Mündlicher Arbeitsvertrag: Darf ich ohne schriftlichen Vertrag arbeiten?

Zwar ist ein schriftlicher Arbeitsvertrag gang und gäbe, doch kommt es auch immer wieder vor, dass Arbeitgeber ein Arbeitsverhältnis formlos per Handschlag besiegeln. Grundsätzlich ist das auch kein Problem, denn der Arbeitsvertrag kann auch mündlich geschlossen werden. Beachten sollten Sie dabei allerdings, dass es bei einer mündlichen Vereinbarung nicht selten zu Missverständnissen und Unklarheiten kommt. Immerhin lassen sich mündliche getroffene Abmachungen nur schwer beweisen.

Autor:  Redaktion Deutsche Anwaltshotline AG.

Arbeiten ohne schriftlichen Arbeitsvertrag: Rein rechtlich kein Problem!

Ein mündlicher Arbeitsvertrag ist wirksam

Wer einen Job angeboten bekommt, diesen annimmt und sich mit seinem zukünftigen Arbeitgeber über die wichtigsten Regelungen – wie etwa die Höhe des Gehalts oder die Arbeitszeit – einigt, schließt einen mündlichen Arbeitsvertrag. Dieser ist rechtlich gesehen mit einem schriftlichen Arbeitsvertrag gleichzusetzen und entsprechend wirksam.

Zwar wird in den meisten Fällen auch ein schriftlicher Arbeitsvertrag geschlossen, in dem alle Vereinbarungen noch einmal schwarz auf weiß festgehalten werden, doch ist dies rein rechtlich nicht nötig. Der Arbeitsvertrag unterliegt dem Grundsatz der Formfreiheit und muss nicht schriftlich vorliegen. Das schriftliche Dokument dient lediglich dazu, Sicherheit für beide Parteien zu schaffen. Immerhin kann es dadurch später nicht zu Unklarheiten kommen, wenn es beispielsweise darum geht, wie viele Urlaubstage Ihnen zustehen oder wann Ihr Gehalt spätestens auf dem Konto sein muss. Grundsätzlich empfiehlt es sich daher, den Chef um einen schriftlichen Arbeitsvertrag zu bitten.

Ausnahme: Befristeter Arbeitsvertrag bedarf der Schriftform

Eine Ausnahme gilt bei befristeten Arbeitsverhältnissen. Gemäß § 14 Abs. 4 des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (TzBfG) gilt: „Die Befristung eines Arbeitsvertrages bedarf zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform.“

Bei diesem Paragrafen liegt der Teufel im Detail, denn genau genommen muss nur die Befristung schriftlich vereinbart werden, nicht aber der Arbeitsvertrag. In der Praxis bedeutet das: Schließen Sie mit Ihrem künftigen Arbeitgeber einen mündlichen Arbeitsvertrag und einigen Sie sich dabei auf eine zeitliche Befristung, ist zwar der Arbeitsvertrag wirksam, nicht aber die Befristung. Sie sind entsprechend automatisch unbefristet angestellt.

Arbeiten ohne schriftlichen Arbeitsvertrag: Bei Unklarheiten gelten die gesetzlichen Regelungen

Wenn Sie sich auf einen mündlichen Arbeitsvertrag einlassen, kann es sein, dass Unklarheiten über die genauen Konditionen Ihres Arbeitsverhältnisses auftreten. Können Sie sich im Nachhinein mit Ihrem Arbeitgeber nicht einigen und steht Aussage gegen Aussage gelten für Sie die folgenden gesetzlichen Regelungen:

  • Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub (24 Tage bei einer 6-Tage-Woche)
  • Maximale tägliche Arbeitszeit von acht Stunden (branchenspezifische Abweichungen möglich)
  • Branchen- und berufsüblicher Lohn (zumindest der gesetzliche Mindestlohn)
  • Gesetzlich geregelte Pausenzeiten
  • Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
  • Gesetzliche Kündigungsfrist (für den Arbeitnehmer vier Wochen zum 15. oder zum Ende des Kalendermonats, für den Arbeitgeber nach Betriebszugehörigkeit des Arbeitnehmers gestaffelte Kündigungsfristen)
  • Bei Anwendbarkeit eines Tarifvertrags gelten die Regelungen aus diesem

Gut zu wissen: Selbst wenn der Arbeitsvertrag mündlich geschlossen wurde, muss die Kündigung immer schriftlich erfolgen.

Die Beweispflicht liegt beim Arbeitnehmer

Sollte es zu Streitigkeiten mit Ihrem Arbeitgeber kommen, liegt die Beweispflicht bei Ihnen als Arbeitnehmer. Dies führt in der Praxis häufig zu Problemen, denn nur selten gibt es Zeugen, die beim mündlichen Abschluss des Arbeitsvertrags anwesend waren. Gerade was die Höhe des Gehalts angeht, wird es schwierig: Immerhin wissen die Kollegen nur in den seltensten Fällen, was andere Mitarbeiter verdienen. Ihre Kontoauszüge, auf denen ein regelmäßiger Gehaltseingang in gleichmäßiger Höhe verzeichnet ist, können in diesem Fall als valides Beweismittel angesehen werden.

Arbeitnehmer haben Anspruch auf schriftlichen Nachweis über die Konditionen des Arbeitsverhältnisses

Auch wenn der Arbeitsvertrag durchaus mündlich und formlos geschlossen werden darf, gilt für Ihren Arbeitgeber eine Nachweispflicht gemäß § 2 Abs. 1 Nachweisgesetz (NachwG). Demnach muss er Ihnen spätestens einen Monat nach Beginn des Arbeitsverhältnisses ein schriftliches Dokument aushändigen, in dem die wichtigsten Regelungen schwarz auf weiß festgehalten sind:

  • Name und Anschrift beider Vertragsparteien
  • Zeitpunkt des Beginns des Arbeitsverhältnisses
  • Arbeitsort(e)
  • Kurze Beschreibung der Tätigkeit
  • Zusammensetzung und Höhe des Arbeitsentgelts (inkl. Zuschläge und Einmalzahlungen)
  • Fälligkeit des Arbeitsentgelts
  • Vereinbarte Arbeitszeit
  • Anzahl der jährlichen Urlaubstage
  • Kündigungsfristen
  • Gegebenenfalls Hinweis auf Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen

Bei befristeten Arbeitsverhältnissen muss auch die vorhersehbare Dauer des Arbeitsverhältnisses festgelegt werden. Damit ist die Schriftform für die Befristung erfüllt und das Arbeitsverhältnis gilt trotz mündlichem Arbeitsvertrag als wirksam befristet.

Der Nachweis muss von Ihrem Arbeitgeber schriftlich vorgelegt werden und von ihm handschriftlich unterzeichnet sein. Das Gesetz gibt klar vor, dass die elektronische Form ausgeschlossen ist: Eine E-Mail oder WhatsApp-Nachricht reicht also nicht aus!

Stellt Ihr Arbeitgeber Ihnen keinen derartigen Nachweis aus, sollten Sie Ihn auf seine Pflicht hinweisen. Tun Sie dies am besten schriftlich und wiederholt, falls der Nachweis weiterhin ausbleibt. Kommt es nämlich später zu Unklarheiten und wollen Sie Ihre Arbeitskonditionen vor Gericht einklagen, gilt: Der klare Verstoß Ihres Arbeitgebers gegen seine Nachweispflicht trotz wiederholter Aufforderung kann als vorteilhaft für Sie ausgelegt werden.

Mündlicher Arbeitsvertrag: Beratung durch einen Anwalt

Sie haben sich gutgläubig auf einen mündlichen Arbeitsvertrag eingelassen und nun streiten Sie sich mit Ihrem Chef darüber, wie viel Urlaub Ihnen zusteht oder wie hoch Ihr Gehalt sein sollte? Die selbstständigen Kooperationsanwälte der Deutschen Anwaltshotline können Ihnen in diesem Fall wertvolle Tipps für das weitere Vorgehen geben. Schildern Sie Ihre Situation einfach per E-Mail oder am Telefon und Sie erhalten eine rechtlich fundierte Ersteinschätzung.

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