Corona und Großveranstaltungen: Welche Rechte Verbraucher jetzt haben

Die meisten Großveranstaltungen, die dieser Tage stattfinden sollten, sind abgesagt. Doch bekommen Betroffene dafür jetzt auch ihr Geld zurück oder gilt "höhere Gewalt"? Und müssen Kunden einen späteren Ausweichtermin einfach akzeptieren? Diese und andere Rechtsfragen zum Thema "Corona-Pandemie und Großveranstaltungen" beantworten wir hier.

Autor:  Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG.

Dürfen Betroffene Tickets für Veranstaltungen zurückgeben, obwohl diese stattfinden?

Rein rechtlich ist das schwierig. Wenn die Veranstaltung stattfindet, ergringt der Veranstalter seine Vertragsleistung. In der Folge ist der Kunde als Vertragspartner auch verpflichtet, seine Leistung zu erbringen, also den Ticketpreis zu zahlen. Rein rechtlich gibt es in diesen Fällen also (noch) keine Handhabe, um den Ticketpreis erfolgreich zurückzufordern. Allerdings untersagen nach und nach alle Bundesländer öffentliche Veranstaltung - zunehmend auch solche, die mit weniger als 1000 Personen stattfinden. Ist das der Fall, gelten die oben genannten Regelungen.


Abgesagte Veranstaltungen: Bekommen Betroffene ihr Geld zurück?

Immer mehr Großveranstaltungen wie etwa die Leipziger Buchmesse werden vorsorglich abgesagt. In den meisten Fällen erhalten Betroffene Eintritts- und Ticketpreise zurück. Es wird geraten, sich im Zweifelsfall direkt an den Veranstalter zu wenden. 

Das Robert-Koch-Institut hat unabhängig von Covid-19 einen Leitfaden zur Risikobewertung von Großveranstaltungen herausgegeben. Die zuständigen örtlichen Behörden sind dazu angehalten, sich bei ihrer Entscheidung an diesem Leitfaden zu orientieren. 

Ob ein Ersatzanspruch besteht, hängt maßgeblich von den Konditionen der Absage ab. Im Falle der Tourismusmesse ITB hat das örtliche Gesundheitsamt die Messe beispielsweise nicht selbst abgesagt. Allerdings waren die Auflagen so streng, dass der Veranstalter sich nicht in der Lage sah, die Messe stattfinden zu lassen. In diesem Fall haben laut Aussage der Tagesschau weder Besucher noch Aussteller einen speziellen Ersatzanspruch gegen den Staat. Ob die Ticketpreise erstattet werden, hängt in einem solchen Fall von den genauen Vertragskonditionen und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ab.

Unter Experten ist umstritten, ob ein Ersatzanspruch besteht, wenn die Veranstaltung von offizieller Stelle abgesagt wird. § 65 des Infektionsschutzgesetzes besagt, dass eine Entschädigung zu leisten ist, wenn aufgrund der behördlichen Maßnahme ein „nicht nur unwesentlicher Vermögensnachteil verursacht wird“. Unklar ist allerdings, ob dies auf öffentliche Veranstaltungen übertragen werden kann. Eine konkrete Aussage von offizieller Seite gibt es bislang noch nicht.

Betroffene haben aber keinen Grund zur Panik, sondern können abwarten, bis diese Fragen geklärt sind. Sie haben drei Jahre Zeit, ihren Rückzahlungsanspruch geltend zu machen. Dabei läuft die Frist erst zum Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstand.

Ein Beispiel: Hannah G. wollte im März 2020 ein Konzert besuchen, das wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde. Die Verjährungsfrist, innerhalb derer sie die Erstattung des Ticketpreises geltend machen kann, beginnt Ende 2020. Damit kann sie ihren Anspruch bis zum 31.12.2023 geltend machen, denn erst nach drei Jahren ist ihr Anspruch verjährt.

Um auf Nummer sicher zu gehen, können Betroffene aber vorsorglich auch jetzt schon schriftlich (und nachweisbar) mitteilen, dass sie das Geld für das Ticket zur abgesagten Veranstaltung erstattet haben möchten. 

Kulant zeigt sich derweil die Deutsche Bahn: Reisende, die eine abgesagte Veranstaltung besuchen wollten, bekommen den Ticketpreis zurückerstattet. Das gelte auch für Reisen in betroffene Gebiete in Norditalien. Was Hotels angeht, so gibt es keine einheitliche Regelung. Hier müssen Betroffene auf die Kulanz der jeweiligen Unterkunft hoffen.


Müssen Betroffene einen Ausweichtermin für abgesagte Veranstaltungen akzeptieren?

Nein! Wenn ein Konzert oder ähnliches wegen der Corona-Pandemie verschoben wird, Betroffene am neuen Termin aber zum Beispiel keine Zeit haben, können sie ihr Geld zurückverlangen. Einen Ausweichtermin kann der Veranstalter zwar anbieten, er kann die Kunden aber nicht zwingen, diesen auch zu akzeptieren.

Gut zu wissen: Laut Verbraucherzentrale gilt das nur, wenn die Tickets auf einen bestimmten Termin ausgestellt waren, der nun nicht stattfinden kann. Bei Veranstaltungsgutscheinen, die sie für einen beliebigen Termin einlösen können oder bei Tickets, auf denen mehrere Alternativtermine oder ein Veranstaltungszeitraum genannt werden, können andere Regelungen gelten. In diesen Fällen sollten Betroffene sich direkt mit dem Veranstalter in Verbindung setzen, um möglichst eine einvernehmliche Regelung zu treffen.

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