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Berufsgenossenschaft haftet nach Schlangenbiss


Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Hans-Jürgen Leopold
Stand: 10.06.2013

Frage: Meine Tochter, die bei mir familienversichert ist, will ihr Praktikum unbedingt in einer Schlangenfarm machen. Was aber, wenn sie dort von einem der gefährlichen Tiere dort angefallen und verletzt wird? Darf dann meine Versicherung die Zahlungen wegen leichtsinnigen Eigenverschuldens verweigern - schließlich hat das Mädchen ja niemand zu den Schlangen getrieben? Oder bekommt sie wenigstens Schmerzensgeld vom Arbeitgeber?

Antwort: Wird Sie bei der Arbeit dort gebissen, ist das auf alle Fälle ein Arbeitsunfall. Die Berufsgenossenschaft des Betreibers der Farm kommt also für alle Behandlungskosten und jeden weiteren Schadensersatz auf. Allerdings entfällt damit der Anspruch auf ein Schmerzensgeld durch den Arbeitgeber.

Einen ähnlichen - wenn auch weniger exotischen - Fall hatte das Landesarbeitsgericht Hessen zu entscheiden (Az. 13 Sa 2141/08). Dabei ging es um die fehlgeschlagene Kastration eines Katers in einer Tierklinik. Als eine Hilfstierpflegerin das Tier zum ultimativen Schnitt einfangen wollte, rastete das Tier aus und biss ihr in die linke Hand. Eine Infektion verkomplizierte den Heilungsprozess derart, dass der Frau schließlich eine Prothese des Fingermittelgelenks eingesetzt werden musste.

Sie verlange nur von der Klinikleitung Schmerzensgeld. Der Arbeitgeber hätte davon ausgehen müssen, dass es beim Einfangen des renitenten Katers durchaus zu Verletzungen kommen konnte.

Dem stimmte der Richter zwar bei. Doch gab er zu bedenken, dass die Klinik dabei offenkundig nicht billigend in Kauf genommen habe, dass sich die Mitarbeiterin in derartiger Weise verletzen und einen solchen Schaden davontragen würde. "Aber einem geschädigten Arbeitnehmer steht bei einem Arbeitsunfall nur dann einen Schadensersatz oder Schmerzensgeld seitens seines Arbeitgebers zu, wenn dieser den Schaden vorsätzlich herbeigeführt hat", erklärt Rechtsanwalt Hans-Jürgen Leopold.

Mit dieser gesetzlichen Bestimmung soll übrigens erreicht werden, dass an die Stelle der privatrechtlichen Haftung bei Arbeitsunfällen die sozialversicherungsrechtliche Gesamthaftung der Berufsgenossenschaft tritt. Sonst könnte es nämlich durch eine Fülle von zivilrechtlichen Haftungsfragen zu unüberschaubaren Konfliktsituationen in den Betrieben kommen, welche der Gesetzgeber vermeiden will.

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