Gebrauchtwagenkauf: Was gibt es rechtlich beim Kauf eines Gebrauchtwagens zu beachten?

Egal ob BMW, Opel oder Ford: Wer ein gebrauchtes Auto kauft, kann schnell eine böse Überraschung erleben. Ein manipulierter Tacho oder ein verschwiegener Unfallschaden sind keine Seltenheit. Hier erfahren Sie, was Sie beim Kauf eines Gebrauchtwagens rechtlich beachten müssen.

Autor:  Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG.

Gebrauchtwagenkauf: Was Sie über den Kaufvertrag wissen müssen

Grundsätzlich ist ein Kaufvertrag für einen Gebrauchtwagen ein Kaufvertrag wie jeder andere auch. Sie können den Vertrag mündlich, schriftlich oder auch online zum Beispiel über Ebay abschließen. Dennoch ist ein schriftlicher Vertrag beim Kauf eines Gebrauchtwagens empfehlenswert, da so Vereinbarungen zwischen Ihnen und dem Verkäufer belegt werden können.

Nehmen Sie auch die Ausstattung und das Zubehör des Wagens (wie zum Beispiel ein Radio oder eine Klimaanlage) in den Kaufvertrag mit auf. Steht im Kaufvertrag beispielsweise, dass das Auto eine Lederausstattung hat, muss die gesamte Innenausstattung aus Leder sein. Sind einzelne Teile wie die Kopfstützen oder die Türverkleidung aus Kunstleder ist das ein Grund, um vom Kaufvertrag zurückzutreten. Aber auch schon die Angaben im Inserat sind verbindlich. Verspricht der Verkäufer dort eine bestimmte Ausstattung, muss der Wagen diese auch aufweisen. Ist das nicht der Fall, darf der Käufer den Preis mindern oder vom Kaufvertrag zurücktreten. Allerdings hat der Verkäufer das Recht, seine Anzeige vor Abschluss des Kaufs zu berichtigen.

Beispiel: 2006 entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf (Az. I-12 U 113/06), dass ein Käufer von seinem Kaufvertrag zurücktreten darf, weil in dem von ihm gekauften Auto die Klimaanlage fehlte. In der Internetanzeige war diese allerdings versprochen. Der Verkäufer argumentierte, dass er diese Aussage korrigiert habe, indem er im Kaufvertrag keine Klimaanlage als Ausstattung angegeben habe. Den Richtern reichte dies jedoch nicht als Richtigstellung. Auch die Tatsache, dass der Käufer bei der Besichtigung des Fahrzeuges die fehlende Klimaanlage nicht bemerkt hat, spielte dabei keine Rolle.

Außerdem sind Gebrauchtwagenhändler dazu verpflichtet, den Wagen zumindest einer Sicht- und Funktionsprüfung zu unterziehen. Nur eine Abnahme durch den TÜV reicht nicht. Findet der Händler bei der Prüfung Hinweise auf Schäden am Wagen, muss er der Sache auf den Grund gehen. Oder er muss den Käufer darüber aufklären, welche Hinweise er gefunden hat und deutlich machen, dass er sie nicht weiter geprüft hat (Oberlandes­gericht Karlsruhe, Az. 4 U 71/09).

Vorsicht Tachomanipulation

Laut ADAC wird bei Gebrauchtwagen immer häufiger der Kilometerstand manipuliert. Nur wenn die Kilometerleistung verbindlich im Kaufvertrag vereinbart ist, können Sie im Falle einer Tachomanipulation das Auto zurückgeben oder eine Preisminderung verlangen (Landgericht Ellwangen, Az. 5 O 60/08).

Achtung: Der Bundesgerichtshof entschied 2009, dass Formulierungen wie „Kilometerstand laut Vorbesitzer“, „Kilometerstand laut Tacho“ oder „soweit bekannt“ keine verbindlichen Zusagen des Verkäufers sind. Der Verkäufer haftet somit nicht, wenn sich der angegebene Kilometerstand als falsch herausstellt. Vermeiden Sie solche Floskeln im Kaufvertrag. Lassen Sie sich den Kilometerstand unbedingt verbindlich zusichern.

Gut zu wissen: Kontrollieren Sie das Inspektionsheft und die Ölwechselaufkleber sowie die AU- und TÜV-Berichte. Diese können einen Hinweis auf eine Tachomanipulation liefern. Ist laut Aufkleber beispielsweise der nächste Ölwechsel bei 180.000 Kilometern fällig, der Kilometerstand ist aber erst bei 100.000 Kilometer, wurde der Tacho höchstwahrscheinlich verändert. Normalerweise ist nämlich spätestens alle 30.000 Kilometer ein Ölwechsel fällig.

Sonderfall Unfallauto

Generell dürfen Sie auch bei einem Gebrauchtwagen voraussetzen, dass der Wagen unfall­frei ist. Laut dem Oberlandesgericht Braunschweig muss der Verkäufer – egal ob Händler oder Privatperson – ungefragt darauf hinweisen, falls das Auto einen Unfallschaden hat. Selbst wenn alles fachmännisch repariert wurde (Az. 8 U 163/13). Außerdem muss der Verkäufer Ihnen das gesamte Ausmaß der Schäden nennen. Nur der Hinweis, dass es sich um ein „Unfallauto“ handelt reicht nicht. Er darf die Schäden auch nicht kleinreden.

Beispiel: Das OLG Düsseldorf entschied 2013, dass ein Verkäufer einen Schaden nur als „reparierter Blech­schaden“ bezeichnen darf, wenn es sich bei dabei um rein oberflächliche Schäden handelt. Der Schaden darf die Struktur des Fahrzeugs nicht beeinträchtigt haben. Außerdem muss der Schaden ordnungsgemäß behoben worden sein.

Achtung: Auf einen bereits reparierten Marderschaden müssen Gebraucht­wagenhändler nicht hinweisen. Ist er fachgerecht repariert worden, schmälert er auch nicht den Wieder­verkaufs­wert des Autos (Landesgericht Aschaffenburg Az. 32 O 216/14). Auf Bagatell­schäden, also Äußerlich­keiten wie kleine Lack- oder Blech­schäden, muss der Verkäufer auch nicht ungefragt hinweisen.

Garantie und Gewährleistung beim Gebrauchtwagenkauf

Laut § 433 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) gelten beim Gebrauchtwagenkauf dieselben Regeln wie bei jedem andern Kaufvertrag. Der Verkäufer muss Ihnen das Auto frei von Mängeln übergeben. Wenn Sie einen Gebrauchtwagen von einem Unternehmer kaufen, ist dieser gesetzlich zur Gewährleistung verpflichtet. Das heißt, der Verkäufer haftet für Mängel, die Sie innerhalb von zwei Jahren bemerken. 

Achtung: Der Verkäufer haftet nur für Mängel, die bereits bei der Übergabe des Fahrzeuges vorhanden waren. Allerdings gilt innerhalb der ersten sechs Monate die sogenannte Beweislastumkehr (§ 476 BGB). Tritt ein Mangel innerhalb dieser Zeit auf, können Sie  – ohne es beweisen zu müssen – behaupten, dass der Mangel bereits bei der Übergabe vorhanden war. Kann der Verkäufer nicht beweisen, dass der Mangel bei der Übergabe des Autos noch nicht da war, haben Sie ein Recht darauf, dass der Mangel ausgebessert wird. Nach den ersten sechs Monaten dreht sich die Beweislast wieder um. Nun müssen Sie dem Verkäufer beweisen können, dass ein Mangel bereits bei der Übergabe des Autos vorhanden war.

Achtung: Typische Verschleißerscheinungen eines Gebrauchtwagens, wie zum Beispiel abgenutzte Bremsscheiben oder ein verstopfter Dieselpartikelfilter bei einem Auto mit hohem Kilometerstand gelten nicht als Mangel.

Ist der Verkäufer ein Unternehmer, kann er die Gewährleistung an dem Gebrauchtfahrzeug nicht ausschließen, aber er kann im Kaufvertrag festlegen, dass sie auf ein Jahr reduziert wird.

Gut zu wissen: Als Unternehmer zählen nicht nur Gebrauchtwagenhändler. Wenn beispielsweise ein selbstständiger Handwerker seinen alten Firmenwagen weiterverkauft, gilt das ebenfalls als Verkauf zwischen einen Unternehmer und einer Privatperson.

Anspruch auf Nachbesserung oder Ersatzlieferung

Wenn Sie ihr Gewährleistungsrecht in Anspruch nehmen, können Sie grundsätzlich zwischen der Beseitigung des Mangels (Nachbesserung) oder der Lieferung eines gleichwertigen Ersatzes wählen. Allerdings ist es bei einem Gebrauchtwagen schwierig, einen komplett gleichwertigen Ersatz zu finden. In der Regel läuft es daher auf eine Reparatur hinaus.

Gut zu wissen: Sie müssen dem Verkäufer selbst die Möglichkeit zur Nachbesserung geben und dürfen nicht ohne weiteres eine andere Werkstatt mit der Reparatur beauftragen. Pro Mangel stehen dem Verkäufer normalerweise zwei Nachbesserungsversuche zu. Sie sollten mit dem Verkäufer außerdem eine Frist vereinbaren, innerhalb der die Reparaturen durchgeführt werden müssen. In der Regel beträgt eine solche Frist ein bis zwei Wochen.

Ein gewerblicher Verkäufer – sprich ein Gebrauchtwagenhändler – muss bei einer Nachbesserung folgende Kosten übernehmen:

  • Abschleppkosten zur nächstgelegenen Werkstatt
  • Kosten für reparaturbedingte Materialien wie Schmierstoffe, etc.
  • Fahrtkosten von und zur Werkstatt zur Durchführung der Reparatur
  • Kosten für den Austausch von defekten Teilen

Gut zu wissen: Darüber hinaus anfallende Kosten wie zum Beispiel für einen Mietwagen oder den Ausgleich Ihres Verdienstausfalls muss der Händler nicht übernehmen. Außer er hat den Mangel am Auto nachweislich selbst verschuldet.

Anspruch auf Rücktritt oder Kaufpreisminderung

Sie können vom Vertrag zurücktreten oder den Kaufpreis mindern, wenn

  • der Verkäufer die Nacherfüllung verweigert
  • der Mangel trotz zwei Nachbesserungsversuchen nicht behoben werden konnte
  • dem Käufer die Nachbesserung nicht zumutbar ist (§ 440 BGB) - zum Beispiel, wenn der Käufer arglistig getäuscht wurde

Wenn Sie vom Kaufvertrag zurücktreten, bekommen Sie bei einem Gebrauchtwagen üblicherweise nicht den gesamten Kaufpreis zurück. Denn dem Verkäufer steht eine sogenannte Nutzungsentschädigung zu, da der Wagen durch Ihren Gebrauch an Wert verloren hat. Die Nutzungsentschädigung lässt sich folgendermaßen berechnen:

(Bruttokaufpreis x gefahrene Kilometer) : (erwartete Gesamtlaufleistung - Kilometerstand beim Kauf)

Rechenbeispiel: Sie kaufen für 5.000 Euro einen Golf mit 85. 0000 Kilometern. Sie fahren mit dem Fahrzeug 10.000 Kilometer. Das Auto hat eine erwartete Gesamtlaufleistung von 150.000 Kilometern. Sie müssen dem Verkäufer also rund 770 Euro Entschädigung zahle.

Gut zu wissen: Bei einem Kleinwagen gehen die Gerichte in der Regel von einer zu erwartenden Gesamtlaufleistung von 150.000 Kilometern aus. Ab Fahrzeugen der Mittelklasse veranschlagen die Gerichte im Einzelfall je nach Fahrzeugtyp eine höhere zu erwartende Gesamtfahrleistung.


Ein Rücktritt vom Kaufvertrag wird in der Regel nur bei schwerwiegenden Mängeln zustande kommen. Eine Minderung des Kaufpreises kann dagegen auch bei kleineren Mängeln gefordert werden, wie zum Beispiel ein defekter Lautsprecher oder eine defekte Scheibenwischanlage. Um wieviel der Kaufpreis gemindert werden kann, wird meist durch einen Sachverständigen festgelegt.

Gebrauchtwagengarantie

Sie können beim Verkäufer, dem Hersteller oder einem Dritten (zum Beispiel einem Versicherungsunternehmen) eine Garantie für Ihren Gebrauchtwagen kaufen. Manchmal ist sie beim Kauf eines Gebrauchtwagens auch bereits mit inbegriffen. Die Garantie kann je nach Vereinbarung alle auftretenden Mängel abdecken oder nur für Mängel an bestimmten Bauteilen gelten, wie beispielsweise am Motor oder den Bremsen. In der Regel übernimmt der Garantiegeber nur für einen festgelegten Zeitraum die Reparaturkosten für die Mängel Ihres Gebrauchtwagens.

Achtung: Ihr Recht auf Gewährleistung wird durch die Garantie nicht eingeschränkt. Sie können also auch Ihr Recht auf Nachbesserung für Mängel in Anspruch nehmen, die von der Garantie nicht abgedeckt werden.

Gut zu wissen: Wenn Sie einen Gebrauchtwagen mit Garantie kaufen, können Sie die Wartung und Inspektion auch in einer freien Werkstatt durchführen lassen, ohne die Garantie zu verlieren. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass eine Einschränkung der Garantie auf Vertragswerkstätten des Herstellers unwirksam sind (Az. VIII ZR 206/12).

Gebrauchtwagen von Privat kaufen

Sind sowohl Käufer als auch Verkäufer Privatpersonen, können im Kaufvertrag die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche komplett ausgeschlossen werden. Es erfolgt jedoch kein automatischer Ausschluss der Gewährleistung, wie vielfach angenommen wird. Meist enthält der Kaufvertrag dann einen Satz, wie: „Das Fahrzeug wird unter Ausschluss der Sachmängelhaftung verkauft“. Dies gilt jedoch nicht für Mängel, die der Verkäufer arglistig verschwiegen hat (§ 444 BGB). Allerdings müssen Sie das dem Verkäufer auch nachweisen können.

Achtung: Die häufig vorkommende Formulierung „gekauft wie gesehen“ schließt nur die Haftung für Mängel aus, die ein Laie ohne die Hilfe eines Experten bei der Besichtigung erkennen kann (OLG Oldenburg Az. 9 U 29/17).

Gebrauchtwagen ummelden

Um Ihren Gebrauchtwagen umzumelden, benötigen Sie diese Unterlagen vom Verkäufer:

  • Zulassungsbescheinigung Teil I (ehemals Fahrzeugschein)
  • Zulassungsbescheinigung Teil II (ehemals Fahrzeugbrief)
  • Untersuchungsbericht der letzten Hauptuntersuchung
  • Elektronische Versicherungsbestätigungsnummer (eVB-Nummer) zum Nachweis der Haftpflichtversicherung

Der Verkäufer ist gesetzlich verpflichtet, den Verkauf seines Autos unverzüglich bei der Zulassungsstelle zu melden (§ 13 Fahrzeug-Zulassungsverordnung FZV). Hierzu muss er eine sogenannte Veräußerungsanzeige machen. Nur wenn diese Anzeige gestellt wurde, endet die Kfz-Steuerpflicht für den Verkäufer.

Die Veräußerungsanzeige muss folgendes beinhalten:

  • Name und Anschrift des Käufers
  • Die Empfangsbestätigung des Käufers, dass ihm die Zulassungsbescheinigung und die Bescheinigung über die letzte Hauptuntersuchung ausgehändigt wurden
  • Eine schriftliche Bestätigung, dass die Kennzeichen des Autos mit übergeben wurden

Außerdem muss der Verkäufer der Versicherung den Verkauf seines Wagens melden. Laut den Allgemeinen Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung (AKB) geht beim Verkauf der Versicherungsvertrag auf den Käufer über. Der Käufer hat das Recht, diesen Vertrag zu kündigen.

Gut zu wissen: Wenn Sie mit einem Wagen vor der Ummeldung einen Verkehrsunfall mit Drittschaden verursachen, muss für den Schaden weiterhin die Kfz-Haftpflichtversicherung des Verkäufers aufkommen. Allerdings wird der Schadensfreibetrag des Verkäufers nicht mehr reduziert. Eine Zurückstufung des Schadensfreiheitsrabattes beim Verkäufer ist also nicht zulässig.  Ordnungswidrigkeit, wie Strafzettel oder Geschwindigkeitsüberschreitungen, die Sie vor der Ummeldung des Wagens begehen, müssen Sie selbst zahlen.

Gebrauchtwagenkauf: Hilfe von einem Anwalt oder einer Anwältin

Sie haben Mängel an Ihrem Gebrauchtwagen entdeckt und möchten Ihre Gewährleistungsansprüche geltend machen? Oder benötigen Sie Hilfe beim Aufsetzen eines Kaufvertrages? In diesen und vielen weiteren Fällen stehen Ihnen die selbstständigen Kooperationsanwälte und Kooperationsanwältinnen der Deutschen Anwaltshotline mit Rat und Tat zur Seite - schnell und verständlich entweder per telefonischer Rechtsberatung oder E-Mail.

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