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Arbeitsteilzeit - sinnvoll, auch steuerlich


Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Tim Vlachos
Stand: 22.05.2012

Harald K. fragt:

Mein Onkel ist vor knapp 10 Jahren in Arbeitsteilzeit gegangen, arbeitet bis zur Rente nur noch die Hälfte und kriegt aber rund drei Viertel seines ursprünglichen Lohns. Ich würde jetzt auch gerne auf den "gleitenden Übergang in den Ruhestrand" zurückgreifen, habe aber gehört, das geht seit gut einem Jahr nicht mehr. Stimmt das?

Rechtsanwalt Tim Vlachos antwortet:

Nein, da sind Sie einer Falschinformation aufgesessen. Zum 1. Januar 2010 hat sich zwar die Agentur für Arbeit aus der Aktion verabschiedet und zahlt ihrerseits keine Lohnzuschüsse mehr.  Alle anderen Regeln des Altersteilzeitgesetzes von 1996 sind jedoch bestehen geblieben.

Das heißt: Wer 55 Jahre alt ist und in den fünf zuvor mindestens drei Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, kann seine Arbeitszeit in Abstimmung mit dem Arbeitgeber bis zur Erreichung des Rentenalters halbieren und bekommt zum halbierten Gehalt einen Firmen-Zuschlag von mindestens 20 Prozent. Möglich ist laut Gesetzestext ebenso, eine bestimmte Zeit  bei gekürztem Gehalt voll weiter zu arbeiten und dann den Rest bis zur Rente bei weiterlaufendem Bezügen zu Hause zu bleiben. In beiden Fällen ist ein Arbeitnehmer aber ohne gesetzlichen Anspruch auf die von ihm gewünschte Altersteilzeit, sie bedarf immer erst der vorherigen Zustimmung des Arbeitgebers bzw. entsprechender tarifvertraglicher Festlegungen.

Der nicht zu unterschätzende steuerliche Vorteil der Altersteilzeitregelungen besteht für den Arbeitnehmer übrigens darin, dass hierbei nur die Hälfte des ursprünglichen Gehalts berücksichtigt wird und die Aufstockung durch den Arbeitgeber den Fiskus faktisch nicht interessiert. Zumindest in der Theorie. Praktisch sieht es leider so aus, dass auch beim Altersteilzeit-Modell am Ende doch weniger Geld übrig bleibt, als sich durch die einfache Addition von Lohn und Zuschuss ergeben würde.

Der Teilzeit-Zuschuss zum Arbeitslohn muss nämlich zwar nicht direkt versteuert werden, unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Dadurch erhöht sich der nun zur Anwendung kommende persönliche Steuersatz, wodurch auf das zu versteuernde Einkommen insgesamt höhere Abgaben anfallen.

Bei Ehepaaren, wo der in Altersteilzeit gehende Partner die Steuerklasse V oder IV hat, lohnt sich nicht selten auch ein Wechsel in die jeweils höhere Steuerklasse. Dadurch steigt der Nettolohn, wodurch wiederum der ja prozentual festgelegte Zuschuss des Arbeitgebers höher ausfällt.  Das ist aber nur erlaubt, wenn der Arbeitnehmer in Altersteilzeit letztendlich mehr verdient als sein Partner.

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