzw. Ohren geblieben ist, wäre dies wohl kaum möglich.

Sie sollten aber in jedem Fall mit Ihrem Arbeitgeber über die Vorkommnisse und offensichtliche Schikanierungen reden, die in der Summe den Tatbestand des Mobbings erfüllen dürften. Ihr Arbeitgeber hat gegenüber Ihnen eine Fürsorgepflicht, woraus sich ergibt, dass er den Anschuldigungen nachgehen muss und den Betriebsfrieden durch geeignete Maßnahmen (z.B. Versetzungen, Umsetzungen) bewahren bzw. wiederherstellen muss.

Sofern Sie aufgrund der widrigen Gegebenheiten am Arbeitsplatz arbeitsunfähig erkrankt sind, ist dies grundsätzlich allein noch nicht problematisch. Wenn dieser Zustand jedoch länger andauert, könnte irgendwann eine Kündigung gerechtfertigt sein. Um hier vor einer wirksamen krankheitsbedingten Kündigung sicher zu sein, sollten die Fehlzeiten sich bei maximal 30 Arbeitstagen jährlich bewegen. Wird nämlich über einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren jeweils der Bereich von 30 Fehltagen jährlich überschritten, kann eine Kündigung bereits gerechtfertigt sein. Ihr Arbeitgeber kann Ihnen leider auch im Krankenstand kündigen.

Sofern Ihnen eine Kündigung zugeht, müssten Sie in jedem Fall innerhalb von 3 Wochen eine Klage hiergegen vor dem Arbeitsgericht einreichen. In der Regel lohnt es sich, um den Arbeitsplatz zu kämpfen bzw. durch Verhandlung hier zu einer Abfindung zu kommen, die in der Regel mindestens zwischen einem Viertel und einem halben Bruttomonatsgehalt je Beschäftigungsjahr liegt.

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