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Totalverlust eines stillen Gesellschafters

Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Jetta Kasper
Stand: 19.09.2013

Ein Anlageberater darf nicht nur die besonderen Vorteile einer von ihm ausgewählten Anlageform herausstellen. Er hat, auch ungefragt, immer auf alle bestehenden Risiken hinzuweisen. Selbst wenn es sich dabei seiner Auffassung nach um Selbstverständlichkeiten handelt. Vor allem aber muss das von ihm empfohlene Anlageprodukt dem Anlageziel seiner Kunden entsprechen. Davon kann aber bei einem von Anfang an drohenden Totalverlust nicht die Rede sein, wenn das zur Disposition stehende Geld ausdrücklich zur Altersvorsorge angelegt werden sollte. Das hat das Oberlandesgericht Oldenburg jetzt klargestellt (Az. 8 U 66/13). Und den betreffenden Anlageberater zur Zahlung von Schadensersatz in Höhe von über 13.000 Euro verurteilt.

Der nebenberuflich tätige Finanzmann hatte einem Kunden die Beteiligung als atypischer stiller Gesellschafter an einer GmbH für Vermögensanlagen empfohlen. Im Unterschied zu typischen stillen Gesellschaftern, die in der Regel allein "partiell" am Gewinn beteiligt sind und Verluste nicht steuerlich als Werbungskosten geltend machen können, könne er hier vorübergehende Ausfälle steuerlich berücksichtigen lassen, weil er in dieser Sonderform der Anlage nunmehr nicht nur am Gewinn, sondern auch am Verlust der Gesellschaft beteiligt ist. Dass diese Form der "totalen" Beteiligung natürlich auch zum Totalverlust führen kann, was durch keinen Steuervorteil mehr ausgeglichen wird, verschwieg der Anlageberater jedoch geflissentlich.

Und es kam, wie es kommen musste: Durch die Insolvenz der zur "Göttinger Gruppe" gehörenden Gesellschaft verlor der Anleger sein gesamtes eingesetztes Geld. Allerdings kann er sich das jetzt vom Anlageberater zurückholen. Denn der habe - so das Gericht - wider besseren Wissens eine Kapitalanlage empfohlen, die nicht dem ausdrücklichen Anlageziel dient. Jedenfalls komme für eine Altersvorsorge keine Kapitalanlage in Frage, die mit dem Risiko eines Totalverlustes behaftet ist. "Es handelt es sich also um eine grob fahrlässige Falschberatung, für die nunmehr der Finanzberater zu haften hat", erklärt Rechtsanwältin Jetta Kasper.

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