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Nichts leichter als zu erben

Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Alexandra Wimmer
Stand: 17.02.2012

Wie erbt man in Deutschland ein Vermögen? Buchstäblich durch Nichts-Tun. Nach deutschem Erbrecht geht das Vermögen eines Erblassers mit seinem Tode nämlich automatisch auf seine Erben über. Egal, ob man davon weiß oder nicht.

"Anders als in Spanien etwa bedarf es hierzulande für das Reichwerden per Nachlass keiner besonderen Annahmeerklärung", erläutert Rechtsanwältin Alexandra Wimmer von der Deutschen Anwaltshotline. Allerdings auch nicht für das Armwerden auf dem gleichen Wege, wie die Anwältin betont. Denn unter Umständen erbt man nicht nur die Vermögenswerte des Erblassers, sondern auch dessen Schulden, für die man dann mit seinem eigenem Vermögen aufkommen muss.

Eine Erbschaft gilt als angenommen, wenn man einfach die gesetzlich vorgeschriebene Ausschlagefrist von 6 Wochen verstreichen lässt. Die sich übrigens auf 6 Monate verlängert, sobald man in dieser Zeit im Ausland war. Hat der verstorbene ein Testament hinterlassen, beginnt die Ausschlagefrist erst dann, wenn der Erbe von der Testamentseröffnung erfährt.

Natürlich lässt sich ein Erbe auch durch ausdrückliche Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht annehmen - wodurch von Anfang an klare Verhältnisse geschaffen werden. Übrigens kann man rein theoretisch schon vor der erklärten Erbschaftsannahme über den Nachlass verfügen. Jedoch verlangen Ämter und Banken in der Praxis oftmals erst einen Erbschein als Legitimation. Aber Vorsicht: Dessen Erteilung wird dann der Annahme der Erbschaft - mit all ihren Folgen - gleichgesetzt und ist im Prinzip nicht mehr rückgängig zu machen.

Will man aus einer verdeckten Erb-Schuldenfalle wieder herauskommen, muss man nachweisen können, sich über den Nachlass geirrt zu haben. "Eine solche spätere Anfechtung hat die besten Chancen, wenn man bei Annahme der Erbschaft detailliert niederschreibt, welche Gegenstände nach eigenem Kenntnisstand zum Nachlass gehören, und dies von einem Notar beglaubigen lässt", rät Anwältin Wimmer. Versteckte Verbindlichkeiten und eine zunächst nicht zu erkennen gewesene Überschuldung des Nachlasses sind so nötigenfalls leicht als selbst nicht zu verantwortender Irrtum auch vor Gericht nachzuweisen.

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