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Soforthilfe vom Anwalt

Flugstreik: Ihre Rechte bei Flugannullierung und Verspätung

Wenn Airline- oder Bodenpersonal streiken, kommt es regelmäßig zu Flugausfällen und erheblichen Verspätungen. Sind Sie betroffen und ist Ihr wohlverdienter Urlaub in Gefahr, lohnt es sich, wenn Sie Ihre Rechte als Fluggast genau kennen! Wann Ihnen eine Entschädigung zusteht, lesen Sie hier!
Author Autor: Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG / 11.09.2018
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Flugstreik-Ticker: Aktuelle streikbedingte Flugausfälle

11. September 2018: Ryanair-Piloten streiken am 12. September

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) rief für den 12. September zum 24-stündigen Streik auf. Zum ersten Mal legen Piloten und Flugbegleiter die Arbeit gemeinsam nieder.

08. August 2018: Ryanair-Piloten streiken am 10. August

Die deutschen Ryanair-Piloten kündigten einen 24-stündigen Streik für den 10. August an. Reisende müssen mit Verspätungen und Flugausfällen rechnen.

30. Juli 2018: Deutsche Ryanair-Piloten stimmen für Streik

Mit einer deutlichen Mehrheit von 96 Prozent sprachen sich die Mitglieder der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit im Rahmen einer Urabstimmung für die Arbeitsniederlegung der Ryanair-Piloten aus. Wann genau gestreikt wird, ist noch unklar. Aus Rücksicht auf die Passagiere sollen Streikphasen mit einem Vorlauf von 24 Stunden angekündigt werden.

19. Juli 2018: Ryanair streicht 600 Flüge

In Spanien, Belgien und Portugal haben die Gewerkschaften ihre Ryanair-Flugbegleiter zum Streik aufgerufen, was zum Ausfall von etwa 600 Flügen führt. Auch die irischen Piloten der Billigfluggesellschaft wollen künftig die Arbeit niederlegen. Insgesamt werden etwa 100.000 Reisende vom Streik betroffen sein.

10. April 2018: Verdi-Streiks im öffentlichen Dienst bringen Flugverkehr zum Erliegen

Die Gewerkschaft Verdi hat zu Warnstreiks im öffentlichen Dienst aufgerufen. Am 10. April legen Sicherheitskontrolleure, Feuerwehrleute, Gepäckabfertiger und weitere Flughafenangestellte die Arbeit an den Flughafen Frankfurt am Main, München, Köln und Bremen nieder. Die Lufthansa muss streikbedingt rund 800 Flüge streichen. Betroffen sind etwa 90.000 Reisende. Die Warnstreiks erstrecken sich voraussichtlich noch bis Ende der Woche, wobei dann weniger Flughäfen und vielmehr der öffentliche Nahverkehr, Kitas, Kliniken, Verwaltungen und Hallenbäder im Fokus stehen sollen.

Mein Flug wurde streikbedingt annulliert. Was kann ich tun?

Wenn Ihr Flug aufgrund des Streiks gestrichen wurde, können Sie diesen kostenlos stornieren. Sie erhalten dann den Flugpreis zurück.

Möchten Sie die Reise dennoch antreten, muss die Airline sich um einen neuen Flug oder anderweitige Ersatzbeförderung für Sie kümmern. Inlandsflüge können meist in Bahntickets umgewandelt werden. Diesen Service bieten viele von Streiks betroffene Fluggesellschaften am Ticketschalter oder auf ihren Homepages an. Beachten Sie allerdings, dass es sich immer empfiehlt, die Airline auf eine mögliche Umbuchung anzusprechen: Kümmern Sie sich selbst um ein neues Ticket und liegt der Preis dafür über dem des ursprünglichen Flugtickets, könnten Sie auf den Mehrkosten sitzenbleiben.

Auch ein Mietwagen ist eine Möglichkeit der alternativen Beförderung, allerdings werden die meisten Fluggesellschaften ihre Kunden aufgrund der verhältnismäßig hohen Kosten von Mietwagen eher auf die Bahn umbuchen. Sprechen Sie Ihre Airline am besten auf alle Optionen an. Sollte sich die Fluggesellschaft auf einen Mietwagen einlassen, empfiehlt es sich, um eine schriftliche Bestätigung zu bitten.

Erhalte ich bei einem streikbedingten Flugausfall eine Entschädigung?

Die EU-Fluggastrechte-Verordnung (EG Nr. 261/2004) sieht bei Flugausfällen zwar Entschädigungen von bis zu 600 Euro vor, doch können sich Fluggesellschaften bei einem Streik auf höhere Gewalt berufen. Kurzum bedeutet das, dass Sie als Fluggast keinen Anspruch auf eine Entschädigung haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Personal der Airline selbst streikt oder ob das Bodenpersonal die Arbeit niederlegt.

Mein Flug hat aufgrund des Streiks Verspätung. Habe ich einen Anspruch auf Entschädigung?

Nein, auch hier gilt, dass es sich bei einem Streik um höhere Gewalt handelt. Da die Airline die Verspätung dementsprechend nicht selbst zu verantworten hat, muss sie keine Entschädigung zahlen.

Unabhängig davon haben Sie allerdings Anspruch auf sogenannte Versorgungsleistungen. Beläuft sich die Verspätung bei Kurzstreckenflügen (bis 1.500 Kilometer) auf zwei Stunden, bei Mittelstreckenflügen (bis 3.500 Kilometer) auf drei Stunden oder bei Langstreckenflügen (ab 3.500 Kilometer) auf vier Stunden, muss die Fluggesellschaft Sie mit Getränken und Essen versorgen. Außerdem stehen Ihnen zwei kostenlose Telefonate oder E-Mails zu.

Mein Flug wurde nach dem offiziellen Streik-Ende gestrichen. Erhalte ich in diesem Fall eine Entschädigung?

Ja, in diesem Fall steht Ihnen eine Entschädigung gemäß der Fluggastrechte-Verordnung zu. Kommt es direkt vor oder nach dem Streik zu Flugausfällen, kann sich die Airline nicht auf höhere Gewalt berufen. Dies hat der Europäische Gerichtshof in einem Urteil vom 4. Oktober 2012 entschieden (Az. C-22/11). Das Gericht betonte, dass Fluggesellschaften sich sonst nahezu immer auf derartige Vorkommnisse berufen könnten und Passagiere dadurch nicht ausreichend geschützt würden.

Wie hoch fällt die Entschädigung aus?

Die Höhe der Entschädigung ist klar festgelegt. Bei einem Kurzstreckenflug von bis zu 1.500 Kilometern beträgt die Entschädigung 250 Euro. Bei Mittelstreckenflügen von bis zu 3.500 Kilometern erhalten Fluggäste 400 Euro und bei Langstreckenflügen ab 3.500 Kilometern stehen Passagieren 600 Euro zu.

Mein Flug wurde aufgrund eines wilden Streiks gestrichen. Bekomme ich eine Entschädigung?

Ja, wenn Ihr Flug aufgrund eines sogenannten wilden Streiks gestrichen wurde oder verspätet war, steht Ihnen eine Entschädigung gemäß Fluggastrechte-Verordnung zu. Dies entschied der Europäische Gerichtshof im April 2018. Bei einem wilden Streik handelt es sich um die kollektive Arbeitsniederlegung, die nicht zuvor von der Gewerkschaft ausgerufen wurde. Somit ist ein wilder Streik in Deutschland rechtswidrig.

Im entsprechenden Fall hatten sich zahlreiche TUIfly-Mitarbeiter nach der überraschenden Ankündigung von Umstrukturierungsmaßnahmen spontan krank gemeldet. Dies hatte die Annullierung und Verspätung zahlreicher Flüge zur Folge. Der Europäische Gerichtshof entschied, dass den betroffenen Fluggästen eine Entschädigung zustehe, da ein wilder Streik zum allgemeinen Risiko von Fluggesellschaften gehöre. Im Gegensatz zu gewerkschaftlich ausgerufenen Streiks handelt es sich hierbei nicht um „außergewöhnliche Umstände“.

Muss ich trotz Streik pünktlich am Flughafen sein?

Ja, Sie sollten trotz Streik pünktlich am Flughafen erscheinen. Gelingt es der Fluggesellschaft nämlich, spontan einen Ersatzflug zu organisieren und verpassen Sie diesen, entfällt Ihr Anspruch auf alternative Beförderung.

Handelt es sich um einen mehrtägigen Streik, empfiehlt es sich, bei der Airline nachzuhaken, ob Ersatzflüge geplant sind und ob Sie auf einen davon umgebucht wurden. So können Sie sicherstellen, dass Sie pünktlich zu Ihrem tatsächlichen Flug am Airport sind.

Streikbedingter Flugausfall bei einer Pauschalreise. Was nun?

Bei einer Pauschalreise ist nicht die Airline Ihr Ansprechpartner, sondern der Reiseveranstalter. Dieser ist dazu verpflichtet, Ihnen einen Ersatzflug zu organisieren, wenn Ihr eigentlicher Flug aufgrund eines Streiks gestrichen wurde.

Befinden Sie sich schon im Urlaub und wurde Ihr Rückflug annulliert, muss der Reiseveranstalter einen neuen Flug und gegebenenfalls auch ein Hotel für Sie organisieren.

Entsteht Ihnen aufgrund des Streiks eine Verspätung von mehr als fünf Stunden, können Sie den Reisepreis im Nachhinein mindern. Entfällt der Erholungswert Ihrer Reise gänzlich – beispielsweise weil Sie bei einer einwöchigen Reise mehrere Tage lang auf einen Ersatzflug warten müssen – können Sie die Reise kostenlos stornieren.

Rechtsbeiträge über Reiserecht:

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