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Geringverdiener vs. geringfügig beschäftigt

Geringverdiener vs. geringfügig beschäftigt: Wo ist der Unterschied? Was ist zu beachten? Informieren Sie sich hier!
Author Autor: Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG / 23.02.2018
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Die Begriffe Geringverdiener und geringfügig beschäftigt werden vor allem im allgemeinen Sprachgebrauch häufig verwechselt. Dabei gibt es bei diesen Personengruppen große Unterschiede, den Verdienst oder auch die Sozialversicherungspflicht betreffend. Darüber hinaus gelten nicht mehr alle Beschäftigten, die unter der Geringverdienergrenze entlohnt werden, auch als solche. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen über Geringverdiener und ihre Ansprüche, damit Sie nicht in die Verwechslungsfalle tappen.

Wer zählt zu den Geringverdienern?

Geringverdiener sind Beschäftigte, deren monatliches Entgelt unter 325 Euro liegt. Diese Grenze gilt seit dem 1.08.2003 und wurde in den Jahren seit 1957 stetig angehoben, um sie an die steigenden Gehälter anderer Beschäftigter anzupassen. Die sogenannte Geringverdienergrenze wird allerdings seit dem 01.04.2000 nicht mehr in der Praxis umgesetzt; sie gilt pauschal nur noch für folgende Personengruppen, solange ihr monatliches Entgelt unter 325 Euro liegt:

Geringverdiener sind im Sinne der Sozialversicherung sozialversicherungspflichtig und dürfen aus diesem Grund nicht mit geringfügig Beschäftigten verwechselt werden, die sozialversicherungsfrei sind.

Unterschied Geringverdiener und geringfügig entlohnte Beschäftigte

Geringverdiener Geringfügig Beschäftigte
Auszubildende, FSJ, FÖJ, FKJ, Bundesfreiwilligendienst Alle Beschäftigten, die einem geringfügig entlohnten Minijob nachgehen
Grenze bei 325 Euro Grenze bei 450 Euro
Sozialversicherungspflichtig Sozialversicherungsfrei

Gut zu wissen: Auszubildende sind unabhängig von ihrem Verdienst immer sozialversicherungspflichtig. Das bedeutet, sie können auch ein Gehalt von 450 Euro monatlich erhalten und bleiben dennoch versicherungspflichtig.

Wer zahlt die Sozialversicherung?

Bei Geringverdienern, also Beschäftigten, die sich in einer Berufsausbildung befinden und deren monatliches beitragspflichtiges Arbeitsentgelt nicht über 325 Euro liegt, muss der Arbeitgeber den gesamten Sozialversicherungsbeitrag zahlen. Er muss auch den Arbeitnehmeranteil übernehmen und darf diesen in keinem Fall von Ihrem Entgelt einbehalten.

Für alle anderen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer, die nicht zur Berufsausbildung oder im Rahmen eines freiwilligen sozialen, ökologischen oder kulturellen Jahres beschäftigt sind, werden die Beiträge vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber grundsätzlich je zur Hälfte getragen. Das gilt auch, wenn das monatliche Arbeitsentgelt unter 325 Euro beträgt.

Der Arbeitgeber muss für Sie als Geringverdiener darüber hinaus folgende Leistungen übernehmen:

Der Zusatzbeitragssatz in der Krankenversicherung fällt immer an, auch wenn Ihre Krankenkasse keinen kassenindividuellen Zusatzbeitragssatz erhebt. Der Zusatzbeitrag für die Pflegeversicherung fällt nur an, wenn Sie kinderlos sind und das 23. Lebensjahr bereits vollendet haben.

Was passiert bei einmaliger Überschreitung der Geringverdienergrenze?

Wird die Grenze von 325 Euro im Monat aufgrund von einmaligen Zuwendungen (z.B. Weihnachts- oder Urlaubsgeld) überstiegen, übernimmt der Arbeitgeber die Abgaben bis zur Geringverdienergrenze. Für den übersteigenden Betrag werden die Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung jeweils zur Hälfte zwischen Arbeitgeber und Ihnen als Arbeitnehmer aufgeteilt. Den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz zur Krankenversicherung und den Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung, die sich aus der Differenzsumme berechnen lässt, müssen Sie in diesem Fall alleine tragen.

Bei einem monatlichen Entgelt von 300 Euro und einem zusätzlichen einmaligen Weihnachtsgeld in Höhe von 200 Euro gilt demnach folgendes:

Wie wird der Verdienst beim Geringverdiener versteuert?

Im Gegensatz zum geringfügig Beschäftigten kommt bei Ihnen als Geringverdiener keine pauschale Versteuerung in Frage, sondern lediglich die individuelle Versteuerung nach ELStAM. Da das Einkommen aber unterhalb des steuerrechtlichen Grundfreibetrags (9000 Euro/Jahr) liegt, kommt es zu keinem Lohnsteuerabzug.

Welche Zuschüsse kann ich als Geringverdiener beantragen?

Wohngeld

Als Geringverdiener ist es möglich einen Zuschuss beim Wohngeld zu beantragen. Dieser Zuschuss wird vom örtlichen Wohnungsamt gewährt, damit Sie Ihre Mietkosten decken können. Um einen solchen Zuschuss zu bekommen, müssen Sie beim örtlichen Wohnungsamt einen Antrag einreichen und Ihren Mietvertrag, Arbeitsvertrag, Nachweise über Heiz- und Stromkosten sowie eine gültige Meldebestätigung beifügen. Nach der Prüfung Ihrer Angaben erhalten Sie gegebenenfalls den Zuschuss.

Die Höhe des Zuschusses ist abhängig von Ihrem Wohnort, Mietkosten sowie zusätzlichen Kosten, die durch den Haushalt verursacht werden. Für Heizkosten gibt es keinen Zuschuss. Es gibt allerdings Höchstgrenzen, die Ihre Miete nicht überschreiten darf, um einen Zuschuss für Wohngeld zu erhalten. Bei einem Einpersonenhaushalt liegt diese Grenze bei maximal 370 Euro monatlich.

Das Wohngeld erhält man zunächst nur für ein Jahr. Wenn der Bedarf weiterhin besteht, müssen Sie rechtzeitig einen Folgeantrag stellen. Keinen Anspruch auf Wohngeld haben Sie allerdings, wenn Sie bereits BAföG oder Arbeitslosengeld erhalten. Darin ist der Zuschuss für das Wohnen bereits mit eingerechnet.

ALG II

Als Auszubildender haben Sie in der Regel keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, da Sie dem Arbeitsmarkt in der Zeit während Ihrer Ausbildung nicht zur Verfügung stehen und oftmals BAföG erhalten. Ein Zuschuss durch BAföG schließt einen Zuschuss durch Arbeitslosengeld aus. Bei Erfüllung folgender Ausnahmen haben Sie allerdings die Möglichkeit Arbeitslosengeld zu beantragen:

Wenn Sie diese Bedingungen erfüllen ist es möglich, ALG II zu beantragen. Dafür wird zuerst eine Bedürftigkeitsprüfung durchgeführt, um festzustellen, ob Ihre Eltern ihren Verpflichtungen nachgehen. Daraufhin müssen Sie alle wichtigen Antragsformulare vom Jobcenter ausfüllen. Nur, wenn Sie Ihren Bedarf nicht mithilfe Ihres aktuellen Gesamteinkommens decken können, wird Ihnen ein Zuschuss durch ALG II gewährt.

Beachten Sie, dass sich BAföG, Wohngeld und Arbeitslosengeld untereinander ausschließen, und es nicht möglich ist, alles zu beantragen!

Die Unterscheidung zwischen einem Geringverdiener und einem geringfügig Beschäftigten ist besonders wichtig, da sich daraus unterschiedliche Pflichten ergeben – vor allem in der Sozialversicherung. Darüber hinaus ist es hilfreich zu wissen, welche Zuschüsse Sie als Geringverdiener beantragen können, um Ihren monatlichen Bedarf decken zu können. Wenn Sie sich unsicher sind, welche Rechte und Pflichten für Sie gelten oder welche Zuschüsse für Sie eventuell in Frage kommen, beraten Sie die selbstständigen Kooperationsanwälte der Deutschen Anwaltshotline gerne. Die meisten Fragen lassen sich innerhalb weniger Minuten klären.

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