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Fluggastrechte: Ihre Ansprüche bei Verspätung, Annullierung oder Überbuchung

Author Autor: Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG / 10.07.2018
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Bei einer Flugverspätung, einem Flugausfall oder einer Flugüberbuchung sind EU-weit bestimmte Entschädigungen vorgeschrieben. Lesen Sie hier alles, was Sie über Ihre Fluggastrechte wissen müssen.

Der Urlaubsantrag wurde vom Chef genehmigt, der Koffer ist gepackt, der Nachbar hat sich bereit erklärt, die Blumen zu gießen und die Katze zu füttern – alle Zeichen stehen auf Erholung am Strand. Nun müssen Sie nur noch in den Flieger springen und der Urlaub kann beginnen.

Leider erweist sich diese letzte, vermeintlich kleine Hürde oft genug als Stolperstein. Überbuchte Flüge, Flugverspätungen oder gar -ausfälle können zur Belastungsprobe für die Nerven werden, bevor der Urlaub überhaupt begonnen hat.

So stellt sich für viele Reisende spätestens nach der Rückkehr die Frage: Wie sind meine Ansprüche bei den oben genannten Szenarien und welche Möglichkeiten habe ich, diese geltend zu machen?

Fluggastrechteverordnung

Die Rechte und Ansprüche von Passagieren bei Verspätung, Annullierung oder Überbuchung eines Fluges sind in der sogenannten Fluggastrechteverordnung 261/2004 festgelegt, welche seit Februar 2005 in Kraft ist. Diese soll Reisenden Rechtssicherheit im Falle einer Annullierung, Verspätung oder Nichtbeförderung bieten und so den Ansprüchen des Verbraucherschutzes Rechnung tragen.

Anwendungsbereich der Fluggastrechteverordnung

Da es sich um eine EU-Verordnung handelt, ist der räumliche Anwendungsbereich der Fluggastrechteverordnung naturgemäß eingeschränkt. Die Verordnung gilt bei:

Zusätzlich zu den 28 EU-Staaten gilt die Verordnung entsprechend auch für Island, Norwegen und die Schweiz!

Beispiel: Sie fliegen mit der Lufthansa von Peking nach München und kommen dort mit einer Verspätung von fünf Stunden an. In diesem Fall haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung gemäß der Fluggastrechteverordnung. Wären Sie mit der chinesischen Fluggesellschaft Air China unterwegs gewesen, würde die Verordnung nicht greifen.

Flugverspätung

Grundsätzlich sind Ihre Ansprüche im Falle einer Flugverspätung in Art. 6 der Fluggastrechteverordnung geregelt. Welche Ansprüche bestehen, richtet sich dabei nach der Dauer der Verspätung.

Ab einer Verspätung von zwei Stunden ist die betreffende Airline verpflichtet, Sie mit Getränken und Essen zu versorgen und Ihnen zwei Telefonate, E-Mails oder Faxe zu ermöglichen. Hat Ihr Flug mindestens drei Stunden Verspätung, steht Ihnen eine finanzielle Entschädigung zu, welche sich in der Höhe nach der Länge der Flugstrecke richtet.

Ist aufgrund der Flugverspätung der Abflug erst am nächsten Tag möglich, haben Sie Anspruch auf Transfer und Übernachtung in einem Hotel.

Ihre Ansprüche im Falle einer Flugverspätung auf einen Blick

Ab zwei Stunden Verspätung: Anspruch auf Verpflegung, zwei Telefonate oder E-Mails

Ab drei Stunden Verspätung: Anspruch auf finanzielle Entschädigung:

  • 250 € bei einer Flugstrecke bis 1500 km
  • 400 € bei einer Flugstrecke von mehr als 1500 km
  • 600 € bei einer Flugstrecke von mehr als 3500 km mit Start oder Ziel außerhalb der EU

Liegen außergewöhnliche Umstände vor, ist die Fluggesellschaft nicht verpflichtet, eine Entschädigung zu zahlen.

Tipp: Lassen Sie sich die Dauer der Verspätung und deren Grund am Flughafen schriftlich bestätigen, und bewahren Sie Ihre Belege (z.B. für Verpflegung oder Taxifahrten) auf.

Flugannullierung

Grundsätzlich haben Passagiere, deren Flug annulliert wurde, gemäß Art. 5 der Fluggastrechteverordnung Anspruch auf Ausgleichs-und Betreuungsleistungen. Es gibt jedoch Einschränkungen dieses Grundsatzes. Entscheidend ist hierbei, wann Sie von der Fluggesellschaft über die Annullierung des Fluges informiert wurden.

In folgenden Fällen besteht kein Anspruch auf eine Ausgleichszahlung:

Wird Ihr Flug annulliert, ohne dass Sie rechtzeitig informiert wurden bzw. außergewöhnliche Umstände vorliegen, steht Ihnen eine Ausgleichszahlung zu. Deren Höhe richtet sich, analog zur Flugverspätung, nach der Länge der Flugstrecke und wird in Art. 7 Abs. 1 und 2 der Fluggastrechteverordnung definiert:

Erfahren Sie erst vor Ort am Flughafen von der Annullierung Ihres Fluges, so stehen Ihnen Betreuungsleistungen zu, des Weiteren können Sie zwischender vollständigen Erstattung der Flugscheinkosten oder einer anderweitigen Beförderung zum Endziel wählen.

Ihre Ansprüche im Falle einer Flugannullierung auf einen Blick

Wird Ihr Flug annulliert, können Sie zwischen der Erstattung des Ticketpreises oder einem Alternativflug wählen.

Unter Umständen haben Sie Anspruch auf eine Ausgleichszahlung von bis zu 600 €, wenn Sie nicht rechtzeitig über die Annullierung informiert worden sind. Die Höhe der Entschädigung richtet sich dabei nach der Länge der Flugstrecke.

Sind außergewöhnliche Umstände für die Flugannullierung verantwortlich, besteht kein Anspruch auf eine Ausgleichszahlung.

Gut zu wissen: Wird Ihr Flug um mindestens zehn Stunden vorverlegt und Sie wurden nicht mindestens zwei Wochen vorher darüber informiert, wird dies auch als Flugannullierung gewertet. Dies gilt ebenfalls, wenn Ihr Flug zwar ordnungsgemäß gestartet ist, aber wieder zum Startflughafen zurückkehren muss.

Nichtbeförderung wegen Überbuchung

Häufig verkaufen Airlines mehr Tickets als Plätze im Flugzeug verfügbar sind. Das tun sie in der Hoffnung, dass nicht alle Passagiere auch tatsächlich erscheinen. Ist dies doch der Fall, wird seitens der Airline meist ein anderer Flug angeboten oder es werden Fluggäste gesucht, die freiwillig von ihrer Buchung zurücktreten. Gelingt dies allerdings nicht, können nicht alle Passagiere mit gültigem Ticket befördert werden. In einem solchen Fall stehen den betroffenen Fluggästen laut Art. 4 Abs.3 der Fluggastrechteverordnung dieselben Rechte zu wie im Falle einer Flugannullierung.

Beachten Sie: Wenn Sie freiwillig von Ihrer Buchung zurücktreten, verzichten Sie automatisch auf die Geltendmachung von weiteren Ansprüchen! Lassen Sie sich also nur darauf ein, wenn der Kompromiss für Sie wirklich von Vorteil ist.

Außergewöhnliche Umstände

In der Theorie mag das simpel klingen: Gemäß Artikel 5 Abs. 3 der Fluggastrechteverordnung ist „ein ausführendes Luftfahrtunternehmen (…) nicht verpflichtet, Ausgleichszahlungen (…) zu leisten, wenn es nachweisen kann, dass die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären.“

Eine genaue Legaldefinition des Begriffes „außergewöhnliche Umstände“ bleibt die Verordnung jedoch schuldig. Eine exakte Einordnung, was als außergewöhnlicher Umstand zählt und was nicht, ist daher nicht immer mit abschließender Sicherheit möglich.

Folgende Ereignisse werden in der Regel als außergewöhnliche Umstände anerkannt:

Aufgrund des großen Interpretationsspielraums verweisen Airlines sehr häufig auf außergewöhnliche Umstände, wenn es um die Gründe für eine Verspätung oder Annullierung geht, um dadurch Entschädigungszahlungen zu vermeiden. Haken Sie also auf jeden Fall nach, wenn Ihr Antrag auf Kompensation durch die Fluggesellschaft mit dem Hinweis auf außergewöhnliche Umstände abgelehnt wird, vor allem wenn diese nicht genau aufgeführt bzw. nachgewiesen werden.

Fluggastrechte: Beratung durch einen Anwalt

Sie sind von einer Flugverspätung oder –annullierung betroffen bzw. Ihnen wurde die Beförderung aufgrund einer Überbuchung verweigert und Sie möchten nun wissen, welche Entschädigungsleistungen Ihnen zustehen und wie Sie diese geltend machen? Die selbstständigen Kooperationsanwälte der Deutschen Anwaltshotline stehen Ihnen diesbezüglich und auch zu allen anderen Fragen rund um das Thema Fluggastrechte gerne mit kompetentem Rat zur Seite.

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