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Facebook-Datenskandal: Was Sie jetzt tun können

Der Ursprung des Problems ist ein kleine App, wie sie Facebook-Nutzer täglich tausendfach benutzen. Diese Apps kommen als „Psychotests“ oder Spielereien daher und scheinen auf den ersten Blick harmlos. Vor über vier Jahren hat ein Wissenschaftler eine solche App unter dem Titel „thisisyourdigitallife“ veröffentlicht. Wer diese App innerhalb Facebooks nutzen wollte, musste zustimmen, dass der Erfinder diverse persönliche Daten abrufen und speichern darf.

Was ist das Problem an der Sache?

Problematisch wurde die ganze Sache, weil der Wissenschaftler nicht nur die Daten der App-Nutzer erfasste, die dem ja zugestimmt hatten. Er konnte über die Freundesliste dieser Nutzer auch die Daten ihrer Facebook-Freunde speichern. So kommt es, dass in Deutschland zwar nur 65 Personen die ursprüngliche App benutzt haben, aber insgesamt bis zu 310.000 deutsche Facebook-Nutzer betroffen sein können. Außerdem hat der App-Entwickler die Daten nicht nur selbst genutzt, sondern sie an Cambridge Analytica weitergegeben – ein Unternehmen, das diese Daten später benutzt haben soll, um den Wahlkampf von Donald Trump zu beeinflussen, als der US-Präsident werden wollte. Welche Daten genau Cambridge Analytica verarbeitet und auch wie lange es diese gespeichert hat, ist allerdings bisher unklar. Selbst Facebook kann das noch nicht sagen, weil zunächst die Ermittlungsbehörden alle relevanten Unterlagen sichten, bevor etwa Facebook Einblick erhält.

Wie finde ich heraus, ob meine Daten betroffen sind?

Bisher hatten Facebook-Nutzer keine Chance herauszufinden, ob ihre persönlichen Daten an Cambridge Analytice weitergegeben worden waren. Doch Facebook hat angekündigt, ab heute, 9. April 2018, alle Nutzer im Newsfeed zu informieren. Konkret soll das so aussehen, dass auf Ihrer eigenen Facebook-Startseite ein Link erscheint, hinter dem sich alle Drittanbieter verbergen, die via Facebook Ihre Daten bekommen haben. Dort können Sie auch sehen, ob Cambridge Analytica darunter ist.

Kann ich meine Daten zurückholen, wenn sie an Cambridge Analytica weitergegeben worden?

Nein, „zurückholen“ können Sie Ihre Daten nicht. Theoretisch könnte jeder, der die Daten einmal hat, sie speichern und beliebig oft vervielfältigen, ohne dass Sie das überhaupt bemerken. Selbst wenn ein Unternehmen Ihnen Ihre Daten also „zurückgibt“, heißt das nicht, dass die Firma keine Kopie hat und weiter damit arbeitet.

Im konkreten Fall hat Cambridge Analytica allerdings schon 2015 Facebook gegenüber erklärt, dass die betreffenden Daten gelöscht worden seien. Ob das stimmt, ist derzeit schwer überprüfbar. Außerdem ist es durchaus möglich, dass zwar die Daten selbst gelöscht wurden, die Analysen und Rückschlüsse auf das Nutzerverhalten, die das Unternehmen daraus gewonnen hat, aber nicht.

Grundsätzlich haben Sie datenschutzrechtlich einen Auskunftsanspruch. Sie können von einem Unternehmen verlangen, dass es Ihnen mitteilt, ob und gegebenenfalls sogar welche Daten es von Ihnen besitzt und verarbeitet. In vielen Fällen können Sie anschließend auch die Löschung der Daten verlangen. Dieses Recht auf informationelle Selbstbestimmung gibt es bereits, doch mit der Einführung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Mitte Mai sollen Ihre Verbraucherrechte hinsichtlich des Datenschutzes weiter gestärkt werden.

Wenn Sie im Detail wissen wollen, was die DSGVO ändert, empfehlen wir einen Blick auf unsere Spezialseite: DSGVO: So machen Sie Ihre Webseite mit Online-Shop abmahnsicher

Wie kann ich meine Daten auf Facebook schützen?

Die sicherste Möglichkeit, persönliche Daten in Zukunft zu schützen, ist das Facebook-Profil oder die –Fanpage zu löschen. Das ist allerdings eine sehr drastische Maßnahme. Die meisten Nutzer möchten auf die Vorteile des sozialen Netzwerkes nicht verzichten. Um die Daten trotzdem bestmöglich zu schützen, sollten Sie:

  • vor dem Posten sehr genau überlegen, ob Sie diese Information wirklich preisgeben wollen. Fragen Sie sich, wie Sie sich fühlen würden, wenn jeder Mensch auf der Welt die Information lesen könnte? Das fänden Sie problematisch? Dann behalten Sie diese Information doch lieber für sich und verzichten Sie darauf, sie auf Facebook zu veröffentlichen.
  • die Privatsphäreeinstellungen auf Facebook regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls anpassen.

Die Privatsphäreeinstellungen finden Sie zum Beispiel, wenn Sie auf Ihrem Profil (nicht auf der Facebook-Startseite!) auf das Titelbild schauen. Neben dem Button „Aktivitätenprotokoll“ sehen Sie drei Punkte. Klicken Sie darauf und wählen Sie „Chronik-Einstellungen“ aus. Jetzt sollten Sie sich zumindest beim ersten Mal die Zeit nehmen, jeden Menüpunkt einzeln durchzugehen. Zumindest die Bereiche „Privatsphäre“, „Apps und Webseiten“ und „Werbeanzeigen“ sollten Sie anschließend regelmäßig überprüfen. Hier können Sie festlegen, wer welche Daten von Ihnen sehen kann und wer diese nutzen kann, um zum Beispiel personalisierte Werbeanzeigen zu schalten.

Kann so etwas wie der aktuelle Datenskandal bei Facebook erneut passieren?

Ja. Facebook hat zwar schon jetzt den Zugriff von App-Anbietern und Webseitenbetreibern auf die Nutzerdaten stark eingeschränkt und angekündigt, weitere Maßnahmen zum Datenschutz zu ergreifen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass Daten abgeschöpft und kommerziell genutzt werden.

Wenn Sie Sorge haben, dass Ihre personenbezogenen Daten unrechtmäßig gespeichert und verarbeitet werden, informieren Sie die selbstständigen Kooperationsanwälte der Deutschen Anwaltshotline gern über die juristischen Möglichkeiten. Halten Sie mögliche Vereinbarungen oder Zustimmungserklärung für die Telefon- oder E-Mail-beratung bereit, damit eine umfassende Einschätzung möglich ist.

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