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Nicht auffindbares Testament

Stand: 01.07.2010

Stand: 01.07.2010 SE
Nürnberg (D-AH) - Ist ein Testament nach dem Tode des Erblassers verschwunden, reicht es für die rechtliche Einbeziehung nicht aus, wenn ein Zeuge eidesstattlich versichern kann, der Verstorbene habe ihm von seinem letzten Willen und dem dazu handschriftlich verfassten Dokument berichtet. Hat der Zeuge dieses Papier nämlich selbst überhaupt nicht zu sehen bekommen, fehlt ein entscheidender Beweis, dass es auch wirklich existiert habe. Mit dieser Auffassung hat jetzt das Oberlandesgericht München eine Klage auf Abänderung der Erbfolge und der damit verbundenen Erbquoten zurückgewiesen (Az. 31 Wx 11/10).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, bestätigten die bayerischen Oberlandesrichter ausdrücklich, dass ein ordnungsgemäßes Testament seine rechtliche Wirksamkeit nicht verliert, wenn die Urkunde ohne Willen und Zutun des Erblassers vernichtet wurde, verloren gegangen oder sonst nicht auffindbar ist. In einem solchen Fall können Errichtung und Inhalt des Testaments mit allen zulässigen Beweismitteln belegt werden. Allerdings sind an einen solchen Nachweis strenge Anforderungen zu stellen. Und die wurden hier nicht erfüllt.

Der Beweiswert der Zeugenaussage erschöpft sich darin, dass der Erblasser ihm die Änderung seines letzten Willens dargelegt und dessen Abfassung in einem entsprechenden Testamentzusatz mitgeteilt habe. Ob er aber auch tatsächlich ein solches Testament mit diesem Inhalt errichtet hat, darüber gibt die Aussage des Zeugen keinen verlässlichen Aufschluss. Dem Nachlassgericht sind aus seiner Praxis nicht wenige Fälle bekannt, wo die Angaben der Erblasser über angeblich errichtete Testamente oft nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprachen. Zudem lässt sich, weil der Zeuge das Testament selbst nicht gesehen hat, auch nicht mehr in der gerichtlichen Befragung feststellen, ob das Testament - wenn es denn existiert hat - auch formgerecht abgefasst und damit überhaupt wirksam war.

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