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Kleinkinder alleine Zuhause: Wer soll eingreifen?

Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Alexandra Wimmer
Stand: 08.03.2013

Frage: Mich beunruhigt ein Fall von Kindesvernachlässigung in unserem Haus. Ein neu eingezogenes Paar mit drei sehr kleinen Kindern ist offenbar total überfordert. Jedenfalls machen alle einen sehr verwahrlosten Eindruck, und oft, scheint es als würden die Kleinen stunden-, wenn nicht gar tagelang sich alleine überlassen. Kann man dagegen etwas tun?

Antwort: Wenden Sie sich an den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD). Er ist in jedem Jugendamt vorhanden. Dort werden Ihre Beobachtungen, mit denen Sie sich ja - was Sie nie außer Acht lassen sollten - auch geirrt haben können, vertraulich behandelt. Ihre Hinweise können andererseits aber nicht, weil sie verbindlich aufgenommen werden, in der sprichwörtlichen Schublade verschwinden, bis dann die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes in den Brunnen gefallen sind. Jede ASD-Fachkraft hat im Falle einer akuten Kindeswohlgefährdung "von Amts wegen" die Pflicht zum unmittelbaren Handeln und weiß in der Regel davon auch professionell Gebrauch zu machen.

Wenn die betroffenen Eltern dann etwa die zum Schutz der vernachlässigten Kinder unverzüglich erforderliche Hilfe verweigern, ist der Mitarbeiter des Sozialen Dienstes berechtigt und in der Lage, eine einstweilige Anordnung und einen Herausgabebeschluss beim Familiengericht zu erwirken. Reicht auch dazu die Zeit nicht mehr und ist offenbar Gefahr im Verzuge, kann die "amtliche" Fachkraft schon aus der allgemeinen Verpflichtung zur Hilfeleistung bei Gefahr für Leib und Leben eines Kindes sofort eingreifen. Die ASD-Fachkraft ist im Rahmen ihrer Garantenstellung nämlich verpflichtet, bei einer akut lebensbedrohlichen Gefährdungslage die notwendigen Schritte zur Herausnahme der Kinder einzuleiten. Notfalls gegen den Widerstand der sorgeberechtigten Eltern.

Die Kindesvernachlässigung stellt jedenfalls ein schwerwiegendes Versäumnis im Bereich der Pflege der Kinder dar. Übrigens gehören auch mangelhaftes Anhalten zu einem regelmäßigen Schulbesuch und unter Umständen die Verletzung der Unterhaltspflicht dazu. Allerdings darf im Normalfall in die Privatsphäre der Familie erst eingegriffen werden, wenn ein breites Spektrum tolerabler Lebensverhältnisse unterschritten wird.

Auch unverschuldetes Versagen der Eltern bedeutet zunächst einen Anfangstatbestand und schließt ein Eingreifen von außen nicht aus. Kindesvernachlässigung liegt immer dann vor, wenn die sorgeverantwortlichen Personen die notwendige Versorgung des Kindes andauernd oder wiederholt nicht gewährleisten. Das reicht von der unzureichenden Versorgung mit Nahrung bis zur unzureichende Beaufsichtigung:  wenn - wie in Ihrem Fall vermutet - die noch sehr kleinen Kinder immer wieder längere Zeit alleine Zuhause auf sich gestellt bleiben.

Rechtsanwältin Alexandra Wimmer

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