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Hauttransplantation - Pflegeheim muss Behandlungskosten übernehmen


Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Tanja Leopold
Stand: 10.06.2013

Pflegeheim
Potenzielle Risiken müssen von Pflegepersonal erkannt und vermieden werden

Wenn das Pflegepersonal eine pflegebedürftige Heimbewohnerin unbeaufsichtigt in einem Raum lässt und diese sich an heißem Tee verbrüht, muss der Heimbetreiber die Behandlungskosten von Verletzungen tragen. Das hat das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht entschieden (Az. 4 U 85/12).

Im vorliegenden Fall ging es um eine 73-jährige pflegebedürftige Frau, welche im Rollstuhl saß und nicht selbstständig essen oder trinken konnte. Das Pflegepersonal brachte die Frau und weitere Heimbewohner nach dem Mittagessen in einen anderen Raum und ließ diese dann unbeaufsichtigt. Somit war die Frau im Rollstuhl unter anderem mit Demenzkranken Heimbewohnern im Aufenthaltsraum. Nach einiger Zeit sah das Pflegepersonal nach dem Rechten und bemerkte dabei, dass sich die alte Frau schwerste Verbrennungen durch heißen Tee zugefügt hatte. Dabei waren die Verbrennungen teilweise so schwerwiegend, dass auch Hauttransplantationen nötig waren. Über vier Wochen wurde die Verletzte im Krankenhaus behandelt. Die Behandlungskosten beliefen sich dabei auf 85.000 Euro und die Krankenkasse forderte diese vor Gericht beim Heimbetreiber ein.

Die Richter haben zugunsten der Krankenkasse entschieden. Es liege eine Pflichtverletzung des Pflegepersonals vor, denn dieses muss davon ausgehen, dass unbeaufsichtigte Heimbewohner die Thermoskanne mit Tee von der Fensterbank nehmen und versuchen, der alten Frau Tee einzuschenken. „Die Pflegeheimmitarbeiter hätten hier zuvor erkennen müssen, dass die Thermoskanne mit dem heißen Tee ein potenzielles Risiko für die unbeaufsichtigten Heimbewohner darstellt“, so Rechtsanwältin Tanja Leopold. Das Personal müsse zwar die Heimbewohner nicht ständig beaufsichtigen, da es sich hier um ein Heim handelt, indem zum Teil selbstständiges und selbstverantwortungsvolles Handeln der Heimbewohner weitestgehend begrüßt wird. Allerdings gehöre es dennoch zu den Aufgaben, gefährliche Situationen von vornherein zu vermeiden.

Bildquelle: Seansie/flickr/cc-by

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