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Soforthilfe vom Anwalt

Alterskündigungsschutz: So wehren Sie sich gegen eine Kündigung im Alter

Haben Sie als älterer Arbeitnehmer eine Kündigung erhalten? Wir klären, warum diese vielleicht unwirksam ist und wie Sie dagegen vorgehen können.
Author Autor: Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG / 20.06.2018
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Leider gehen heutzutage viele Unternehmen davon aus, dass die Arbeitsleistung der Angestellten im Alter nachlässt – was zur Folge hat, dass Mitarbeiter über 50 vermehrt entlassen werden. Unfair? Ohne Zweifel. Rechtswidrig ist das allerdings nicht. Denn ältere Arbeitnehmer stehen unter keinem besonderen Kündigungsschutz. Jedoch ist die Situation für sie nicht aussichtslos, denn es gibt durchaus gewisse Hürden bei der Entlassung älterer Angestellter. Welche das sind und wie Sie sich wehren können, wenn Sie eine altersbedingte Kündigung erhalten, erfahren Sie hier.

Alterskündigungsschutz: Das Wichtigste auf einen Blick

Im Gegensatz zu Schwangeren oder Schwerbehinderten, die als besonders schützenswert gelten, haben ältere Arbeitnehmer gemäß dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG) keinen Anspruch auf besonderen Kündigungsschutz.

Die Kündigung älterer Mitarbeiter unterliegt allerdings den allgemeinen Kündigungsbedingungen, das heißt, sie muss objektiv gerechtfertigt sein. Außerdem muss eine Sozialauswahl erfolgen, bei der sozial schwächere Menschen – zu denen auch ältere Arbeitnehmer zählen – vor einer Entlassung bewahrt werden sollen.

Nicht zuletzt gibt es in einigen Tarifverträgen Regelungen, die eine Entlassung älterer Angestellter zusätzlich erschweren.

Allgemeine Kündigungsbedingungen

Ein Gesetz, das die Entlassung älterer Mitarbeiter explizit verbietet, gibt es zwar nicht – dennoch gelten die allgemeinen Kündigungsbedingungen. Das heißt, die Kündigung älterer Arbeitnehmer richtet sich grundsätzlich nach denselben Regelungen wie die Kündigung ihrer jüngeren Kollegen: Es muss ein personenbedingter, verhaltensbedingter oder betriebsbedingter Kündigungsgrund vorliegen.

Sozialauswahl

Das Kündigungsschutzgesetz setzt für Entlassungen eine Sozialauswahl voraus, bei der die zu entlassenden Mitarbeiter anhand bestimmter Kriterien ausgewählt werden sollen. In diesem Prozess spielen unter anderem auch die Dauer der Betriebszugehörigkeit und das Lebensalter eine Rolle, was die Kündigung älterer Angestellten deutlich erschwert. Festgelegt ist dies in § 1, Abs. 3 KSchG: „Ist einem Arbeitnehmer […] gekündigt worden, so ist die Kündigung trotzdem sozial ungerechtfertigt, wenn der Arbeitgeber bei der Auswahl des Arbeitnehmers die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Lebensalter, die Unterhaltspflichten und die Schwerbehinderung des Arbeitnehmers nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt hat“.

Auch sollte berücksichtigt werden, dass es besonders für ältere Arbeitnehmer schwierig ist, nach einer Entlassung eine neue Stelle auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Das entschied das LAG Köln am 18.02.2011 (Az. 4 Sa 1122/10) im Falle eines 53-jährigen Arbeitnehmers, der erfolgreich Kündigungsschutzklage erhoben hatte.

Doch Achtung: Die Sozialauswahl ist kein Garant dafür, dass Sie bis zur Rente weiterhin in Ihrem Betrieb beschäftigt werden. Sind Kündigungen aus betrieblichen Gründen gerechtfertigt, zum Beispiel aufgrund einer finanziellen Notlage des Unternehmens, sind diese keineswegs unzulässig. Aus diesem Grund rechtfertigen Arbeitgeber die Entlassung älterer Arbeitnehmer häufig mit betrieblichen Motiven. Diese muss er allerdings auch schriftlich belegen können. Denn sind die betriebsbedingten Gründe offensichtlich nur Deckmantel für eine altersbedingte Kündigung, können Sie als Gekündigter mit hohen Erfolgschancen Kündigungsklage wegen Altersdiskriminierung oder Sozialwidrigkeit einlegen – vorausgesetzt, das betroffene Unternehmen hat mehr als zehn Angestellte und Sie waren dort mindestens sechs Monate lang beschäftigt.

Haben Sie eine Kündigung erhalten und sind sich unsicher, ob diese sozialwidrig ist? In einem Gespräch mit einem unserer selbstständigen Kooperationsanwälte kann er Sie hinsichtlich Ihrer Möglichkeiten und weiteren Vorgehensweise beraten, Ihnen Handlungsempfehlungen geben oder Ihre Erfolgsaussichten im Falle einer Klage prognostizieren. Achtung: Da eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht nur innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung eingelegt werden kann, gilt es, schnell zu handeln.

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Tarifvertragliche Ausnahmen

Auch in einigen Tarifverträgen gibt es Klauseln, die die Entlassung von Mitarbeitern über 55 Jahren erheblich erschweren. Der Tarifvertrag für Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst verbietet beispielsweise die Kündigung von Personen, die über 55 Jahre alt sind und seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sind, wenn diese mit geringerer Arbeitsleistung begründet wurde. Informieren Sie sich am besten im für Sie geltenden Tarifvertrag, ob für Sie ein spezieller Alterskündigungsschutz gilt.

Abfindung

Werden Sie betriebsbedingt entlassen, haben Sie in der Regel Anspruch auf eine Abfindung. Und hier gibt es eine gute Nachricht für Arbeitnehmer über 50, die schon jahrelang beschäftigt sind, denn die Höhe der Abfindung richtet sich nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Dabei kann diese sogar bis zu 18 Monatsgehälter ausmachen: „Hat der Arbeitnehmer das fünfzigste Lebensjahr vollendet und hat das Arbeitsverhältnis mindestens fünfzehn Jahre bestanden, so ist ein Betrag bis zu fünfzehn Monatsverdiensten, hat der Arbeitnehmer das fünfundfünfzigste Lebensjahr vollendet und hat das Arbeitsverhältnis mindestens zwanzig Jahre bestanden, so ist ein Betrag bis zu achtzehn Monatsverdiensten festzusetzen“ (§10 KSchG).

Alterskündigungsschutz: Beratung durch einen Anwalt

Ältere Arbeitnehmer haben es oft schwer, nach einer Entlassung eine neue Stelle zu finden. Deshalb sollte deren Kündigung wirklich nur dann erfolgen, wenn sie für das Unternehmen nicht vermeidbar und sozial gerechtfertigt ist. Leider können viele Arbeitnehmer letzteres nur schlecht einschätzen und so kommt es häufig zur Hinnahme einer Kündigung, die eigentlich unzulässig wäre. Um dies zu vermeiden, sollten Sie sich Rat bei einem Experten holen. Dieser kann beurteilen, ob die Kündigung sozial ungerechtfertigt war, und in Ihrem Fall die Erfolgsaussichten einer Kündigungsschutzklage prognostizieren.

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