Baurecht: Alle Infos und Beratung vom Anwalt

„Deutschland ist Bauland“ ist eine bekannte Redensart. Damit es rund um das Thema Bauen auch mit rechten Dingen zugeht, gibt es das deutsche Baurecht. Es ist sogar eines der ältesten schriftlich festgehaltenen Rechtsgebiete in Deutschland. Egal ob Einliegerwohnung, Mehrfamilienwohnhaus, Garage, Terrassenüberdachung oder Carport: Alle Regeln und Vorgaben aus gesetzlicher Sicht finden Sie im Baurecht. Dieses gliedert sich in zwei große Themenfelder mit eigenen Unterkategorien. Da wäre zunächst einmal das für Sie vermutlich wichtigere private Bauchrecht. In diesem werden die rechtlichen Beziehungen zwischen dem Auftraggeber und den planenden, beziehungsweise ausführenden Beteiligten geklärt. Vorgaben und Normen also, die für Verträge zwischen Ihnen und Architekten, Statikern und Handwerkern wichtig sind. Auch finden Sie hier Regeln und Gesetze in Bezug auf grundstücks- und nachbarrechtliche Verhältnisse – zum Beispiel, ob Sie den Ast des Apfelbaums vom Nachbarn einfach absägen dürfen, wenn er in Ihren Garten hineinragt. Auch können Sie hier nachlesen, ob Sie Äpfel von diesem Ast ernten und behalten dürfen, wenn sie in Ihren Garten fallen.

Autor:  Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG.

Der zweite – wesentlich umfangreichere Bereich – ist das öffentliche Baurecht. Dieses beantwortet Ihre Fragen in Bezug darauf, ob eine Baugenehmigung nötig ist und auf welche Art und Weise sie erteilt wird. Dieser Bereich ist besonders umfangreich und verwirrend, denn er behandelt nicht nur deutschlandweit geltende Bundesgesetze im Baugesetzbuch (BauGB), sondern eben auch Bestimmungen auf landesrechtlicher Ebene. Bauordnungen sind nämlich Ländersache und daher sehr unterschiedlich und die sogenannten bauordnungsrechtlichen Festsetzungen in den Bebauungsplänen (die Frage danach, wo was gebaut werden darf) vielfältig. So mag eine Durchfahrt mit drei Meter Breite in engen Städten durchaus angemessen sein, während in ländlichen Gebieten diese größer ausfallen sollte, um auch für Traktoren geeignet zu sein. Dazu kommen noch ganze Kataloge von Baugesetzen, Bauverordnungen, Bauverträgen, baurechtlichen Vorschriften, dem Architektenrecht, dem Grundstücksrecht und Gewährleistungsforderungen auf Sie zu, denn „Besitz verpflichtet“. So wird neben dem Bau die Verpflichtung zum Bestandsschutz bevorzugt, also die Restauration von alten Gebäuden, beziehungsweise deren Erhalt.

Grundbuch, Mischgebiet & Nachbarschutz: Alles was Sie müssen

Mit dem Kauf eines Grundstücks und dem Eintrag im Grundbuch (einer Art Urkunde über den Landbesitz) haben Sie als Eigentümer oder auch Bauherr keine vollkommene Freiheit. Denn genehmigungsfreies Bauen ist nur in wenigen Fällen möglich. Ein häufiger Streitfall ist die sogenannte Grenzbebauung, also das Bauen an oder sogar auf der Grundstücksgrenze. Da Sie damit auch das benachbarte Grundstück durch Schatten oder Sichteinschränkungen beeinflussen, unterliegt dieser Vorgang gewissen Regeln. Zumeist müssen Sie dem örtlichen Bauamt für ein solches Vorhaben einen fachlich korrekten Bauplan vorlegen. Dieser darf zum einen dem „qualifizierten Bebauungsplan“ der Gemeinde nicht widersprechen – ein Plan der festlegt, wo und was gebaut werden darf - zum anderen muss der Grund auf dem gebaut werden soll auch entsprechend „erschlossen“ sein. Von einer „Erschließung“ spricht man, wenn das Grundstück wirklich nutzbar ist, also zum Beispiel Wasserzuflüsse, Stromkabel und Straßenanbindung vorhanden sind. Selbst wenn Sie gar nicht bauen wollen, sondern zum Beispiel nur einen Container zum Wohnen auf Ihr Grundstück setzen wollen, erfordert dies, eine entsprechende Genehmigung.

Ursache für diese ganzen Baugenehmigungen und Bauerlaubnisse ist zum Teil auch der sogenannte Nachbarschutz. Dieser soll dafür sorgen, dass ein Wohngebiet einen möglichst harmonischen Raum zum Zusammenleben bietet. So ist es zum Beispiel nicht möglich, dass jemand einfach eine Diskothek neben Ihrem Wohnhaus eröffnet. Ausschlaggebend hierfür ist der Bebauungsplan der Gemeinde, der in der Regel dafür sorgt, dass in reinen Wohngebieten sich nie größere Gewerbeflächen oder gar Industrieanlagen befinden. Beides kann aber in einem Mischgebiet durchaus harmonisch (und unter Auflagen) mit Wohnflächen koexistieren. Dies ist auch wichtig für den Kauf und Verkauf von Grundstücken und Immobilien, wirken sich doch laute Industrie oder nahe Gewerbegebiete stark auf den Preis eines Hauses oder Grundstücks aus.

Weitere Informationen: Baurecht von A-Z


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