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Schwerbehindertenquote: Berechnung und Höhe der Ausgleichsabgabe

Um die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben zu fördern, verpflichtet das Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) alle Arbeitgeber mit mehr als 20 Arbeitsplätzen dazu, mindestens fünf Prozent davon mit schwerbehinderten oder ihnen gleichgestellten Arbeitnehmern zu besetzen. Die Regelung greift sowohl für private als auch für öffentliche Arbeitgeber.
Author Autor: Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG / 15.06.2018
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Gut zu wissen: Unter „Arbeitsplatz“ sind gemäß § 156 SGB IX alle Stellen zu verstehen, „auf denen Arbeitnehmer, Beamte, Richter und Auszubildende zu andere zu ihrer beruflichen Bildung Eingestellte beschäftigt sind“. Auch eine Teilzeitstelle ist dementsprechend als vollwertiger Arbeitsplatz zu verstehen, solange mehr als 18 Stunden pro Woche gearbeitet wird.

Wie berechnet sich die Schwerbehindertenquote?

Gemäß § 154 SGB IX müssen Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitsplätzen mindestens fünf Prozent davon mit schwerbehinderten oder ihnen gleichgestellten Arbeitnehmern besetzen. Als schwerbehindert gelten Menschen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50. Einen Antrag auf Gleichstellung können Menschen mit einem GdB von mehr als 30 aber unter 50 bei der Agentur für Arbeit stellen: Ist der Antrag erfolgreich, werden sie mit Schwerbehinderten gleichgestellt.

Beispiel:

In Ihrem Unternehmen gibt es 200 Arbeitsplätze. Gemäß § 154 SGB IX müssen Sie zehn Stellen mit schwerbehinderten oder gleichgestellten Arbeitnehmern besetzen.

Ausgleichsabgabe bei Nichterfüllen der Schwerbehindertenquote

Beschäftigen Sie in Ihrem Unternehmen nicht genügend schwerbehinderte Arbeitnehmer, müssen Sie eine Ausgleichsabgabe zahlen. Diese beläuft sich auf 125 bis 320 Euro pro Monat und pro unbesetztem Arbeitsplatz.

Wie hoch ist die Ausgleichsabgabe?

Beispiel:

Sie beschäftigen aktuell 200 Arbeitsnehmer. Nur vier davon sind schwerbehindert oder Schwerbehinderten gleichgestellt. Ihre Beschäftigungsquote liegt somit bei 2 Prozent, weshalb Sie der obenstehenden Tabelle zufolge 220 Euro pro Monat und pro unbesetztem Arbeitsplatz als Ausgleichsabgabe entrichten müssen. Da Sie eigentlich fünf Prozent – also zehn Arbeitsplätze – mit schwerbehinderten Angestellten besetzen müssen, gelten acht Arbeitsplätze als unbesetzt. Ihre Ausgleichsabgabe beläuft sich monatlich also auf acht mal 220 Euro. Sprich: Sie müssen 1.760 Euro pro Monat an das Integrationsamt zahlen.

Gut zu wissen: Nur weil Sie die Schwerbehindertenquote nicht erfüllen, bedeutet das nicht, dass ein einzelner schwerbehinderter Bewerber einen rechtlichen Anspruch auf einen ausgeschriebenen Arbeitsplatz hat. Sie sind jetzt also nicht dazu gezwungen, schwerbehinderte oder ihnen gleichgestellte Bewerber zu bevorzugen und sie eventuell trotz fehlender Qualifikationen einzustellen. Allerdings müssen Sie weiterhin bei jeder freien Stelle prüfen, ob diese durch einen behinderten Bewerber besetzt werden könnte. Dazu müssen Sie die jeweilige Stellenausschreibung frühzeitig bei der Agentur für Arbeit melden, die Ihnen daraufhin mitteilt, ob die Einstellung eines schwerbehinderten Bewerbers möglich ist.

Doppelt gut zu wissen: Auch wenn das Arbeitsamt Ihnen keine behinderten Bewerber zuweist, sind Sie nicht von der Behindertenquote befreit. Sie gilt für alle Unternehmen ausnahmslos.

Erleichterung für kleinere Unternehmen

Damit die Ausgleichsabgabe kleinere Unternehmen nicht zu sehr trifft, sieht der Gesetzgeber eine Erleichterung vor. Hier gilt:

Gut zu wissen: Bei der Ausgleichsabgabe handelt es sich nicht um eine Strafe, sondern vielmehr um einen Ausgleich gegenüber den Arbeitgebern, die ihrer Pflicht nachkommen. Immerhin sehen sich diese meist mit höheren Kosten und Mehraufwand konfrontiert, da schwerbehinderten Arbeitnehmern beispielsweise ein einwöchiger Zusatzurlaub oder die behindertengerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes zusteht. So entsteht kein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen, die ihrer Pflicht nicht nachkommen.

Mehr Informationen: Schwerbehinderung im Arbeitsrecht: Rechte und Pflichten behinderter und gleichgestellter Arbeitnehmer

Wie ist die Ausgleichsabgabe zu zahlen?

Die Ausgleichsabgabe müssen Sie direkt an das für Ihr Gebiet zuständige Integrationsamt zahlen. Der Betrag für das Vorjahr muss bis spätestens 31. März überwiesen werden.

Was passiert mit der Ausgleichsabgabe?

Mit der Ausgleichsabgabe werden Projekte unterstützt, die sich für die Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben einsetzen.

Behindertenquote und Beschäftigungspflicht: Beratung durch einen Anwalt

Sie haben weitere Fragen zur Beschäftigungspflicht von schwerbehinderten Angestellten? Möchten Sie wissen, wie hoch Ihre individuelle Ausgleichszahlung ausfällt oder welche Konsequenzen Ihnen drohen, wenn Sie diese nicht rechtzeitig zahlen? In solchen und vielen weiteren Fällen stehen die selbstständigen Kooperationsanwälte der Deutschen Anwaltshotline mit Rat und Tat zur Seite. Die rechtssichere Erstberatung erhalten Sie je nach Wunsch per Telefon oder E-Mail.

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