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Arbeitskleidung: Rechte und Pflichten im Berufsalltag

Wer trägt die Kosten für Berufs-, Dienst- oder Schutzkleidung? Hier erfahren Sie alles, was Sie über Ihre Arbeitskleidung wissen müssen.
Author Autor: Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG / 10.07.2018
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Viele Arbeitnehmer können während der Arbeitszeit tragen, was ihnen gefällt – lange oder kurze Hose, offene Schuhe, manche können sogar barfuß gehen. Andere hingegen müssen einen vorgegebenen Dresscode beachten oder bestimmte Schutzkleidung anlegen. Hier erklären wir Ihnen, wann Sie dazu verpflichtet sind, vorgegebene Kleidung bei der Arbeit zu tragen und wer die Kosten dafür zu tragen hat.

Was versteht man unter Arbeitskleidung?

Unter Arbeitskleidung fällt eigentlich sämtliche Kleidung, die Sie während Ihrer Arbeit tragen. Oft unterscheidet diese sich nicht von Ihrer privaten Kleidung. Wenn aber doch, kommt es darauf an, ob Sie Beruf- oder Dienstkleidung oder aber Arbeitsschutzkleidung am Arbeitsplatz anlegen müssen. Je nachdem ergeben sich sowohl für Sie als Arbeitnehmer, als auch für Ihren Arbeitgeber unterschiedliche Rechte und Pflichten.

Berufskleidung

Die Begriffe Berufskleidung und Dienstkleidung werden im alltäglichen Sprachgebrauch synonym verwendet, Regelungen dazu werden im Arbeitsvertrag oder in der Betriebsvereinbarung festgehalten. Sie hat den Sinn, dass sämtliche Mitarbeiter des Unternehmens – oder eine gesamte Berufsgruppe – ein einheitliches Erscheinungsbild abgeben. Berufskleidung ist demnach als eine Art Markenzeichen der Berufsgruppe zu verstehen.

Ein ganz typisches Beispiel für Berufskleidung ist zum Beispiel die Uniform bei Polizisten oder der Blaumann bei Handwerkern. Aber auch ein Poloshirt mit Firmenlogo gilt als Berufskleidung.

Schutzkleidung

Schutzkleidung hat, wie der Name schon sagt, die Funktion Sie als Träger zu schützen und möglichen Gefahren bei der Arbeit vorzubeugen. Unter Schutzkleidung fallen unter anderem die Einsatzkleidung der Feuerwehr, Schutzbrillen bei Schweißern, Sicherheitsschuhe in der Produktion oder Helme auf der Baustelle.

Sämtliche Vorschriften zur Schutzkleidung finden Sie im Arbeitsschutzgesetz (ArbSChG) und in der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstung bei der Arbeit (PSA-Benutzungsverordnung oder kurz: PSA-BV).

Muss ich Arbeitskleidung tragen?

Als Arbeitnehmer sind Sie tatsächlich (weitestgehend) in der Pflicht, die für Sie vorgeschriebene Arbeitskleidung zu tragen. Diese Pflicht ergibt sich entweder aus Unfallverhütungsvorschriften oder aber aus dem Arbeitsvertrag.

Tragepflicht für Schutzkleidung

Für Schutzkleidung bei der Arbeit sieht das ArbSchG bestimmte Pflichten, sowohl für Ihren Arbeitgeber als auch für Sie als Arbeitnehmer, vor.

Ihr Arbeitgeber muss Sorge dafür tragen, dass in seinem Betrieb die arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben eingehalten werden. In diesem Rahmen muss er Ihnen die für Ihre Tätigkeit vorgesehene Schutzausrüstung bereitstellen und für deren Instandhaltung sorgen.

Sollte Ihnen aufgrund von unzureichender Ausrüstung ein Schaden bei der Arbeit entstehen, haben Sie einen Anspruch auf Schadensersatz. Die Einhaltung der Vorschriften wird von der Berufsgenossenschaft und den zuständigen Gewerbeämtern kontrolliert – dort können Sie auch einen Verstoß Ihres Arbeitgebers melden, der dafür hohe Bußgelder zahlen muss.

Sie haben als Arbeitnehmer hingegen die Pflicht, die für Sie vorgesehene Schutzkleidung auch tatsächlich vollständig zu tragen. Das regelt § 15 Abs. 2 ArbSchG. Sie dürfen die Schutzausrüstung auch nicht zweckentfremden, da sonst Ihr Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung erlischt.

Weigern Sie sich, die vorgeschriebene Ausrüstung zu tragen, kann das zu einer Abmahnung oder sogar Kündigung führen.

Berufskleifung: Was darf der Chef vorschreiben?

Auch wenn es sich nicht um Arbeitsschutzkleidung handelt, haben einige Arbeitnehmer dennoch die Pflicht bestimmte Kleidung am Arbeitsplatz oder während Ihrer Arbeitszeit zu tragen.

Vor allem für bestimmte Berufe, wie Polizist, Pilot, Soldat oder Koch, besteht eine Verpflichtung für die vorgeschriebene Arbeitskleidung. Aber auch darüber hinaus kann der Arbeitgeber vorschreiben, was Sie während Ihrer Arbeitszeit zu tragen haben – zumindest in einem bestimmten Rahmen.

Gibt es einen Passus in Ihrem Arbeitsvertrag oder in der für Sie geltenden Betriebsvereinbarung, die eine bestimmte Kleidung bei der Arbeit vorgibt, dann gehört es zu Ihren arbeitsvertraglichen Pflichten, sich auch daran zu halten. Ihr Arbeitgeber hat in Rahmen seines Weisungsrechts nach § 106 Gewerbeordnung (GewO) die Möglichkeit, das Erscheinungsbild seiner Mitarbeiter zu bestimmen. Das gilt vor allem dann, wenn Sie Kontakt zu Kunden haben. Weigern Sie sich, die Kleidungsvorgaben umzusetzen, müssen Sie mit einer Abmahnung und bei andauernder Missachtung sogar mit einer verhaltensbedingten Kündigung rechnen.

Es gibt aber Grenzen, über die hinaus Ihr Chef Ihnen nicht mehr vorschreiben darf, was Sie zu tragen haben.

Beispiel: Die Schweizer Bank UBS legte Ihren Mitarbeitern eine 44- seitige Broschüre vor, in der penibel aufgeführt wurde, was Sie zu tragen hätten. Weibliche Mitarbeiterinnen sollten zum Beispiel nur hautfarbene Unterwäsche tragen dürfen. Diese Arbeitskleidungsvorschrift scheiterte aber an den Arbeitsgerichten.

Bei Unterwäsche und Strümpfen gilt: Ihr Arbeitgeber darf keinesfalls über Form und Farbe Ihres „Darunter“ entscheiden. Dennoch kann er bestimmen, dass Ihre Unterwäsche nicht sichtbar sein darf, wenn sich Kollegen oder Kunden dadurch belästigt fühlen könnten. BH-Blitzer sollten Sie an Ihrem Arbeitsplatz also vermeiden. Gehört es außerdem zu Ihrer Pflicht eine Uniform oder bestimmte Dienstkleidung zu tragen, darf Ihr Chef Ihnen auch vorschreiben, dass Sie etwas darunter tragen. „Unten Ohne“ ist also nicht immer erlaubt. In diesem Fall geht es nämlich um den Schutz der Dienstkleidung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ihr Chef über Ihr Äußeres Entscheidungen treffen darf, wenn diese aus Gründen der Sicherheit, Hygiene oder Imagepflege des Unternehmens erforderlich sind. Ohne einen solchen Grund, darf er nicht darüber bestimmen, welche Frisur oder welchen Schmuck Sie tragen.

Wer trägt die Kosten für Arbeitskleidung?

Viele denken, dass der Arbeitgeber für die Anschaffung der Arbeitskleidung zuständig ist, wenn ein bestimmtes Kleidungswerk vorgesehen ist. Das gilt aber nur für vorgeschriebene Schutzkleidung.

Kleidung für den Arbeitsschutz

Wenn Unfallverhütungsvorschriften das Tragen von Schutzausrüstung vorsieht, dann muss Ihr Arbeitgeber Ihnen diese auch zur Verfügung stellen – kostenlos.

Neben den Kosten für die Anschaffung der Schutzkleidung fallen für Ihren Arbeitgeber noch die Kosten für die Instandhaltung, Reinigung und gegebenenfalls Aufbewahrung an.

Gut zu wissen: Oft versuchen Arbeitgeber mithilfe einer Klausel im Arbeitsvertrag die Kosten für die Anschaffung der Schutzkleidung ganz oder teilweise auf den Arbeitnehmer abzuwälzen. Eine solche Klausel ist allerding nicht wirksam.

Sollten Sie aus dem Unternehmen ausscheiden, müssen Sie Ihre Schutzkleidung dann aber auch zurückgeben – sie gehört Ihrem Chef, der Sie ihnen quasi nur als Leihgabe für die Zeit des bestehenden Arbeitsverhältnisses zur Verfügung gestellt hat.

Sie als Arbeitnehmer haben die Pflicht sorgsam mit Ihrer Schutzausrüstung umzugehen. Beschädigen Sie sie absichtlich oder fahrlässig, müssen Sie dafür Haftung tragen.

Berufskleidung

Wenn es nicht um den Schutz bei der Arbeit geht, dann muss Ihr Arbeitgeber Ihre Kleidung auch nicht bezahlen. Wenn Sie zum Beispiel in einem Gastronomiebetrieb arbeiten und Sie und Ihre Kollegen alle die gleichen Poloshirts tragen sollen, dann kann es durchaus sein, dass Sie die Kosten dafür selber tragen oder sich zumindest daran beteiligen müssen. Nicht selten wird im Arbeitsvertrag eine Pauschale geregelt, die vom Gehalt für Arbeitskleidung abgeht.

In diesem Fall dürfen Sie die Kleidung nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses aber auch behalten.

Gut zu wissen: Hier gilt wie so oft das, was in Ihrem Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt ist. Viele Unternehmen stellen Ihren Mitarbeitern auch die einheitliche Berufskleidung für die Dauer des Arbeitsverhältnisses kostenlos oder für einen gewissen Prozentsatz der Anschaffungskosten zur Verfügung. Bekommen Sie die Kleidung vom Arbeitgeber gestellt, gilt auch hier, dass Sie diese nach Ausscheiden aus dem Unternehmen wieder zurückgeben müssen.


Lesen Sie zur Rückgabe der Arbeitskleidung einen Beispielfall aus unserer Emailberatung:

Lohn erst nach Rückgabe von Arbeitskleidung?


Sonderregelungen für Aushilfen

Sollten Sie einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen und unterhalb der Pfändungsgrenze verdienen – das sind etwa 900 Euro netto monatlich – darf Ihr Arbeitgeber Sie nicht für Ihre Arbeitskleidung zur Kasse bitten. Das gilt auch, wenn eine Kostenpauschale für Arbeitskleidung vorgesehen ist. Bliebe Ihr Nettogehalt nach Abzug dieser Pauschale unter der Pfändungsgrenze, darf Ihr Arbeitgeber keine Pauschale für Arbeitskleidung einbehalten. Das entschied das Bundesarbeitsgericht in seinem Urteil vom 17.2.2009 (AZ. 9 AZR 676/07).

Kann ich die Kosten für Arbeitskleidung von der Steuer absetzen?

Anschaffungskosten für Berufskleidung

Ja und Nein. Die Ausgaben für Berufskleidung von der Steuer abzusetzen ist zwar möglich, aber nur, wenn Sie diese Kleidung ausschließlich beruflich nutzen können (§ 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 6 Einkommenssteuergesetz). Das bedeutet, sobald Sie ihre Arbeitskleidung auch privat tragen können, fällt diese Möglichkeit weg.

Genauer gesagt: Einen Anzug, den Sie sich für Ihren Job in der Bank anschaffen, können Sie nicht von der Steuer absetzen, da Sie den problemlos auch außerhalb der Arbeit tragen können. Kleidung, die Sie für Ihre Tätigkeit als Koch benötigen, ist in der Regel nicht alltagstauglich und daher absetzbar.

Unsicherheit kommt manchmal bei Hemden oder Poloshirts auf, bei denen das Logo des Unternehmens aufgedruckt ist. Doch leider gelten diese trotz Firmenlogo als alltagstauglich. Die Kosten dafür können Sie sich leider nicht über die Steuererklärung zurückholen.

Ebenso verhält es sich mit Arbeitskleidung für Nebentätigkeiten. Diese wird vom Finanzamt leider nicht anerkannt.

Bei eindeutiger Berufskleidung können Sie die tatsächlichen Anschaffungskosten als Werbungskosten von Ihrer Steuer absetzen – selbstverständlich mit Nachweis.

Gut zu wissen: Kleidung, die Sie von Ihrem Arbeitgeber kostenlos gestellt bekommen, fällt nicht unter den lohnsteuerpflichtigen geldwerten Vorteil und ist gemäß § 3 Nr. 31 EstG steuerfrei. Die können Sie also nicht absetzen.

Reinigungskosten für Berufskleidung

Nicht nur die Anschaffungskosten für Ihre Berufskleidung lassen sich steuerlich geltend machen, sondern auch die Reinigungskosten. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie ihre Berufskleidung professionell reinigen lassen oder selbst waschen. Die Berechnung der Kosten beim Selbstwaschen ist allerdings aufwendig – deshalb können Sie pauschal 110 Euro für die Reinigungskosten Ihrer Berufskleidung angeben.

Gut zu wissen: Sollte Ihre private Kleidung im Beruf beschädigt oder beschmutzt werden, können Sie auch die Reinigungskosten dafür steuerlich absetzen.

Arbeitskleidung: Beratung durch einen Anwalt

Was darf der Chef mir vorschreiben? Muss ich mich an den Kosten beteiligen? Zum Thema Arbeitskleidung gibt es eine Menge möglicher Streitpunkte zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Wenn Sie sich mit einer dieser Fragen beschäftigen müssen, helfen Ihnen die selbstständigen Kooperationsanwälte der Deutschen Anwaltshotline gerne weiter. Per Telefon oder E-Mail beantworten sie schnell und präzise Ihre Fragen und geben Ihnen wichtige Tipps, wie Sie den Streit mit Ihrem Arbeitgeber beilegen können.

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