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Wildfliegen: Ewiger Konflikt zwischen Modellpiloten und Jägern?


Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Roland Hoheisel-Gruler
Stand: 22.04.2014

Wildfliegen ist die Alternative zum im Verein organisierten Modellflug. Damit ist nicht unbedingt illegales „Schwarzfliegen“ gemeint – vielmehr jener, der legal ohne jeglichen bürokratischen Aufwand betrieben werden kann. Werden also alle Kriterien für das genehmigungsfreie Fliegen beachtet – Modell unter 5 kg, ausreichend Abstand zu Wohngebieten oder Flughäfen, um nur einige zu nennen – spricht zunächst nichts gegen den freien Flug. Dennoch überschneiden sich in der Praxis häufig die Rechte jener, die den Raum gemeinsam nutzen. Konflikte zwischen Modellpiloten und Jägern kommen immer wieder auf, da eine oder beide Seiten die eigenen Rechte bzw. die des anderen nur unzureichend kennen.

Zur Jägerpflicht gehört es meist, bestimmte Abschussquoten zu erfüllen. Daher ist sein Recht auf Jagdausübung vor bestimmten Beeinträchtigungen geschützt und Jagdstörung kann bestraft werden. Der Modellflug muss oft mit dem Vorwurf leben, das Wild des Jägers zu stören. „Grundsätzlich kann der Modellflug nicht als Jagdstörung im rechtlichen Sinne bezeichnet werden“, stellt Roland Hoheisel-Gruler, Rechtsanwalt für Jagdrecht, klar. Denn das Wild wird ebenso durch andere Waldbesucher verschreckt, wie etwa Pilzsammler, Mountainbiker, Reiter oder Spaziergänger, die zunächst einmal ebenso grundsätzlich berechtigt sind, Wald und Wiesen zu nutzen. Trotzdem: Die Nutzung des öffentlichen Raums regelt jede Gemeinde selbst. So kann sie beispielsweise zu bestimmten Zeiten das Betreten des Waldes aus Jagd- oder Naturschutzgründen verbieten, oder auch den Modellflug komplett untersagen.

Weist also ein Jäger den Modellpiloten in die Schranken, ist es zunächst wichtig zu wissen, wen man vor sich hat:

  • Ein Förster ist ein Mitarbeiter der Forstverwaltung. Er ist staatlicher Beamter und verfügt über hoheitliche Befugnisse, die in den jeweiligen Wald- und Forstgesetzen der Länder geregelt sind. In der Regel räumen Bundesländer den Forstschutzbeamten die Stellung von Polizei(vollzugs-)beamten ein. Ist etwa der Modellflug in bestimmten Gebieten explizit verboten, so kann er mit den ihm kraft Gesetzes zur Verfügung stehenden Mitteln gegebenenfalls auch durchsetzen. Dazu gehört das Recht der Feststellung der Personalien, und Weigerung oder Falschangaben eine Ordnungswidrigkeit darstellen.
  • Ist der Jäger gleichzeitig Grundstückseigentümer, so steht es ihm nach Belieben frei, den Modellflug zu dulden oder den Piloten eben von seinem Grundstück zu verjagen. Dass grundsätzlich jeder Modellflug auf privatem Grund das Einverständnis des Eigentümers voraussetzt, sollte ohnehin der verantwortungsbewusste Modellpilot wissen.
  • Ein Jagdpächter aber hat im jeweiligen Jagdbezirk lediglich das Recht (und die Pflicht), die Jagd auszuüben. Einem rechtmäßigen Waldbesucher steht er grundsätzlich als Privatperson gleichberechtigt gegenüber. Sein Jagdrecht berechtigt ihn nicht dazu, jemanden des Waldes oder der Wiese zu verweisen, weil etwa das Wild gestört werden könnte. Möchte der Jagdpächter einen Rechtsverstoß erkannt haben, steht es ihm frei – wie jedem anderen auch – Anzeige zu erstatten.

Gerade beim Wildfliegen sollte der Modellpilot stets über den Raum Bescheid wissen, den er nutzt. Natürlich ist nicht jedes Privatgelände eingezäunt oder die Gemeindeverordnung vor jeder Wiese mit einem Schild ausgestellt. Hier gilt es, sich vorab zu informieren, um Konflikte stets im Vorhinein aus dem Weg zu gehen. Vogelschutzgebiete und Naturschutzgebiete meidet man idealerweise gleich, denn sie können ein Komplettverbot für den Modellflug haben oder eine Genehmigungspflicht dafür erfordern. Eine bundesweite Übersicht für derartige Gebiete ist auf dieser Seite zu finden. „Bei der Suche nach geeigneten Aufstiegsgeländen zieht man idealerweise die jeweiligen Naturschutzbehörden oder Jagdbehörden zurate“, rät Rechtsanwalt Hoheisel-Gruler.

Wer im Konflikt zwischen Modellpilot und Jäger letztlich recht hat, ist daher stets eine individuelle Frage. Oftmals ist auch keine detaillierte Klärung oder Abwiegung der Rechte beider Seiten nötig, die friedliche Koexistenz wird in der Praxis durch persönliche Absprachen und gegenseitiges Verständnis arrangiert. Schließlich überschneiden sich die Wirkungsgebiete von Modellflieger und Jäger nicht gänzlich: Denn Modellflug findet nie im Wald und höchstens am Wald statt. Auch sind Modellpiloten zeitlich flexibel, während Jäger nur zu bestimmten Zeiten aktiv sind. „Gegenseitige Rücksichtnahme und ebensolches Verständnis sind daher oft die bessere Lösung als ein aufwendiger Rechtsstreit“, so der Anwalt.

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