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Gegenschlag mit Bierglaskrug Notwehrmaßnahme?


Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Dr. Sonja Tiedtke, LL.M.
Stand: 19.08.2013

NotwehrEin Bierglaskrug als Lebensretter

Bei einem körperlichen Angriff auf sich oder einen Begleiter ist es erlaubt sich mit dem mildesten Abwehrmittel zu verteidigen, um somit den Angreifer unschädlich zu machen und den Angriff endgültig abzuwehren. Die angegriffene oder helfende Person muss aber nicht unbedingt auf Verteidigungsmittel zurückgegriffen, bei denen der Ausgang der Auseinandersetzung ungewiss ist, und kann in Extremsituationen auch lebensgefährliche Objekte nutzen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden und somit das Recht zur Notwehr und Nothilfe gestärkt (Az. 1 RVs 38/13).

Ein 23-jähriger Schüler und seine Gruppe beschimpften einen anderen jungen Mann und dessen Gruppe als „Kanaken“. Daraufhin kam es zu einem Wortgefecht zwischen beiden Parteien und zwei der beschimpften Personen näherten sich den Provokateuren. Als sie neben der Gruppe standen, holte der spätere Kläger zum Faustschlag aus und traf den Unterkiefer eines der Provokateure. Daraufhin hat der angeklagte 23-jährige Schüler den Angreifer mit einem Bierglaskrug auf den Kopf geschlagen, um seinen Begleiter zu schützen und ihn vor weiteren Schlägen zu bewahren. Die Folge der Nothilfehandlung: Eine Platzwunde, ein Hämatom und eine Gehirnerschütterung. Der Verletzte verklagte den 23-jährigen Schüler.

Die Klage wurde abgewiesen. Das Oberlandesgericht Hamm vertritt die Meinung, dass die Nothilfe nach § 32 StGB gerechtfertigt ist. Der Angeklagte habe lediglich seinen Begleiter geschützt, welcher durch einen Fausthieb niedergestreckt wurde. Da der Kläger nach seinem Faustschlag nicht zurückgewichen sei, hat der Angeklagte eindeutig eine Nothilfehandlung begangen. Die Richter sind nach den Zeugenaussagen davon überzeugt, dass der Kläger weiter auf den Begleiter eingeprügelt hätte, wenn der Angeklagte nicht eingriffen hätte. „In Ausnahmefällen dürfen auch lebensgefährliche Verteidigungsmittel eingesetzt werden, um einen Angriff schnellstmöglich abzuwehren und zu beenden“, erklärt Rechtsanwältin Dr. Sonja Tiedtke.

Bild: erink_photography/flickr/cc-by

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