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Erbt die Vorerbin doch alles?


Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Hans-Jürgen Leopold
Stand: 07.05.2013

Frage: Mein Vater hatte in seinem Testament unsere Mutter als "Alleinerbin" eingesetzt, wobei ich dann "nach deren Tod" das Familienerbe antreten soll. Wer ist denn nun der wirkliche Erbe seines Nachlasses?

Antwort: Wegen der zeitlichen Aufspaltung muss man hier von einem Vorerben und einem Nacherben sprechen. Als Nacherbe werden Sie erst nach dem Tode Ihrer Mutter erbberechtigt. Wäre der Tod Ihrer Mutter als Zeitpunkt des Eintritts in die Nacherbfolge übrigens nicht ausdrücklich in dem Testament festgelegt worden, hätten sich daran auch nichts geändert. Dann hätte automatisch § 2106 Abs. 1 des BGB bestimmt, dass Ihre Nacherbschaft mit dem Tod Ihrer Mutter als Vorerbin anfällt.

Schwieriger wird es schon mit den Zugriffsrechten auf das vermachte Vermögen. Normalerweise sieht das Gesetz nämlich beim Vor- und Nacherbe Beschränkungsverfügungen vor - insbesondere über Grundstücke. Allerdings nur, wenn der Erblasser nicht eine sogenannte "befreite Vorerbschaft" angeordnet hat.

Zwar scheint das auf den ersten Blick hier nicht der Fall zu sein. Doch den Knackpunkt macht das Wort "Alleinerbe" in dem von Ihnen angeführten Testament aus. Diese Formulierung lässt sich nach allgemeiner Rechtsprechung so interpretieren, dass Ihre Mutter nach dem Willen Ihres verstorbenen Vaters hier doch "befreiter Vorerbe" sein sollte.

Damit steht Ihnen letztendlich nur das zu, was von der Erbschaft nach dem Tod Ihrer Mutter übrig bleibt. Womit aber das eigentliche Anliegen der Benennung von Vor- und Nacherben, nämlich sicherzustellen, dass das gesamte Familienvermögen erhalten bleibt, nicht mehr gewährleistet ist - wenn Ihre Mutter beispielsweise noch einmal heiratet und eine weitere Familie mit den dann eintretenden Erbfolgen gründet.

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