Corona Reiserecht: Die wichtigsten Infos für Reisende

Wann können Reisebuchungen kostenfrei storniert werden? Welche Folgen haben die internationalen Einreisesperren? Was sollten Deutsche tun, die derzeit noch im Ausland sind und was passiert, wenn sie aus einem Corona-Risikogebiet zurückkommen? Die wichtigsten reiserechtlichen Fragen rund um die Corona-Pandemie beantworten wir hier.

Autor:  Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG.

Welche Folgen hat die Schließung der deutschen Außengrenzen?

Seit 18. März 2020 hat Deutschland – so wie andere EU-Staaten – seine Außengrenzen weitgehend geschlossen. So ist die Einreise über Land aus Dänemark, Luxemburg, Frankreich, Österreich und der Schweiz zum Beispiel nur noch an bestimmten Grenzübergängen möglich. Die Grenzen nach Polen und Tschechien sind ebenfalls nur noch an bestimmten Übergängen geöffnet, über die die entsprechenden Länder entscheiden. Damit soll die Verbreitung des Corona-Virus eingedämmt werden.

Wer darf jetzt noch nach Deutschland einreisen?

Für deutsche Staatsangehörige ändert sich damit allerdings nicht viel. Sie dürfen weiterhin ungehindert nach Deutschland einreisen – egal, ob per Flugzeug, über Land oder per Schiff. Ebenso wie:

  • Personen mit deutschem Aufenthaltstitel
  • Personen mit Wohnsitz in Deutschland
  • Berufspendler (Nachweis erforderlich!)

Für Menschen aus Drittstaaten wird die Einreise allerdings deutlich schwieriger. Ob jemand nach Deutschland einreisen darf oder nicht, hängt von seiner Herkunft und vom Grund der Reise ab. Die Durchreise auf dem Weg in die eigene Heimat ist für EU-Bürger und ihre Angehörigen sowie für Drittstaatler mit einer längerfristigen Aufenthaltsgenehmigung in einem EU-Staat erlaubt. Ebenso für Bürger aus Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Allerdings: Diese Genehmigung gilt nur, wenn es keinen anderen, vergleichbaren Reiseweg in das Heimatland gibt.

Was wird als wichtiger Grund für die Einreise anerkannt?

Reisende, die nicht aus einem EU-Staat stammen und dort auch keinen längerfristigen Aufenthaltstitel haben, dürfen nur noch aus besonders wichtigem Grund nach Deutschland einreisen. Das gilt auch für alle EU-Bürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die nicht nur auf der Durchreise sind, sondern vorerst in Deutschland bleiben wollen. Als wichtige Gründe zählen zum Beispiel:

  • berufsbedingte Gründe (z.B. Berufspendler, Pflegekräfte, Parlamentarier und Diplomaten)
  • ärztliche Behandlungen, die nicht verschoben werden können
  • Todesfall enger Familienangehöriger
  • Pflege eines Tiers, das sich in Deutschland in nicht-betreuter Pflege befindet
  • Umzug (nur bei Vorlage der Kündigung der alten und Mietvertrag der neuen Wohnung)

Verweigert wird die Einreisegenehmigung laut Bundespolizei dagegen zum Beispiel, wenn:

  • Betroffene ihren Partner/ihre Familienangehörigen besuchen möchten
  • Betroffene ein Tier versorgen möchten, das aber in betreuter Pflege untergebracht ist
  • Betroffene eine Jagdpacht in Deutschland innehaben, aber nur zur privaten Jagd einreisen wollen
  • Betroffene ein Paket in Deutschland abholen müssen (z.B. Schutzkleidung)
  • Betroffene nur als Touristen einreisen wollen

Wichtig: Reisende, die nach Deutschland einreisen wollen, müssen neben ihrem Pass auch Dokumente vorlegen können, die ihren wichtigen Reisegrund belegen. Für Berufspendler (etwa in die Schweiz, Frankreich oder Österreich) hält die Bundespolizei eine Pendlerbescheinigung bereit. Alle anderen Gründe müssen durch passende Belege nachgewiesen werden.

Welche Strafen drohen bei Verstößen?

Ob ein Grund als wichtig anerkannt wird, entscheidet an den deutschen Außengrenzen die Bundespolizei. Sie kontrolliert auch die sogenannte grüne Grenze, also die Grenze jenseits der gekennzeichneten Grenzübergänge, und die geschlossenen Grenzübergänge. Wer dort unerlaubt beim Grenzübertritt erwischt wird, muss mit empfindlichen Geldstrafen rechnen.

Ist auch die Ausreise verboten?

Grundsätzlich hält die Bundespolizei niemanden auf, der Deutschland verlassen will. Allerdings haben alle Nachbarländer ähnlich restriktive Einreisebedingungen verhängt. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Betroffene, die jetzt ausreisen, nicht im entsprechenden Nachbarland einreisen dürfen. Auch das Auswärtige Amt, das eine weltweite Reisewarnung erlassen hat, empfiehlt derzeit ganz auf Reisen zu verzichten.

Steht damit auch der Warenverkehr still?

Nein, nach Angaben des Bundesinnenministeriums bleibt der internationale Warenverkehr weiter gewährleistet. Durch die Einführung von Grenzkontrollen kommt es aber auch für Fernfahrer zu teils erheblichen Verzögerungen. Außerdem behält sich die Bundespolizei vor, Personen mit Krankheitssymptomen an der Grenze von Mitarbeitern der Gesundheitsbehörden auf Corona testen zu lassen und ihnen die Einreise gegebenenfalls zu verweigern. Auch das verlängert die Wartezeiten weiter.


Können Betroffene eine bereits gebuchte Reise stornieren?

Kunden können eine Reise grundsätzlich jederzeit stornieren. Normalerweise fallen dafür aber Gebühren an. Das gilt allerdings nicht, wenn sogenannte außergewöhnliche Umstände vorliegen – also Umstände, die der Reisende nicht zu verantworten hat, die die Reise beeinträchtigen und auch durch besondere Vorsicht und Vorbereitung nicht aus der Welt zu schaffen sind (§ 651h BGB). Der Ausbruch der Corona-Pandemie fällt in diese Kategorie. Das bestätigt auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Aber Vorsicht: Diese Regelung gilt nur für Pauschalreisen.

Eine Reise gilt als Pauschalreise, wenn mindestens zwei Reiseleistungen beim selben Anbieter zusammen gebucht wurden. Wer also zum Beispiel Hotel und Flug zusammen bucht, ist Pauschalreisender. Wer Hotel und Flug getrennt bucht - zum Beispiel, um so Geld zu sparen - gilt als Individualreisender. Individualreisende sind allerdings weit schlechter abgesichert. Wollen Sie eine Reise aus Angst vor der Corona-Epidemie stornieren, sind sie auf die Kulanz des Veranstalters angewiesen.

Allerdings ist eine kostenfreie Stornierung auch für Pauschalreisende nur unter zwei Bedingungen möglich:

  • Die Reise gilt als unzumutbar - etwas, weil sie in eine direkt vom Virus betroffene oder unmittelbar benachbarte Region führt oder die Einreise unmöglich ist. Gemeinhin gelten Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes als "Beweis", dass die Reise unzumutbar ist. Am 17. März 2020 hat das Auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung für alle Staaten der Welt ausgerufen. Nicht notwendige, touristische Reisen sollen ab sofort unterbleiben. Kunden, die in der nächsten Zeit eine Pauschalreise ins Ausland antreten wollten, können diese jetzt also in jedem Fall kostenfrei stornieren.
  • Der Virus muss zum Reisezeitpunkt eine Bedrohung sein. Reisen für die nächsten Wochen fallen darunter und können entsprechend kostenfrei storniert werden. Reisen, die erst für einen späteren Zeitraum in diesem Jahr geplant sind, sind davon aber unter Umständen (noch) nicht umfasst. Viele Anbieter bieten aber bereits jetzt kulante Storno- oder Umbuchungsmöglichkeiten auch für Reisen an, die erst in einigen Monaten starten sollten.

Gut zu wissen: Reisende können unter den oben genannten Voraussetzungen ihre Reise kostenfrei stornieren und erhalten folglich den bereits gezahlten Reisepreis zurück. Ein zusätzlicher Schadenersatz, etwa wegen entgangener Urlaubsfreuden, kommt dagegen nicht in Betracht, weil kein Verschulden des Veranstalters vorliegt.

Übrigens: Wenn der Reiseveranstalter selbst die Reise absagt, haben Betroffene natürlich ebenfalls Anspruch auf eine Erstattung des bereits gezahlten Reisepreises. Bei Individualreisen gilt das aber nur für den konkret abgesagten Reiseteil. Ein Beispiel: Erwin P. wollte nach China reisen. Sein Flug wurde abgesagt, weil es für seine Zielregion eine Einreisesperre gibt. Das Geld für den Flug bekommt er von der Airline zurück. Das Hotel, das er separat über ein Online-Portal gebucht hat, ist davon aber nicht betroffen. Er muss dort die Buchung extra stornieren und zahlt dafür gegebenenfalls Stornogebühren.

Gut zu wissen II: Kreuzfahrten und Tagesreisen, die mehr als 500 Euro kosten, gelten laut Europäischem Verbraucherzentrum Deutschland übrigens auch als Pauschalreisen.

Müssen Verbraucher Gutscheine für ausgefallenen Veranstaltungen akzeptieren?

Die Bundesregierung hat am 9. April 2020 einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Verbraucher verpflichtet, Gutscheine zu akzeptieren, wenn Veranstaltungen abgesagt werden, für die sie bereits Karten gekauft haben. Allerdings muss dieser Gesetzesentwurf erst noch beschlossen werden. Aktuell ist die Regelung nicht in Kraft und Verbraucher können bei Nichterfüllung, also wenn die Veranstaltung nicht stattfinden kann, den Kaufpreis zurückverlangen.

Und es sieht so aus, als würde das auch so bleiben. Die Bundesregierung hatte auf die Einschätzung der EU zu den Plänen gewartet und der zuständige EU-Kommission hat ihr jetzt eine Abfuhr erteilt: „Die Mitgliedstaaten müssen sicherstellen, dass nationale Entscheidungen im Einklang mit dem EU-Recht stehen – und das lässt dem Verbraucher die Wahl zwischen Gutscheinen und der Rückerstattung der Kosten“, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Das gelte auch für Ausnahmesituationen wie die Corona-Pandemie.

Was sieht der Gesetzesentwurf vor?

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Veranstalter Kunden nicht in Geld entschädigen müssen, wenn Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden müssen. Stattdessen dürfen sie den Verbrauchern einen Wertgutschein übermitteln. Der muss sich aber an bestimmte Bedingungen halten:

  • Der Gutschein darf nicht auf eine eventuelle Nachholveranstaltung beschränkt sein. Vielmehr muss es sich um einen reinen Wertgutschein handeln, den der Kunde für alle Veranstaltungen des Veranstalters einlösen kann.
  • Der Wert des Gutscheins muss den Eintrittspreis inklusive aller Vorverkaufsgebühren umfassen.

Müssen Verbraucher die Gutscheine akzeptieren?

Wenn der Gesetzesentwurf umgesetzt wird, sind Verbraucher verpflichtet, einen Gutschein zu akzeptieren. Ausnahmen gibt es nur, wenn sie nachweisen können, dass ein Gutschein unzumutbar ist. So erklären die Verbraucherzentralen: „Das wäre beispielsweise der Fall, wenn Sie als Inhaber einer Eintrittskarte die Veranstaltung im Rahmen einer Urlaubsreise besuchen wollten und einen Nachholtermin nur wahrnehmen könnten, wenn Sie dafür hohe Reisekosten in Kauf nähmen.“ In diesen Fällen dürfen Verbraucher sofort auf Auszahlung des Kartenpreises bestehen.

Gilt die Gutscheinregelung nur für Großveranstaltungen?

Nein. Sie gilt für alle Veranstaltungen, sogar für zum Beispiel Sprach- oder Sportkurse. Höchstwahrscheinlich fallen auch die Mitgliedsbeiträge für Fitnessstudios unter diese Regelung. Und auch Saison-, Monats-, Jahres- oder Dauerkarten für Fans eines Sportvereins könnten auf diese Weise zumindest teilweise durch einen Gutschein kompensiert werden.

Müssen Verbraucher die Gutscheine einlösen?

Nein, nach dem Gesetzesentwurf ist vorgesehen, dass Kunden den Gutschein Ende 2021 ausgezahlt bekommen, wenn sie ihn bis dahin nicht eingelöst haben. Verbraucher müssen also nicht völlig auf ihr Geld verzichten, gewähren dem Veranstalter aber gezwungenermaßen einen Zahlungsaufschub. So will die Bundesregierung verhindern, dass Veranstalter pleitegehen, wenn sie sofort alle Kunden entschädigen müssen.

Dürfen Betroffene Restzahlungen für demnächst anstehende Reisen zurückhalten?

Diese Frage ist pauschal nur schwer zu beantworten. Reisen, die erst in einigen Monaten stattfinden sollen, werden derzeit noch nicht abgesagt. Auch die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts gilt aktuell nur bis einschließlich 14. Juni 2020. Darauf können sich Betroffene also nicht berufen, um Restzahlungen für spätere Reisen zurückzuhalten.

Reisende haben in diesem Fall zwei Möglichkeiten:

  1. Sie können vom Vertrag zurücktreten, die Buchung also stornieren, müssen dann aber unter Umständen Stornogebühren zahlen. Dafür entfallen die Restzahlungen des Reisepreises.
  2. Wollen sie die Buchung aufrecht erhalten, können Reisende versuchen, ein Zurückbehaltungsrecht für die Restzahlung durchzusetzen. Dabei könnten Betroffene argumentieren, dass die Durchführbarkeit der Reise in Frage steht. Ob sich diese Rechtsauffassung allerdings auch gerichtlich durchsetzen lässt, ist nicht klar.

Sehr wahrscheinlich werden Reiseveranstalter die Zurückbehaltung nicht einfach akzeptieren. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass der Kunde mit einer Mahnung zur Zahlung gezwungen werden soll. Dann bleiben drei Möglichkeiten:

  1. Die Buchung stornieren. Dann entfällt die Restzahlung, unter Umständen werden aber Stornogebühren fällig.
  2. Die Buchung aufrecht erhalten und die Restzahlung leisten (gegebenenfalls zuzüglich Mahngebühren).
  3. Den Zurückbehaltungsanspruch gerichtlich durchsetzen.

Praxistipp: Ein Kompromiss könnte darin liegen, die Restzahlungen (im besten Fall sogar den gesamten Reisepreis) per Kreditkarte zu begleichen. Unter Umständen können Kunden dann das Chargebackverfahren nutzen, wenn die Reise doch nicht stattfindet. Beim Chargeback ist die Bank beziehungsweise das Kreditinstitut, das die Kreditkarte ausgegeben hat, verpflichtet, die Zahlung zu erstatten, wenn die Gegenleistung nicht erbracht wurde.


Welche Ansprüche haben Reisende, die ihre Reise selbst storniert haben, bevor es eine offizielle Reisewarnung für ihr Reiseziel gab?

Diese Frage ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich zu beantworten. Es kommt auf die Umstände an:

  • Wohin sollte die Reise gehen?
  • Wann sollte die Reise stattfinden?
  • Wann hat der Betroffene storniert?
  • Hat der Anbieter ihm eine kostenlose Umbuchung angeboten statt der Stornierung?
  • Wie waren die Zustände am Reiseziel zum Zeitpunkt der Reise?

Grundsätzlich gilt: Herrschten zum Reisezeitpunkt am Reiseziel oder zumindest in unmittelbarer Nähe bereits Umstände, die bereits verhinderten, dass die Reise planmäßig durchgeführt werden konnte, so kann der Reiseveranstalter keine Entschädigung (also Stornogebühren) für die Stornierung verlangen. Waren in der Gegend also zum Beispiel schon Ausgangs- oder Einreisesperren verhängt oder waren öffentliche Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten wegen der Pandemie geschlossen, kann das ein Indiz sein, dass die Corona-Pandemie auch ohne offizielle Reisewarnung die Reise bereits undurchführbar beziehungsweise unzumutbar gemacht hat. In diesem Fall darf der Reisende kostenfrei vom Reisevertrag zurücktreten, muss bei einer Stornierung also keine Gebühren zahlen.

Allerdings muss das, wie gesagt, in jedem Fall einzeln beurteilt werden.


Was können Betroffene tun, die aktuell im Ausland sind?

Reisende, die derzeit im Ausland sind, sollten sich mit ihrem Reiseveranstalter (oder Arbeitgeber im Fall von Geschäftsreisenden) in Verbindung setzen und klären, welche Maßnahmen ergriffen werden. Auch die Deutschen Vertretungen im Ausland (Botschaften und Konsulate) können helfen zu klären, wie es weitergeht. Weil der Reiseverkehr in den meisten Ländern inzwischen stark eingeschränkt ist, ist eine eigenständige Rückreise derzeit in der Regel nicht oder nur schwer möglich.

Deshalb startete auch das Auswärtige Amt eine Rückholaktion für Deutsche, die noch im Ausland sind. Diese betraf zunächst vor allem Menschen, die vorrübergehend in einem anderen Land Zeit verbringen wollten wie Pauschalurlauber, aber auch Au Pairs oder Work-and-Travel-Reisende. Individualreisende werden gebeten, sich weiter selbst um eine Ausreise zu bemühen. Ist das nicht möglich, will das Auswärtige Amt auch für sie Lösungen suchen. Um die Heimkehr von Deutschen im Ausland so schnell wie möglich zu gewährleisten, haben Bundesregierung und Länder die Nachtflugverbote weitestgehend gelockert. Außerdem ist auch die Deutsche Bahn mit im Boot und übernimmt kostenlos den Transport der Rückkehrer vom Landepunkt bis zum eigentlichen Zielflughafen in Deutschland.

Alle Deutschen, die die Rückholaktion nutzen möchten, sollten sich die Krisenvorsorgeliste oder die Rückhol-Liste von Condor eintragen. Wer in die Krisenvorsorgeliste eingetragen ist, wird von der Deutschen Vertretung in dem jeweiligen Land kontaktiert, sobald eine Rückholaktion geplant ist. Zunächst wurden auf diese Weise Deutsche aus Marokko, der Dominikanischen Republik, den Philippinen und Ägypten ausgeflogen.

Deutsche, die vom Auswärtigen Amt nach Hause geholt werden, müssen sich nach dem Konsulargesetz im Nachgang an den Kosten für die Flüge beteiligen. Aber niemand muss in Vorleistung gehen, um nach Hause zu kommen.


Was müssen Reisende beachten, die kürzlich in einem Risikogebiet bzw. im Ausland waren?

Für Reisende, die in einem Risikogebiet waren, haben einige Staaten ein Einreiseverbot erlassen. Welche Länder betroffen sind und welche Regelungen konkret gelten, erfahren Betroffene bei den Vertretungen der jeweiligen Staaten in Deutschland.

Deutschland hat am 16.03. verstärkte Grenzkontrollen zu den Ländern Frankreich, Schweiz, Österreich, Luxemburg und Dänemark eingeführt. Grenzüberschreitungen sind nur noch aus triftigen Gründen möglich. Reisende, die aktuell im Urlaub sind, können weiterhin nach Deutschland einreisen. Auch Berufspendler dürfen die Grenzen weiterhin passieren, benötigen hierfür jedoch einen Passierschein von ihrem Arbeitgeber. 

Auch Ausländer, die einen Aufenthaltstitel für Deutschland haben, können die Grenzen weiterhin aus triftigen Gründen passieren.

Der Warenverkehr ist weiterhin möglich.

Wichtig: Nach Deutschland Einreisende müssen sich in eine 14-tägige häusliche Quarantäne begeben.


Welche Konsequenzen haben die Einreisesperren, die viele Länder verhängt haben?

Kann die Reise wegen einer Einreisesperre nicht stattfinden, erhalten Betroffene ihr Geld zurück. Wichtig: Das gilt sowohl für Pauschalurlauber als auch für Betroffene, die nur einen Flug gebucht haben. Wenn sie wegen der Corona-Fälle in einem Land nicht einreisen können, kann ihre Reise faktisch nicht durchgeführt werden. Damit ist der Reiseveranstalter beziehungsweise die Airline in der Pflicht, die bereits geleisteten Zahlungen zu erstatten. Dabei ist nicht wichtig, ob es ein rigoroses Einreiseverbot gibt oder Reisende nur einreisen dürfen, wenn sie im Land 14 Tage nachweislich in häuslicher Quarantäne verbringen. Beides macht die Einreise für einen normalen Urlauber oder Dienstreisenden unmöglich, weshalb die oben genannten Regelungen greifen. 

Wichtig: Das betrifft oft nicht nur den direkten Flug. Auch wer bei der Anreise in einem der Länder umsteigen musste oder sich dort auch nur innerhalb der letzten Zeit aufgehalten hat, kann von einer Einreisesperre betroffen sein.

Reisende, die in den nächsten Wochen eine Reise ins Ausland gebucht haben, sollten also vor Reiseantritt zunächst folgende Fragen klären:

  • Gibt es für mein Zielland eine Einreisesperre? Erstinformationen finden Betroffene auf den Länderseiten des Auswärtigen Amtes, genaue Auskünfte bekommen sie bei den jeweiligen Ländervertretungen in Deutschland.
  • Passiere ich bei meiner Anreise ein Land oder eine Region, die als Risikogebiet gelten und deshalb bei der Einreise Probleme bereiten können?
  • War ich in den vergangenen Monaten in einem solchen Land oder einer solchen Region?
  • Findet meine Reise / mein Flug überhaupt statt? Viele Reiseanbieter und Fluggesellschaften stornieren Flüge, weil die Angst vor dem Virus und die Einreisesperren zu vielen Stornierungen führen. Ob ihre Reise stattfindet, können Reisende herausfinden, indem sie sich mit ihrer Buchungsnummer auf der Website der Airline einloggen.

Reisende, die von den Einschränkungen betroffen sind, sollten sich mit der Fluggesellschaft oder dem Reiseveranstalter (im Fall einer Pauschalreise) in Verbindung setzen.

Achtung: Bei Pauschalreisen kümmert sich in diesen Fällen der Reiseveranstalter auch um verbundene Buchungen wie Hotel und Transfers. Individualreisende müssen sich selbst darum kümmern, dass auch diese Leistungen storniert werden.

Gut zu wissen: Einen Anspruch auf eine zusätzliche Entschädigung haben Reisende, die aus oben genannten Gründen auf ihre Reise verzichten müssen, nicht. Hier kann sich der Veranstalter beziehungsweise die Fluglinie auf außergewöhnliche Umstände berufen.


Wann greift die Reiserücktrittsversicherung?

Eine Reiserücktrittsversicherung greift immer dann, wenn der Reisende erkrankt und die Reise aus diesem Grund nicht antreten kann. Als Beweis ist ein ärztliches Attest nötig. In diesem Fall erstattet die Reiserücktrittsversicherung die Kosten für die Stornierung.

Die Reiserücktrittsversicherung springt nicht ein, wenn Reisende den Urlaub aus Angst vor einer Infizierung stornieren möchten.

Vorsicht: Reisende sollten einen genauen Blick auf die Versicherungskonditionen werfen. Häufig zählt eine Pandemie zu den Ausschlussgründen. Am 11. März hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Covid-19 offiziell zu einer Pandemie erklärt.


Individualreisen: Können Hotelbuchungen storniert werden?

Während Pauschalreisende ihr Geld im Falle einer Einreisesperre oder offiziellen Reisewarnung in aller Regel zurückbekommen, gestaltet sich die Situation bei Individualreisenden etwas komplizierter. Gerade Urlauber, die in den nächsten Wochen nach Italien reisen wollten und Hotel und Anreise getrennt voneinander gebucht haben, sind verunsichert.

Nach deutschem Recht gilt: Eine individuell gebuchte Unterkunft muss nicht bezahlt werden, wenn sie nicht genutzt werden kann. Liegt das Hotel im Sperrgebiet, ist die Unterkunft nicht erreichbar und Reisende können kostenfrei stornieren. Das gilt allerdings nur, wenn das deutsche Recht auch greift. Betroffene, die ihre Unterkunft direkt beim Eigentümer im Ausland gebucht haben, sind dem Recht des jeweiligen Landes unterworfen. Aktuell ist noch nicht absehbar, ob Zahlungen in diesem Fall zurückerstattet werden müssen.

Reisende, die ihr Hotel über internationale Online-Portale gebucht haben, erhalten dort meist weiterführende Informationen. Die Buchungsplattform Airbnb fällt durch besonders kulante Sonderregelungen auf: Gäste erhalten die vollständige Rückerstattung inklusive aller Gebühren. Auch die Stornierungsgebühren für Gastgeber entfallen in diesem Fall. Die Regeln greifen sowohl für Reisen in betroffene Gebiete als auch für Kunden, die ihre Reise aufgrund einer vermuteten oder bestätigten Infektion nicht antreten können.


Was gilt bei Ferienwohnungen?

Vorab: Grundsätzlich werden Buchungen von Ferienwohnungen nicht anders behandelt als Hotelbuchungen. Es gelten also die vorab genannten Bedingungen für Individualreisen, wenn Kunden nur die Ferienwohnung bei ihrem Anbieter gebucht haben. Gleichermaßen gelten die Regeln für Pauschalreisen, wenn nicht nur die Übernachtung, sondern mindestens eine weitere Reiseleistung beim selben Anbieter gebucht wurde.

Trotzdem tauchen jetzt bei einigen Verträgen über die Buchung einer Ferienwohnung AGB-Klauseln auf, die Reisenden Sorge bereiten: Darin heißt es, die Stornierung wegen einer Pandemie sei ausgeschlossen. Kunden, die zum Beispiel für die Osterferien ein Ferienhaus gebucht haben, es aber wegen der Corona-Krise nicht nutzen können, müssten so trotzdem den Reisepreis zahlen. Diese Art Klausen sind rechtlich unwirksam!

Es ist nicht erlaubt, das wirtschaftliche Risiko allein auf den Reisenden abzuwälzen, wenn die Leistung nicht erbracht werden kann. Die Schließung aller Geschäfte und das Verbot touristischer Übernachtungen verhindert aber, dass der Vermieter der Ferienwohnung seine Vertragsleistung erbringen kann. Die Folgen kann er nicht allein dem Reisenden anlasten. Das widerspricht der gesetzlichen Wertung der Risikoverteilung.

Fazit: Auch Vermieter und Vermittler von Ferienwohnungen müssen ihren Kunden eine kostenlose Stornierung ermöglichen und bereits gezahltes Geld erstatten, wenn die Nutzung der Ferienwohnung wegen der Corona-Pandemie nicht möglich ist.


Gibt es eine Entschädigung bei Flugausfällen?

Reisende können gebuchte Flüge umbuchen und auf ein späteres Datum verschieben. Alternativ können Reisende ihre Flüge stornieren und den Ticketpreis so zurückerhalten. Ob auch ein Anspruch auf Entschädigung besteht, hängt von vielen Faktoren ab. Streicht die Airline den Flug aus betriebswirtschaftlichen Gründen und werden Reisende weniger als 14 Tage vor geplantem Abflug darüber informiert, kann ein Entschädigungsanspruch gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung gegeben sein. Informiert die Airline mehr als zwei Wochen im Voraus, entfällt der Entschädigungsanspruch. Viele Fluggesellschaften berufen sich allerdings momentan auf die sogenannten „außergewöhnlichen Umstände“. Sie erklären, dass auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen gestrichene Flüge im Endeffekt auf die Ausbreitung des Coronavirus zurückzuführen seien und entsprechend keine Entschädigung gezahlt werden muss.

Wird ein Flug gestrichen, weil er aufgrund einer Einreisesperre nicht durchgeführt werden kann, entfällt der Anspruch auf Entschädigung.


Was gilt bei Kreuzfahrten?

Da eine Kreuzfahrt Beförderung und Unterbringung in einem beinhaltet, ist sie reiserechtlich mit einer Pauschalreise gleichzusetzen.

Viele Kreuzfahrtveranstalter bieten aktuell die kostenlose Stornierung oder Umbuchung an. Grundsätzlich darf der Veranstalter keine Stornokosten verlangen, wenn außergewöhnliche Umstände am Zielort zu erheblichen Beeinträchtigungen führen. Werden Fahrten gänzlich abgesagt, erhalten Reisende ihr Geld zurück.

Entscheiden sich Reisende dafür, an der Kreuzfahrt teilzunehmen, kann unter Umständen Anspruch auf Reisepreisminderung bestehen. Dies gilt etwa dann, wenn die Route maßgeblich geändert wird und Zielhäfen nicht angesteuert werden können. Der Prozentsatz der Reisepreisminderung orientiert sich an der Würzburger Tabelle. Darüber hinausgehende Schadensersatzansprüche für verlorene Urlaubszeit oder Ähnliches entfallen bei außergewöhnlichen Umständen.


Was gilt bei gebuchten Bahnfahrten?

Die Deutsche Bahn reagiert auf die aktuellen Ausgangsbeschränkungen, die ganz Deutschland betreffen und passt ihre Sonderkulanzregelung zu bereits gebuchten Tickets an.

Fernverkehrs-Tickets, die bis zum 13. März 2020 gekauft wurden, können bis zum 31. Oktober 2020 flexibel zur Reise genutzt werden. Die Zugbindung entfällt (Stand 30.4.2020).

Wer sein Ticket nicht mehr nutzen möchte, kann dieses kostenlos gegen einen Gutschein in Höhe des Wertes des gebuchten Tickets umtauschen. Auch das gilt für Tickets, die bis einschließlich 13. März gebucht wurden und Reisedatum bis einschließlich 30. April haben – Super Sparpreise, Sparpreise und Gruppenfahrkarten sind in diese Regelung eingeschlossen. Diese Erstattung können Bahnkunden bis zum 30. Juni 2020 beantragen.

Ab dem 2. April können Bahnkunden die Stornierung des gebuchten Tickets selbstständig online durchführen.

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