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Als Pendler verspätet zur Arbeit


Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Tanja Leopold
Stand: 15.05.2013

Frage: Ich bin Pendler, fahre jeden Tage morgens anderthalb Stunden zu Arbeit hin und abends wieder zurück. Jetzt wird an der Strecke gebaut und es kommt immer wieder zu gewaltigen Staus. Muss es mein Chef da hinnehmen, dass ich zu spät zur Arbeit komme?

Antwort: Nein, es gäbe keinen rechtlichen Pendler-Bonus beim morgendlichen Zuspätkommen zur Arbeit, erklärt Rechtsanwältin Tanja Leopold. Wie weit entfernt von der Firma ein Arbeitnehmer wohnt, sei seine reine Privatsache. Mit längeren Wegstrecken steigt verständlicherweise die Wahrscheinlichkeit, irgendwo stecken zu bleiben - doch das ist ein so genanntes „Wegerisiko“, für das jeder Arbeitnehmer selber einzustehen hat.

Gesetzlich verbriefte Rücksichtnahme und einen Anspruch auf „Lohn ohne Arbeit“ gibt es nur bei einem so genannten persönlichen Grund, der in der Person des einzelnen Arbeitnehmers liegt und „subjektiv“ sein muss - wie etwa ein während der Arbeitszeit erforderlicher Arztbesuch oder Behördengang. Muss der Pendler dagegen auf der Strecke wegen durch einen nächtlichen Sturm umgekippter Bäume an diesem Morgen besonders langsam fahren und bleibt zusammen mit vielen Schicksalsgenossen im Stau stecken, so liegt kein nur ihn betreffender persönlicher Grund für den Arbeitsausfall vor - und er hat, wenn der Chef darauf besteht, Abstriche bei der Entlohnung hinnehmen. Das gilt für alle Angestellten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln und damit nicht individuell verspätet zur Arbeit kommen. Der Chef darf dann verlangen, die versäumte Zeit zumindest nachzuarbeiten. Sogar dann, wenn es ein von der Firma organisierter Zubringer war, der unpünktlich angekommen ist, liegt keine „persönliche“ Arbeitsverhinderung im Sinne des Gesetzes vor.

Das Verhalten eines sich verspäteten Mitarbeiters gilt schon dann als schuldhaft, wenn er vor der scheinbar ausweglosen Situation einfach kapituliert und keine weiteren Versuche unternimmt, doch noch rechtzeitig zur Arbeit zu gelangen. Dann ist durchaus eine Abmahnung gerechtfertigt. Der zu entgehen, genügt in der Regel schon ein kurzer Handy-Anruf von unterwegs mit der Information, dass man später eintreffen werde.

Schlimmstenfalls können Verspätungen tatsächlich auch eine Kündigung nach sich ziehen – nämlich dann, wenn jemand immer wieder selbst verschuldet zu spät kommt (Landesarbeitsgericht Köln, Az. 5 Sa 746/08). Wobei die Situation in der Regel stets schnell eskaliert, wenn das Zuspätkommen aufgrund des Charakters der Arbeit besonders ins Gewicht fällt. Wer etwa in einer von häufigen Wetterunbilden betroffenen Gegend derjenige ist, der morgens die Türen in der Firma aufsperrt, weil er als Einziger einen Schlüssel hat, dem empfiehlt die erfahrene Anwältin, sich wohl doch besser schon vorsorglich von selbst nach einem anderen Job oder prophylaktisch nach einer näher gelegenen Wohnung umzusehen.

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