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Gefahr der Wiedererkennung verletzt Recht am eigenen Bild


Nürnberg (D-AH) - Der übliche schwarze Balken im Gesicht reicht nicht aus, wenn eine Zeitung das Foto einer Frau veröffentlichen will, die dem Abdruck nicht zugestimmt hat. Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, ist das Recht am eigenen Bild schon dann verletzt, wenn die abgebildete Person davon ausgehen kann, auf Grund der Veröffentlichung identifiziert zu werden - trotz unkenntlicher Gesichtpartie. Das hat das Landgerichts Frankfurt am Main entschieden (Az. 2-03 O 468/05).

Unter der Schlagzeile Frivoler Prozess um einen Privat-Porno hatte eine Zeitung über ein Marburger Strafverfahren berichtet, bei dem ein Mann angeklagt war, sich und seine Freundin heimlich beim Sex gefilmt und das Video ins Internet gestellt zu haben. Auf einem der Fotos, mit dem der Gerichtsbericht illustriert war, wird eine junge Frau in Jeans und ärmellosen Oberteil gezeigt. Klar sind ihre Ohren und das zurückgekämmte blonde Haar zu sehen, nur das Gesicht ist von einem groben Bildraster entstellt. In der Bildunterschrift schreibt die Zeitung, dass diese Frau - von der Redaktion mit abgeändertem Namen Kerstin genannt - ihren Ex-Freund auf 200.000 Euro Schmerzengeld verklagen würde. Daneben steht ein zweites Foto direkt aus dem Sex-Video, diesmal mit dem Bildtext Zärtlich verwöhnt Kerstin ihren Freund.

Dadurch wird der Eindruck erweckt, die Frau auf dem ersten Foto sei die Ex-Freundin des Angeklagten im Marburger Strafprozess - und damit diejenige, die in dem Video sexuelle Handlungen an dem Angeklagten vornimmt. Dabei kommt die Frau in Wirklichkeit auf dem Video gar nicht vor. Der Gerichtsbericht der Zeitung stellt also eine unwahre Tatsachenbehauptung dar - und einen Angriff auf das Persönlichkeitsrecht der Frau. Denn die könne auf Grund des ersten Fotos zumindest in ihrem engeren Bekanntenkreis zweifellos erkannt werden.

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