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Cholerischer Chef mobbt nicht

Stand: 08.07.2010

Stand: 08.07.2010 SE
Nürnberg (D-AH) - Wenn ein chronisch cholerischer Chef über Jahre hinweg immer wieder einmal seine Untergebenen in aller Öffentlichkeit anpöbelt und aufs Übelste beschimpft, stellen seine spontanen Ausfälle noch lange kein systematisches Mobbing dar. Zumindest nicht gegenüber einer einzelnen der betroffenen Personen, die damit auch keinen Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld hat, wenn sie im Job schließlich zusammenbricht und die Tätigkeit bei dem unberechenbaren Arbeitgeber auf ärztliches Anraten schließlich aufkündigt. Zu dieser Auffassung ist jetzt das Arbeitsgericht Cottbus gelangt (Az. 7 Ca 493/09).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, handelt es sich bei dem ausfälligen Arbeitgeber um den Betreiber eines Fleischereifachbetriebes mit Imbiss, Catering, Partyservice und Feinkostladen. Die wegen der belastenden Arbeitssituation nach ärztlich bescheinigter chronischer Stressreaktion nunmehr das Handtuch werfende Mitarbeiterin ist eine Fachverkäuferin für Fleisch- und Wurstwaren. Sie lernte ihr Handwerk übrigens in einer Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft, die damals schon von dem jetzigen Chef geleitet wurde.

In den Jahren seither hat ihr der inzwischen selbständig Gewordene immer wieder einmal aufs Ärgste mitgespielt: Mal warf er die fertigen Hühnerkeulen an die Wand der Küche, weil sie seiner Meinung nach zu hell oder zu dunkel gebraten waren, ein anderes Mal schrie er im Beisein der zutiefst erschrockenen Kunden, dass die ausgereichten Portionen zu groß seien und den ganzen Laden nur ruinieren würden. Die unvorhersehbaren cholerischen Attacken des Chefs hätten immer in lautstarke Demütigungen, Kränkungen und Beschimpfungen eingemündet. Wobei die Kolleginnen, mit denen sich die Frau sehr gut verstand, sie dann zu beruhigen versuchten und ihr erklärten, dass es ihnen ja auch nicht anders ergehen würde.

Die Attacken trafen nach eigener Aussage also nicht die ausgeschiedene Mitarbeiterin allein, sondern jegliche Angestellte, die der Situation entsprechend dem Wüstling gerade unter die Augen kam. Damit aber kann dem Imbiss-Betreiber kein individueller Schädigungsvorwurf gemacht werden, welcher eine Schadensersatz- und Schmerzensgeldverpflichtung auslösen würde, denn die gelernte Verkäuferin ist zwar durch das Verhalten des Chefs und seiner Art und Weise der Behandlung ihrer Person krank geworden, ohne aber individuell direkt vom ihm angefeindet, schikaniert oder diskriminiert worden zu sein das Urteil.

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