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Mutter darf sechsjährigen Sohn nicht beschneiden lassen


Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Daniela Sämann
Stand: 02.10.2013

KindeswohlEltern dürfen nur in bestimmten Fällen eine nicht medizinisch notwendige Beschneidung anordnen

Eine Mutter darf ihren sechsjährigen Sohn nicht beschneiden lassen, auch wenn ihr das alleinige Sorgerecht zusteht. Eine Beschneidung darf nur dann erfolgen, wenn das Kindeswohl nicht beeinträchtigt wird. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden und dabei gleichzeitig gesetzliche Voraussetzungen für eine Beschneidung ohne medizinische Notwendigkeit genauer definiert (Az. 3 UF 133/13).

Eine 31-jährige geschiedene Mutter, die das alleinige Sorgerecht ihres sechsjährigen Sohnes hat, stritt sich mit dem Kindesvater darüber, ob sie ihren Sohn beschneiden lassen darf. Der Junge sollte aus kulturellen Gründen beschnitten werden, damit er bei einem Besuch in Kenia als volles Mitglied der Gesellschaft anerkannt wird. Die Mutter ist außerdem der Meinung, dass eine Beschneidung deutlich positiv zur Hygiene beitragen würde.  Das Oberlandesgericht Hamm hat geurteilt: Die Mutter darf die Entscheidung über eine Beschneidung nicht treffen. Vielmehr müsse ein Ergänzungspfleger des zuständigen Jugendamtes über die Befugnis einer Beschneidung urteilen.

Nach der neuen Vorschrift aus dem § 1631 BGB stehe einer sorgeberechtigten Mutter zwar zu, eine medizinisch nicht unbedingt notwendige Beschneidung anzuordnen, falls der Junge noch nicht selber darüber entscheiden kann. Allerdings habe die Mutter die geplante Beschneidung nicht mit ihrem Sohn besprochen und somit die Wünsche des Kindes ignoriert. Gesetzlich ist das aber vorgeschrieben und die Mutter konnte vor Gericht ein solches Gespräch mit ihrem Sohn nicht nachweisen. „Eine Beschneidung könnte das Kindeswohl gefährden. Die Gefahr, das psychische Wohlbefinden des Kindes zu stören, war den Richtern hier zu hoch“, erklärt Rechtsanwältin Daniela Sämann.

Bild: Fotos FOVBA/flickr/cc-by

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