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Ryanair Streik: Was Reisende jetzt wissen müssen

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair schreibt schon seit geraumer Zeit negative Schlagzeilen: Nachdem zuletzt aufgrund einer Fehlplanung des Piloten-Urlaubs mehr als 2.000 Flüge gestrichen werden mussten, zeichnet sich nun der erste Streik in der über 30-jährigen Unternehmensgeschichte ab.

Ein genaues Datum für die Arbeitsniederlegung der deutschen Piloten steht zwar noch nicht fest, doch soll es noch in diesem Jahr zu Streiks kommen.

 

Was ist zu tun, wenn mein Ryanair-Flug streikbedingt ausfällt?

Bei innereuropäischen Flügen gilt die europäische Fluggastrechte-Verordnung (EG Nr. 261/2004). Demnach muss die Airline bei einem Streik für eine alternative Beförderung sorgen, das heißt Ihnen einen neuen zumutbaren Flug organisieren.

Sollten Sie diesen nicht mehr in Anspruch nehmen wollen – beispielsweise weil Sie einen wichtigen Termin verpassen – können Sie den gebuchten Flug im Falle eines Streiks kostenlos stornieren. Auch die Umbuchung ist kostenlos auf der Seite von Ryanair möglich.

Wenn Sie eine Pauschalreise gebucht haben, müssen Sie sich an den Reiseveranstalter wenden. Dieser muss Ihnen einen neuen Flug organisieren. Sollte sich Ihr Urlaubsaufenthalt dadurch verkürzen, können Sie nachträglich den Reisepreis mindern. Die genauen Konditionen hierfür können Sie der Frankfurter Tabelle entnehmen.

Die EU-Fluggastrechte-Verordnung sieht bei Flugausfällen Entschädigungen von bis zu 600 Euro vor. Dies gilt allerdings nicht bei außergewöhnlichen Umständen, worunter Streiks fallen. Das heißt, dass Reisende den Flug zwar kostenlos stornieren können – eine Entschädigung für den entgangenen Urlaub gibt es allerdings nicht.

Fällt Ihr Flug hingegen nicht in die offizielle Streikphase und wird annulliert oder ist überbucht, können Sie eine finanzielle Entschädigung einfordern. Ryanair kann sich dabei nicht auf streikbedingte Komplikationen berufen.

 

Wann wird bei Ryanair gestreikt?

Neben den deutschen Piloten wollen auch die Kapitäne in Italien, Portugal und Irland ihre Arbeit niederlegen. Den Anfang will Italien machen, wo am 15. Dezember für rund vier Stunden gestreikt werden soll. Die Piloten in Portugal und Irland wollen am 20. Dezember für 24 Stunden die Arbeit niederlegen.

Ein Termin für den Piloten-Streik in Deutschland ist noch nicht bekannt. VC-Präsident Ilja Schulz gibt an, dass Reisende rechtzeitig informiert werden. Allerdings sollen die Streiks auch nicht zu lange vorher angekündigt werden, um Ryanair mögliche Gegenmaßnahmen zu erschweren. „Unsere Maßnahmen müssen auch sitzen“, so Schulz.

 

Worum geht es beim Ryanair Streik?

Am Dienstag, den 12. Dezember 2017, rief die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) die Ryanair-Kapitäne zum Streik auf. Ziel der Maßnahme sind marktgerechte Arbeits- und Vergütungskonditionen. Arbeitsrechtlern ist die Billigairline schon länger ein Dorn im Auge, vor allem weil viele Piloten im sogenannten Contractor-Modell angestellt sind. Dabei handelt es sich um eine Art Schein-Selbstständigkeit: In Deutschland sind rund 35 Prozent der Ryanair-Piloten als Ich-AG angestellt. Dadurch, dass die Piloten über eine Personalvermittlungsfirma und nicht bei Ryanair selbst angestellt sind, spart sich die Airline die Sozialversicherungsabgaben. Die Staatsanwaltschaft Koblenz prüft bereits seit Jahren, ob das Leiharbeitermodell mit deutschem Arbeitsrecht konform ist.

Doch auch wer bei Ryanair festangestellt ist, dürfte mit den Bedingungen nicht zufrieden sein. Das Problem ist, dass die Piloten häufig nur kurzfristig kündbare Verträge bekommen. Auch eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist nicht vorgesehen. Möglich ist dies nur, da viele Flugführer offiziell in Irland angestellt sind, wo die Sozialstandards stark vom europäischen Durchschnitt abweichen. Diese Bedingungen gelten entsprechend auch für die 190 Ryanair-Piloten an den zehn deutschen Basen.

 

Bildquelle: iStock.com/fizkes

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