Ausbildungsvergütung: Was Ihnen zusteht und was Sie jetzt wissen müssen

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“ Wer eine Ausbildung macht, muss sich diesen Spruch früher oder später gefallen lassen – und zwar häufig dann, wenn es um den niedrigen Verdienst des Auszubildenden geht. Warum Sie während der Lehre so wenig verdienen, worauf Sie mindestens Anspruch haben und wie Sie trotzdem noch das Maximum aus dem Gehalt herausholen können, lesen Sie hier.

Autor:  Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG.

Wie viel Sie in einer Berufsausbildung wirklich verdienen können, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Welchen Beruf Sie erlernen wollen, in welcher Branche Sie dafür arbeiten, ob Ihr Ausbildungsbetrieb tarifgebunden ist oder nicht und sogar an welchem Ort Sie Ihre Lehre machen, kann Auswirkungen haben. Sicher ist aber eines: In den wenigsten Fällen werden Sie Ihren Lebensunterhalt allein mit der Ausbildungsvergütung bestreiten können – vor allem dann nicht, wenn Sie aus Ihrem Elternhaus ausziehen und eine eigene Wohnung finanzieren müssen.

Gesetzlicher Mindestlohn für Auszubildende

Seit 2020 wird das aber ein Stück einfacher, denn am 1. Januar 2020 trat durch eine Novelle des Berufsbildungsgesetzes der gesetzliche Mindestlohn für Auszubildende in Kraft. Seither verdient jeder Lehrling im ersten Lehrjahr mindestens 515 Euro im Monat. Und wie in allen anderen Branchen steigt auch der Mindestlohn für Azubis weiter an und soll im Jahr 2023 mindestens 620 Euro betragen. Auch die Ausbildungsvergütung im zweiten und dritten Lehrjahr steigt – um 18 beziehungsweise 35 Prozent. Wer vier Jahre lernt, erhält im vierten Lehrjahr sogar 40 Prozent mehr Geld als bisher.

Allerdings ist die Freude nicht ungetrübt, denn es gibt zwei Ausnahmen, für die der Mindestlohn für Auszubildende nicht gilt:

  1. Alle Lehrlinge, die sich bereits in Ausbildung befinden, werden weiter so vergütet, wie es im Ausbildungsvertrag vereinbart ist.
  2. Wenn Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter einen Tarifvertrag für die Ausbildung in ihrem Betrieb vereinbaren, darf darin auch eine Vergütung unter der Mindestlohngrenze vereinbart werden.

Ausbildungsvergütung muss „angemessen“ sein

In jedem Fall haben Sie als Auszubildender einen Anspruch auf eine „angemessene Vergütung“. Das besagt § 17 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Was allerdings genau mit „angemessen“ gemeint ist, definiert das Gesetz nicht näher. Dort finden Sie also auch keine konkreten Summen, die Ihr Gehalt während der Ausbildung beschreiben. In vielen Branchen sind die allerdings in einem Tarifvertrag festgeschrieben.

 


Tarifverträge werden zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgeberverbänden einer Branche abgeschlossen. Was darin vereinbart wird, gilt deshalb theoretisch auch nur für Arbeitnehmer, die Mitglied in einer Gewerkschaft sind und Betriebe, die dem Arbeitgeberverband angehören. In der Praxis werden die tariflichen Regelungen aber meist für alle Mitarbeiter eines Betriebs übernommen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales kann einen geltenden Tarifvertrag außerdem für „allgemeinverbindlich“ erklären. Dann gelten seine Regelungen nicht nur für die Tarifpartner, die ihn ursprünglich abgeschlossen haben, sondern zum Beispiel für alle Betriebe der betreffenden Branche – egal, ob sie tarifgebunden sind oder nicht.


Gilt für Ihren Ausbildungsbetrieb kein Tarifvertrag, zum Beispiel weil Ihr Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist, verhandeln Sie die Ausbildungsvergütung direkt. Aber auch dann darf Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt nicht einfach so niedrig ansetzen, wie er will, sondern muss wie schon erwähnt eine „angemessene“ Vergütung zahlen. Was nun unter dieser Formulierung konkret zu verstehen ist, hat in der Vergangenheit bereits Gerichte beschäftigt. Wegweisend ist dabei ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2015 (Az. 9 AZR 108/14). Darin wurde festgelegt, dass Ihr Gehalt mindestens 80 Prozent der tariflichen Ausbildungsvergütung betragen muss. Alles darunter gilt als unangemessen und ist nicht erlaubt. Bevor Sie also in die Gehaltsverhandlungen gehen, sollten Sie sich informieren, welche Tarifverträge für Ihre Branche gelten und wie hoch die darin vereinbarte Ausbildungsvergütung ist. So haben Sie ein gutes Argument, um ein möglichst hohes Ausbildungsgehalt auszuhandeln.

Berufsbildungsgesetz regelt Ausbildungsvergütung

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) umfasst darüber hinaus aber noch andere Regeln zur Ausbildungsvergütung. So ist darin zum Beispiel auch festgeschrieben, dass die Ausbildungsvergütung mindestens jährlich steigt. Sie müssen im zweiten Lehrjahr also mehr verdienen als im ersten und im dritten mehr als im zweiten. Das kann Ihr Arbeitgeber auch nicht vermeiden. Und auch Überstunden müssen bezahlt oder mit zusätzlicher Freizeit abgegolten werden. Im Gesetz ist das in §17, Abs. 3 so formuliert: „Eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung ist besonders zu vergüten oder durch entsprechende Freizeit auszugleichen.“

Grundsätzlich muss der Ausbildungsbetrieb Ihr Lehrlingsgehalt spätestens am letzten Arbeitstag eines Monat auszahlen (§ 18, Abs. 2 BBiG) und er muss es auch dann zahlen, wenn Sie krank, im Urlaub oder freigestellt sind. Dabei ist im Gesetz sehr genau vorgeschrieben, wann Sie als Auszubildender freigestellt werden müssen, wann Sie also nicht arbeiten müssen, aber trotzdem Gehalt bekommen. Ihr Arbeitgeber muss Sie freistellen für:

  1. den Besuch der Berufsschule
  2. Prüfungen
  3. Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte

Und auch wenn Sie sich für die Ausbildung bereithalten, die aber nicht stattfindet, haben Sie weiter Anspruch auf Ihr Gehalt. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn Sie etwa auf dem Bau arbeiten, wo bei großer Kälte nicht mehr gearbeitet werden kann –– oder wenn es eine Auftragsflaute gibt und keine Arbeit da ist.

Steuern und Versicherung: Was vom Lehrlingsgehalt übrig bleibt

Was im Tarif- und Ausbildungsvertrag steht, ist Ihr Brutto-Gehalt. Diese Summe landet aber nicht auf Ihrem Konto, denn davon werden unter Umständen noch Sozialversicherungsbeiträge und Steuern abgezogen und von Ihrem Ausbildungsbetrieb direkt an das Finanzamt abgeführt. Auch der Betrieb muss als Arbeitgeber für Sie Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung zahlen. Sie „teilen“ sich die Belastung also sozusagen, wobei Ihr Anteil daran etwa 20 Prozent Ihrer Bruttoausbildungsvergütung beträgt. Was nach diesen Abzügen übrig bleibt, nämlich Ihr Netto-Gehalt, wird Ihnen dann auch tatsächlich überwiesen.

Verdienen Sie im Monat weniger als 325 Euro brutto, gilt allerdings eine Sonderregelung: In diesem Fall müssen Sie keine Abgaben zahlen, nur Ihr Ausbildungsbetrieb muss seinen Teil abführen. Brutto ist in diesem Fall für Sie also gleich netto. Diese Regelung betrifft aber wohl nur noch Auszubildende, die vor Einführung des Mindestlohns für Azubis ihre Lehre begonnen haben. Alle anderen sollten deutlich mehr verdienen.

Wer mehr als diese 325 Euro verdient, ist verpflichtet, zumindest die Abgaben für die Sozialversicherung zu leisten. Dazu zählen die Kranken-, die Renten- und die Arbeitslosenversicherung. Diese Beiträge dienen also auch Ihrer eigenen Absicherung.

Etwas günstiger sieht es aus, wenn es um die abzuführenden Steuern geht: Hier werden gewöhnlich Lohn- und Kirchensteuer und der Solidaritätszuschlag vom Brutto-Gehalt abgezogen. Allerdings fallen Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag erst ab einer bestimmten Einkommensgrenze an: Erst wenn Sie im Jahr mehr als 9.408 Euro (Stand 2020) verdienen, müssen Sie Lohnsteuer abführen. Und erst, wenn Sie im Jahr mehr als 972 Euro Lohnsteuer zahlen müssen, wird auch der sogenannte Soli fällig. Die Kirchensteuer ist davon allerdings unberührt. Wenn Sie Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche in Deutschland sind, müssen Sie auch als Auszubildender automatisch bereits Kirchensteuer zahlen.

Ausbildungsvergütung: Beratung durch einen Anwalt

Ihr Ausbildungsbetrieb weigert sich, Ihnen die tarifliche Ausbildungsvergütung zu zahlen oder es gibt Ärger wegen der Abführung von Lohnsteuer und Sozialabgaben? Dann brauchen Sie Unterstützung vom Experten: Die selbstständigen Kooperationsanwälte der Deutschen Anwaltshotline beraten Sie per E-Mail oder am Telefon. Bequem und schnell von zu Hause aus bekommen Sie so eine juristische Einschätzung Ihrer Situation und Hinweise darauf, wie Sie weiter vorgehen können, um doch noch zu Ihrem Recht zu kommen.

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