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Arbeit und Beruf

Abmahnung Arbeitsrecht - Infos und Rechtsberatung

08.01.2018 /
Author Autor: Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG

Wer sich in der Arbeit unerwünscht verhält, der erhält in der Regel nicht sofort eine Kündigung vom Arbeitgeber, sondern zunächst eine Abmahnung. Was es damit auf sich hat und wie Sie sich am besten verhalten, wenn Ihr Chef Ihnen eine Abmahnung ausgesprochen hat, lesen Sie hier.

1. Was ist eine Abmahnung?

Eine Abmahnung liegt vor, wenn der Arbeitgeber in einer für den Arbeitnehmer hinreichend deutlichen Weise Leistungsmängel oder Fehlverhalten beanstandet und damit - im Gegensatz zur Ermahnung oder Rüge - den Hinweis verbindet, dass im Wiederholungsfalle der Inhalt oder Bestand des Arbeitsverhältnisses gefährdet ist, also eine Kündigung droht. Die Abmahnung muss grundsätzlich beinhalten, worin das konkrete Fehlverhalten lag, einen Hinweis auf den Arbeitsvertraglichen Verstoß, der Aufforderung zur Besserung des Verhaltens und schließlich der Androhung eindeutige arbeitsrechtlicher Konsequenzen. Sie darf also nicht pauschal und muss so genau wie möglich formuliert sein. Ansonsten ist sie an keine Form gebunden Die Abmahnung muss vor einer außerordentlichen bzw. fristgemäßen verhaltens- oder leistungsbedingten Kündigung erfolgen. Nur in Ausnahmefällen ist eine Abmahnung entbehrlich. Dies kann bei besonders schwerwiegendem Fehlverhalten, welches die Vertrauensbasis irreparabel zerstört hat, der Fall sein.

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Wichtig: Eine Abmahnung muss vom Vorgesetzten nicht schriftlich erteilt werden. Eine mündliche Abmahnung reicht auch aus, um sich darauf in einer späteren Kündigung zu berufen. Mündliche Abmahnungen lassen sich aber nicht in die Personalakte aufnehmen.

2. Wann darf mein Chef mich abmahnen?

Zuerst ist wichtig, dass Ihr Chef Sie nur abmahnen kann, wenn Sie gegen Ihre vertraglichen Arbeitspflichten verstoßen haben. Der Verstoß gegen die Vertragspflichten muss willentlich erfolgen. Das bedeutet zum Beispiel, dass eine Abmahnung wegen Krankheitstagen selten möglich ist. Häufig abgemahnt werden dabei Verstöße wie verspäteter Arbeitsbeginn, Verstoß gegen die Anzeigepflicht von Fehltagen oder das Nichtbefolgen von Arbeitsanweisungen. Auch beispielsweise Unfreundlichkeit gegenüber Kunden kann zu einer Abmahnung führen, entschied das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (Aktenzeichen 2 Sa 17/14).

Natürlich darf sich der Arbeitgeber auch nicht einfach Vorwürfe ausdenken, sondern muss spätestens wenn es zu einer Kündigungsschutzklage kommt, diese nachweisen können.

3. Abmahnung erhalten: Was kann ich tun?

Wenn Sie eine Abmahnung erhalten haben gibt es mehrere Möglichkeiten damit umzugehen. In jedem Fall sollten Sie sich allerdings nicht in einem Gespräch in der Hitze des Gefechts zu Rechtfertigungen oder gar Aussagen, die Sie später bereuen könnten, hinreißen lassen. Ihr Arbeitgeber hat sich schließlich Zeit genommen, die Vorwürfe klar und schriftlich zu formulieren. Also steht Ihnen auch Zeit zu, Ihr weiteres Vorgehen zu bedenken.

Wichtig: Sie sind gesetzlich nicht zu einer Stellungnahme verpflichtet. Selbst wenn Ihr Arbeitgeber dies in der Abmahnung von Ihnen fordert – eventuell sogar innerhalb einer gesetzten Frist. Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

Wenn Sie eine Stellungnahme abgeben möchten, haben Sie nun die Möglichkeit eine Gegendarstellung abzugeben, die ebenfalls mit der Abmahnung in die Personalakte aufgenommen wird. Eine Frist existiert für die Gegendarstellung nicht. Überlegen Sie sich aber auch diesen Schritt. Vielleicht hat Ihr Arbeitgeber im Affekt eine mündliche Abmahnung ausgesprochen. In diesem Fall ist ein klärendes Gespräch definitiv die bessere Wahl.

Als letztes Mittel steht Ihnen noch die Möglichkeit einer Klage vor dem Arbeitsgericht offen. Diesen Schritt sollten Sie sich allerdings gut überlegen, da Sie im Falle eines Gerichtsprozesses natürlich gegen Ihren Arbeitgeber aussagen müssten und danach wieder im Betrieb weiterarbeiten.

4. Kann ich die Abmahnung aus meiner Personalakte entfernen lassen?

Zuerst ist es wichtig zu wissen, dass jeder Arbeitnehmer das Recht hat, jederzeit Einsicht in die Unterlagen, die in seine Personalakte aufgenommen wurden, zu nehmen. Stellt sich bei einer solchen Einsicht heraus, dass dort eine Abmahnung vermerkt ist, die zu unrecht ergangen ist, haben Sie als Mitarbeiter die Möglichkeit, diese entfernen zu lassen.

Das erreichen Sie mit einem Widerspruch, einer Gegendarstellung oder einer Aufforderung an den Arbeitgeber, die Abmahnung aus der Personalakte zu entfernen. Das ist allerdings nur erfolgversprechend, wenn Sie nachweisen können, dass die Abmahnung nicht gerechtfertigt war. Wie lange aber eine gerechtfertigte Abmahnung in der Personalakte verbleibt, liegt im Ermessensspielraum des Arbeitgebers.

Wenn Sie die Abmahnung aus der Personalakte entfernt haben möchten, ist ein formloses Schreiben ausreichend.

5. Kündigung ohne Abmahnung: Ist das erlaubt?

In häufigen Fällen ist eine Abmahnung vor einer Kündigung notwendig. Gerichte entscheiden häufig zugunsten des Gekündigten, der gegen seine Kündigung vorgeht, wenn er vorher nicht abgemahnt worden ist. Dabei gilt stets der Grundsatz, dass eine Kündigung nicht wirksam ist, wenn davon auszugehen ist, dass sich das Verhalten mit einer Abmahnung geändert hätte. Wer also versehentlich zu spät zur Arbeit erscheint und deshalb gleich gekündigt wird, hat gute Chancen, dass seine Kündigung unwirksam ist. Mehr über die Kündigung im Arbeitsrecht erfahren Sie hier.

Es empfiehlt sich aber immer, eine Abmahnung anwaltlich prüfen zu lassen. Häufig sind Abmahnungen schon ungültig, weil der Vorgesetzte gegen die Voraussetzungen verstoßen hat. Die selbstständigen Kooperationsanwälte der Deutschen Anwaltshotline helfen Ihnen hier gerne weiter.

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