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Zum Vorstellungsgespräch eingeladen - Anfahrtskosten zu teuer?


Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Tanja Leopold
Stand: 04.04.2013

Frage: Ich bin jetzt schon zum zweiten Mal zu einem Vorstellungsgespräch ans Ende der Republik eingeladen worden. Wenn das so weiter geht, wird mir das zu teuer. Zumal ich noch gar keine Entscheidung vom ersten Unternehmen erhalten habe und also nicht weiß, ob die mir die Reisekosten erstatten werden. Was soll ich tun?

Antwort: Sich zunächst einmal freuen, dass Sie so gefragt sind. Und was Ihre Aufwendungen angeht: Prinzipiell muss ein potentieller Arbeitgeber die Reisekosten übernehmen, wenn er Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen hat.

Dabei spielt es keine Rolle, ob das Arbeitsverhältnis dann zustande kommt oder nicht. Und die Erstattung erst beim Gespräch vor Ort oder gar hinterher abzulehnen, ist auch nicht erlaubt.

Hat der Arbeitgeber nicht von Anfang an ausdrücklich darauf bestanden, bei Bewerbungsgesprächen keine Vorstellungskosten zu übernehmen, steht davon also nichts im Einladungsschreiben oder hat der Personaler das Thema Fahrtkosten nicht von sich aus am Telefon erwähnt, kann der Bewerber davon ausgehen, dass die Kosten übernommen werden. Und nötigenfalls per Klage darauf bestehen. Zumal dann, wenn er den Job nicht bekommen hat und er keine - zwar sowieso falsche - Rücksicht auf den zukünftigen Arbeitgeber mehr nehmen muss.

Der gesetzliche Erstattungsanspruch greift jedoch nur dann, wenn es tatsächlich der Arbeitgeber war, der den Bewerber ausdrücklich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen hat. Ein "Vorbeischauen" auf eigene Initiative ist zwar löblich und mag manches Unternehmen von der Power des potentiellen Mitarbeiters überzeugen - Finanzierung und Risiko liegen dabei aber voll beim Bewerber.

Ersetzt wird übrigens in der Regel eine Bahnfahrt zweiter Klasse oder bei Anreise mit dem Pkw die Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer. Prinzipiell werden auch Flüge bezahlt, wenn eine Zugfahrt zu lang und zu umständlich wäre. Übernachtungskosten werden nur übernommen, wenn es Ihnen aufgrund der Entfernung nicht zuzumuten wäre, am selben Tag hin- und zurückzufahren oder etwa nachts keine Bahn mehr fährt.

Oftmals richtet sich die Höhe der Kostenübernahme nach der ausgeschriebenen Position. Einen erfahrenen und soliden Arbeitgeber erkennt man dann daran, dass er in seinem Einladungsschreiben von sich aus detailliert auf die zu erwartende Kostenübernahme hinweist. Etwa mit dem sowohl klaren als auch netten Satz: "Wir übernehmen gern die Kosten in Höhe einer Bahnfahrt zweiter Klasse".

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