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Fristlose Kündigung nach Beleidigung in Facebook-Gruppe unwirksam

Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Carsten Dreier
Stand: 24.09.2013

KuendigungBeleidigungen in Facebook-Gruppen können weitreichende Folgen haben - in diesem Fall kam ein Arbeitnehmer nochmal glimpflich davon

Beleidigt ein Mitarbeiter seinen Arbeitgeber in einer offenen Facebook-Gruppe mit „asoziale Gesellschafter“ oder „ich kotze gleich“, so kann, wenn mildernde Umstände vorliegen, eine fristlose Kündigung als unwirksam gewertet werden. Das hat das Hessische Landesarbeitsgericht entschieden (Az. 21 Sa 715/12).

Ein Mitarbeiter in einem Druckbetrieb äußerte sich mit den Worten „asoziale Gesellschafter“ und „ich kotze gleich“ herablassend in einer offenen Facebook-Gruppe über seinen Arbeitgeber. Der Grund für die emotionale Entgleisung: eine rege Diskussion und anschließendes Wortgefecht zwischen dem Mitarbeiter und einem Geschäftsführer zum Thema Tarifvertrag. Als sein Arbeitgeber die Beleidigungen gelesen hat, kündigten sie ihm fristlos. Der Arbeitnehmer wollte die Kündigung nicht hinnehmen und klagte vor Gericht.

Der Klage wurde stattgegeben. Die Beleidigung „asozial“ sei zwar besonders hart und kränkend, allerdings haben die Richter nach einer Interessensabwägung entschieden, dass das Interesse des Klägers, der seinen Arbeitsplatz behalten möchte, überwiegt. Hinzu komme, dass der Kläger seit 28 Jahren im Betrieb arbeitet und nie negativ aufgefallen war. Außerdem habe der Kläger die Beleidigungen nach einer Nachtschicht in die Gruppe geschrieben. Die öffentliche Beleidigung müsse als Fehltritt gewertet werden. Der Kläger habe sich schließlich im Anhörungsgespräch bei den Geschäftsführern entschuldigt.

Das Unternehmen legte Berufung gegen die Entscheidung ein, allerdings haben die Richter des Hessischen Landesarbeitsgerichts auf die Entscheidung der Vorinstanz verwiesen. „In diesem Fall waren es mildernde Umstände, die den Arbeitnehmer hier vor einer Kündigung bewahrt haben. Wann etwas als mildernder Umstand gewertet wird, hängt immer von der Sichtweise der Gerichte ab“, erklärt Rechtsanwalt Carsten Dreier.

Bild: mkhmarketing/flickr/cc-by

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