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Vorsicht beim Umgang mit Mietminderungstabellen

Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Daniela Grünblatt-Sommerfeld
Stand: 06.03.2013

Frage: In meiner Dachgeschoßwohnung zieht es seit dem Einzug wie Hechtsuppe. Jetzt ist auch noch die sowieso altersschwache Zimmerheizung ausgefallen. Deshalb will ich die Miete zumindest zum Teil einbehalten. Können Sie mir dafür eine der vielen Tabellen aus dem Internet besonders empfehlen.

Antwort: Nein, das möchte ich Ihretwegen lieber nicht tun. Zwar sind Sie als Mieter berechtigt, bei Wohnungsmängeln die Miete gegebenenfalls in eigener Initiative und auch einseitig zu mindern. Und zwar dann, wenn der Vermieter seiner Pflicht nicht nachkommt, solche aufgetretenen Mängel zu beseitigen.

Aber Vorsicht, hier lauert schon die erste Falle: Der Vermieter schuldet nur den Zustand der Wohnung, den der Mieter zu Beginn des Mietverhältnisses akzeptiert hat. Die zügigen Fenster und Türen bei Ihnen, von denen Sie offenbar von Anfang an wussten, sind demnach kein Grund für eine spätere Mietminderung. Nur wenn die Beeinträchtigung größer als bei Ihrem Einzug wäre, läge ein Mangel vor, der zur Mietminderung berechtigen könnte.

Und zwar ausdrücklich "könnte". Welche Höhe der Minderung einer Kaltmiete angemessen ist, ändert sich von Einzelfall zu Einzelfall. Die inoffiziellen Sammlungen von Gerichtsurteilen dazu - Mietminderungstabellen genannt - sind nicht als Handlungsanweisung zu verstehen, sondern dienen ausschließlich einer ersten Orientierung. Entsprechende Urteilssprüche können nicht nur von Gericht zu Gericht anders ausfallen, sondern auch von Richter zu Richter, ja selbst bei ein und demselben Richter variieren.

Wenn Sie das nicht immer im Auge haben, tappen Sie leicht in die zweite, noch weitaus gefährlichere Falle: Haben Sie sich bei der Wahl des Ihrer Meinung nach in Frage kommenden Abschlages vergriffen und einen zu höheren Betrag einbehalten, summiert sich der Ausstand sehr schnell zu einem Zahlungsrückstand, der die Höhe von zwei Monatsmieten überschreitet. Mit der Folge, dass Ihnen der Vermieter deswegen fristlos kündigen kann.

Konsultieren Sie also lieber einen Mieterverein oder, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, sofort einen Anwalt. Den Ausfall der Heizung Ihrem Vermieter gegenüber ganz verschweigen, dürfen Sie übrigens auch nicht. Kommt es dadurch nämlich zu Folgeschäden, so sind Sie unter Umständen schadensersatzpflichtig.

Rechtsanwältin Daniela Grünblatt-Sommerfeld

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