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Mitschuld des Auftraggebers am Bauschaden

Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Jörg-Matthias Bauer
Stand: 03.07.2013

Cliff House San FranciscoEin Bauvorhaben an der Steilküste ist ein Risikoprojekt

Ein Hauseigentümer kann an seinem Schaden, der aus fehlerhaften Baugutachten resultiert, mitverantwortlich gemacht werden, wenn bewiesen werden kann, dass er das Schadensrisiko auch bei korrekter Planung des Architekten und Statikers eingegangen wäre. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Fall eines abgerissenes Hauses an der Rügener Steilküste (Az. VII ZR 4/12).

Die Eigentümerin eines jahrzehntealten Hauses an der Steilküste von Rügen wollte dieses sanieren und gab daher bei einer Architektengesellschaft und einem Statiker ein Baugrundgutachten in Auftrag. Damit sollte die Sicherheit des Gebäudes geprüft werden, was für die Genehmigung des Sanierungsvorhabens erforderlich gewesen ist. Diese wurde mit der Auflage erteilt, dass eine Bodenuntersuchung vorgenommen wird – die Gutachter aber versäumten diese. Mehrere Monate nach der Sanierung brach ein Stück der Steilküste weg, sodass das Haus unmittelbar am Abgrund stand und schließlich abgerissen werden musste.

Die nunmehr nur noch Grundstückseigentümerin verklagte die beauftragten Architekten und Statiker auf Schadensersatz, dessen Höhe sie mit 2,9 Millionen angegeben hat. Die Beklagten hätten nicht nur gemäß der Auflage den Baugrund untersuchen, sondern ihr auch die konkreten Risiken des Steilküstenabbruchs ausführlich darlegen müssen. Die Fachleute wehrten sich damit, dass die Gefährdung des Abbruchs der Auftraggeberin bewusst gewesen ist. Das Landgericht Stralsund hatte die Klage abgewiesen, während die nächsthöhere Instanz, das Oberlandesgericht Rostock der Klägerin den Anspruch auf Schadensersatz uneingeschränkt zusprach.

Nun entschied der Bundesgerichtshof, dass der Auftraggeberin nicht unbedingt ein Schadensersatz zusteht, da sie eine Mitschuld tragen könnte, wenn die Beklagten nachweisen können, dass die Eigentümerin auch bei fehlerlosen Vorgehen ihrerseits die risikoreiche Sanierung durchgeführt hätte. „Ob das tatsächlich der Fall ist, wird das Berufungsgericht festzustellen haben“, erklärt Rechtsanwalt Jörg-Matthias Bauer. Unstrittig war für den BGH ebenso, dass die beklagten Architekten und Statiker die zur Last gelegten Fehler begangen haben und die Auftraggeberin von der Gefahr des Steilhangabbruchs wusste. Lediglich das Risiko sei für sie nicht einschätzbar gewesen.

Bild: Ed Bierman/flickr.com/cc-by

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