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Arbeit und Beruf

Probezeitverlängerung

14.12.2017 /
Author Autor: Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG

Die Probezeit ist aus dem Arbeitsrecht nicht mehr wegzudenken: Der Arbeitgeber kann die Fähigkeiten seines neuen Mitarbeiters so im wahrsten Sinne des Wortes auf die Probe stellen; der Arbeitnehmer hingegen hat die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis schnell aufzulösen, wenn der neue Job doch nicht das Gelbe vom Ei ist. Obwohl die Probezeit mit ihrer verkürzten Kündigungsfrist also zunächst Vorteile für beide Parteien bieten soll, sehnen viele Arbeitnehmer dennoch ihr Ende und den damit verbundenen sicheren Job herbei. Doch was ist, wenn der Chef sich noch immer nicht sicher ist, ob der neue Angestellte zum Betrieb passt: Kann er die Probezeit dann einfach verlängern?

Was zeichnet die Probezeit eigentlich aus?

Die maximale gesetzliche Probezeit beträgt sechs Monate

Das Arbeitsrecht sieht vor, dass die Probezeit in keinem Fall länger als sechs Monate dauern darf. Danach greift bei Mitarbeitern in Unternehmen mit regelmäßig mehr als zehn Angestellten (Teilzeitkräfte werden anteilig gerechnet, Auszubildende zählen nicht) automatisch das Kündigungsschutzgesetz, das eine gesetzliche Kündigungsfrist von mindestens vier Wochen vorschreibt. Für den Arbeitnehmer bedeutet dies, dass aus einem eher unsicheren Arbeitsverhältnis, das ohne Angabe von Gründen innerhalb von zwei Wochen beendet werden kann, eine gesicherte Beschäftigung wird. Will der Arbeitgeber Ihnen also nach Ablauf der Probezeit kündigen, muss er dafür triftige Gründe haben.

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Darf mein Chef die Probezeit verlängern?

Beträgt die im Arbeitsvertrag vereinbarte Probezeit weniger als sechs Monate, darf Ihr Chef diese tatsächlich verlängern. Dabei darf die maximale Dauer von einem halben Jahr jedoch nicht überschritten werden. Allerdings geht dies nicht ohne Ihre Zustimmung.


Beispiel:
In Ihrem Arbeitsvertrag ist eine Probezeit von drei Monaten vereinbart. Am letzten Tag kommt Ihr Chef auf Sie zu und teilt Ihnen mit, dass er sich noch nicht sicher ist, ob Sie wirklich in den Betrieb passen. Doch er möchte Ihnen gerne eine zweite Chance geben. Er schlägt also vor, die Probezeit noch einmal um drei Monate – also auf insgesamt sechs Monate – zu verlängern. Dies ist möglich, wenn Sie dem zustimmen. Als Arbeitnehmer befinden Sie sich hier in einer unangenehmen Situation: Lehnen Sie die Probezeitverlängerung ab, riskieren Sie die Kündigung.


Anders sieht es aus, wenn Ihr Vertrag die übliche Probezeit von sechs Monaten vorsieht: In diesem Fall darf Ihr Vorgesetzter diese nicht verlängern. Unterbreitet er Ihnen dennoch den Vorschlag einer längeren Bewährungsfrist, können Sie dem getrost zustimmen, denn die Vereinbarung ist ungültig. Nach sechs Monaten tritt automatisch das Kündigungsschutzgesetz in Kraft. Will der Chef Ihnen jetzt kündigen, sollten Sie unbedingt Kündigungsschutzklage einreichen.

Ausnahme: Längere Krankheit oder Abwesenheit während der Probezeit

Das Gesetz erkennt allerdings eine Ausnahme an, nämlich wenn Sie während Ihrer Probezeit für einen längeren Zeitraum krank oder abwesend waren. In diesem Fall darf Ihr Arbeitgeber Sie zunächst befristet weiterbeschäftigen, um Ihre Fähigkeiten auf Herz und Nieren testen zu können. Die längere Abwesenheit stellt einen sachlichen Grund für die Befristung dar.

Auch dies ist jedoch keine tatsächliche Verlängerung der Probezeit, denn es gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen. Die Lösung stellt also einen Mittelweg dar, der Sie zwar im Sinne des Kündigungsschutzgesetzes absichert, Ihrem Arbeitgeber jedoch einen Weg bietet, sich noch nicht gänzlich an Sie zu binden.

Probezeit verlängern: Geht das?

Schlupflöcher: Aufhebungsvertrag und verlängerte Kündigungsfrist

Auch wenn eine Probezeit von mehr als sechs Monaten ausgeschlossen ist, haben Arbeitgeber grundsätzlich zwei Möglichkeiten, Wackelkandidaten danach noch genauer unter die Lupe zu nehmen.

1. Die verlängerte Kündigungsfrist
Kurz vor Ablauf der Probezeit können Arbeitgeber dem jeweiligen Angestellten die Kündigung mit verlängerter Kündigungsfrist aussprechen. In diesem Fall besteht das Arbeitsverhältnis zwar weiter, doch da die Kündigung ja bereits überreicht ist, ist der Arbeitgeber nicht zur Weiterbeschäftigung verpflichtet.

2. Der Aufhebungsvertrag
Arbeitgeber können ihren Angestellten vor Ablauf der Probezeit auch einen Aufhebungsvertrag vorlegen. Auch hier kann eine verlängerte Auslauffrist vereinbart werden, sodass nach der Probezeit noch ein paar Wochen oder Monate bleiben, um die Fähigkeiten und Talente des Angestellten richtig einschätzen zu können.

Voraussetzungen:
Für beide Optionen müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. So muss dem Arbeitnehmer dafür ganz klar die bedingte Wiedereinstellungszusage gegeben werden, wenn er sich doch noch bewährt. Auch darf die verlängerte Kündigungs- bzw. Auslauffrist nicht zu lange angesetzt werden. In einem Urteil von 2002 erklärte das Bundesarbeitsgericht einen Zeitraum von vier Monaten für zulässig. Länger sollte der Arbeitgeber also nicht benötigen, um sich eine finale Meinung zu bilden.

Tipp für Arbeitnehmer:
Will Ihr Chef von Option 2 Gebrauch machen, sollten Sie den Aufhebungsvertrag in jedem Fall zunächst anwaltlich prüfen lassen und nicht voreilig unterschreiben. Immerhin können damit Sanktionen von der Agentur für Arbeit verbunden sein: Es droht Ihnen im Zweifelsfall eine Sperre des Arbeitslosengeldes von bis zu zwölf Wochen.

Die Kooperationsanwälte der Deutschen Anwaltshotline stehen Ihnen zur Seite, wenn Sie und Ihr Arbeitgeber sich uneinig sind: Die Rechtsberatung per Telefon oder E-Mail nimmt sich ihrem individuellen Fall an!

Bildquelle: iStock.com/BernardaSv

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