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Sprachreise ohne Gastfamilie

Stand: 19.09.2008

Stand: 19.09.2008 SE

Nürnberg (D-AH) - Werden die Teilnehmer einer Auslands-Sprachreise entgegen der vertraglichen Vereinbarung nicht in einer einheimischen Gastfamilie vor Ort untergebracht, sondern müssen mit anderen zum Kurs angereisten Jugendlichen in einem separaten Gebäude wohnen und sich im Wesentlichen selbst verköstigen, so steht ihnen eine erhebliche Reisepreisminderung seitens des Veranstalters zu. Eine getrennte Unterbringung läuft nämlich dem eigentlichen Zweck solcher Sprachreise zuwider, neben der Sprache auch Land und Leute näher kennen zu lernen, wozu gerade bei Minderjährigen die vorübergehende Eingliederung in das Leben einer landestypischen Familie gehört. Das hat in einem Urteil das Landgericht Berlin entschieden (Az. 53 S 66/07).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, mussten die von ihren deutschen Eltern in vertraglich vereinbarte familiäre Obhut nach England geschickten Kinder zu acht in einem Extra-Haus neben dem ihrer Gastfamilie wohnen. Dort waren sie, einschließlich des im Reisevertrag enthaltenen Frühstücks und Abendbrots, faktisch auf sich alleine gestellt. Der vertragsbrüchige Veranstalter wollte sich jetzt damit herausreden, dass eine andere Art der Unterbringung wegen der in jenem Sommer vorgefallenen Terroranschläge in London nicht möglich gewesen wäre und er deshalb habe kurzfristig umdisponieren müssen. Und außerdem hätten sich die betroffenen Jungen aus Deutschland ja in der ganzen Zeit nur ein einziges Mal wegen des unzureichenden Essens bei der Reiseleitung vor Ort beschwert.

Dieser Argumentation wollten sich die Berliner Landesrichter nicht anschließen. Fakt bleibt: Die Unterbringung erfolgte nicht in einer Gastfamilie, sondern zusammen mit weiteren Jugendlichen, die überhaupt kein Englisch sprachen. Damit wurde der Zweck der Reise unbestreitbar verfehlt. Einer mehrfachen Mängelanzeige, dass das Essen nicht besser wurde, bedurfte es nicht. Wenn der Reiseveranstalter nach eigener Aussage in Kenntnis des Mangels vergeblich nach Abhilfe gesucht habe, hätte eine formelle Wiederholung der Beschwerde auch nichts anderes bewirkt. Ganz abgesehen davon, dass aus rechtlicher Sicht eine Mängelanzeige durch Minderjährige mangels Verschuldens möglicherweise sowieso eher als überflüssig zu bewerten ist.

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